Zweite Liga

Kreilach wird für Union immer mehr zum Volltreffer

Der Kroate Damir Kreilach kommt bei Berlins Zweitligisten immer besser zur Entfaltung und führt nun sogar die Torjägerliste an. Dabei bleibt der defensive Mittelfeldspieler stets bescheiden.

Foto: Soeren Stache / pa/dpa

Da ist sie also wieder, die Frage nach dem halb vollen oder halb leeren Glas. Und es kommt selten vor, dass Spieler und Trainer des 1. FC Union in diesem Punkt nicht komplett gleicher Meinung sind. So sagte Torsten Mattuschka zum Beispiel nach dem 1:1 beim FSV Frankfurt: „In der vergangenen Saison hätten wir die Partie noch verloren, jetzt haben wir einen Punkt geholt. Damit können wir leben.“

Sein Trainer Uwe Neuhaus wiederum gab zu verstehen, dass er sich nicht mit dem einen Zähler zufrieden geben wollte: „Deshalb habe ich mit Simon Terodde einen zweiten Stürmer eingewechselt.“ Unter dem Strich gehe das Remis aber in Ordnung.

Ein Profi des Berliner Fußball-Zweitligisten dürfte jedoch zufriedener sein als seine Teamkollegen. Nicht nur wegen seines Treffers in Frankfurt kann man von Damir Kreilach behaupten: Die Leistungskurve des Kroaten zeigt von Woche zu Woche mehr nach oben. „Das Tor ist mir nicht so wichtig“, sagte Kreilach: „Wichtig ist, dass die Mannschaft gut gespielt und einen Punkt geholt hat.“

Drei Tore in fünf Spielen – wie Stürmer Nemec

Das klingt bescheiden, dabei ist der defensive Mittelfeldspieler auf dem Platz gar nicht so defensiv. Bereits drei Tore hat Kreilach in den fünf Saisonspielen erzielt, genau so viele wie Stürmer Adam Nemec. Mit einer solchen Ausbeute war nun wirklich nicht zu rechnen.

Keine Frage, Kreilach kommt im Ensemble von Trainer Neuhaus immer besser zurecht. Das liegt am Deutschunterricht, den er gleich mit Beginn seiner Tätigkeit für die Köpenicker begonnen hat. Interviews gibt er zwar immer noch lieber auf Englisch, doch die Kommunikation mit seinen Mitspielern auf dem Feld wird immer besser.

Das System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern kommt ihm dabei zugute. Durch die doppelte Absicherung hat der 24-Jährige nun die Möglichkeit, seine ohne Zweifel vorhanden Offensivqualitäten besser auszuspielen. Waren die ersten beiden Partien der Saison, in denen Kreilach noch allein vor der Abwehr agierte, eher von Unsicherheiten geprägt, zeigt sich nun mehr und mehr das Selbstvertrauen.

Freude über das System mit der Doppelsechs

„In den letzten Spielen sah das ganz gut aus“, freute sich Kreilach über die Doppelsechs: „Aber das ist eine Entscheidung unseres Trainers.“ Gute Leistungen dürften dazu beitragen, dass der Coach nicht allzu schnell wieder am System rütteln wird.

Die rasante Entwicklung Kreilachs zeigt, wie ernst ihm das Engagement bei den Köpenickern ist. Immer wieder betont er, dass er seine Zeit bei Union als „große Chance“ begreift, als sportliche Weiterentwicklung, die er in seiner Heimat nicht hätte nehmen können. Dort, in Rijeka, wo er von 2008 an fünf Jahre an für HNK gespielt hat und mit dem Klub auch den Sprung in die Europa League schaffte.

Kreilach wirkt immer noch dankbar für die Möglichkeit, sich im deutschen Profifußball präsentieren zu dürfen. Vielleicht auch, weil er schon die Schattenseiten des Lebens kennenlernen musste. Als Jugoslawien in den Wirren des Bürgerkriegs zerfiel, floh der damals Vierjährige mit seinen Eltern aus seiner Geburtsstadt Vukovar. Um so wichtiger wird für ihn die Integration bei Union sein.

Kapitän Mattuschka lobt den Kroaten

Das Team hält große Stücke auf den neuen Lenker im Mittelfeld. „Er kann schon richtig gut Deutsch, gibt Kommandos, das ist auch wichtig auf dieser Position“, lobte Kapitän Mattuschka den Kroaten stellvertretend für seine Mitspieler: „Der Junge macht das sehr gut, hatte eine richtig gute Vorbereitung. Er ist ein richtiges Vieh, zweikampfstark, kopfballstark. Ich hoffe, dass er das die Saison durchzieht.“ Große Worte, die Kreilach Spiel für Spiel bestätigen will.

Gegen Frankfurt hat sich wieder gezeigt, dass Kreilach in der Lage ist, ein Spiel lesen zu können, wie es so schön heißt. Unions Nummer 19 stand jedenfalls goldrichtig, um die Klasse-Vorarbeit Mattuschkas mit einem Tor zu krönen, seinem dritten in dieser Saison. „Das ist wichtig für mein Selbstbewusstsein“, sagte Kreilach nur. Ganz bescheiden.