Zweite Liga

Für Bochum-Trainer Neururer kann der 1. FC Union aufsteigen

Berlins Zweitligist startet am Sonntag gegen Bochum in die neue Saison. Für VfL-Trainer Peter Neururer gehört die Alte Försterei zu seinen Lieblingsstadien und er hält viel von den Köpenickern.

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Er war in Bochum und Umgebung schon lange vor dem Frühjahr 2013 Kult. Weil er witzig ist und auch mal einen Spruch wagt, seine Meinung sagt, ob sie anderen passt oder nicht.

Dementsprechend groß war auch das Entsetzen, und zwar weit über das Ruhrgebiet hinaus, als Peter Neururer im Juni 2012 auf dem Golfplatz einen Herzinfarkt erlitt. Aber „Pete“, wie ihn alle nennen, kam zurück, rettete Ende der vergangenen Saison in nur sechs Spielen seine große Liebe, den VfL Bochum, vor dem Abstieg in die Dritte Liga.

Am Sonntag gastiert Neururer mit Bochum zum Zweitligastart beim 1. FC Union (15.30 Uhr, Alte Försterei, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost).

Die Berliner Morgenpost sprach mit Neururer vor seinem Berlin-Besuch und erfuhr, dass Bochums Trainer die Mannschaft von Uwe Neuhaus für den Geheimfavoriten der kommenden Zweitliga-Saison hält.

Berliner Morgenpost: Vorab die Frage nach Ihrer Gesundheit, Herr Neururer. Wie geht es Ihnen?

Peter Neururer: Das ist sehr nett, aber ganz ehrlich, ich kann diese Frage nicht mehr hören. Ich bin topfit, ich bin gesund – und das schon seit einem Jahr und (lacht): meine Verträge mit Marlboro habe ich auch gekündigt.

Dann zum Spiel gegen Union.

Ich habe es ja schon mehrfach versucht, aber bei Union noch nie einen Punkt geholt und das, obwohl die Alte Försterei eines meiner Lieblingsstadien ist. Es wird wohl am Sonntag das erste Mal sein, dass wir dort gewinnen, und das wird ja auch Zeit.

Echt?

Na, soll ich sagen, wir verlieren da?

Sie haben aber schon mehrfach gesagt, dass Union einer Ihrer Geheimfavoriten für die kommende Saison ist. Reden Sie nur den nächsten Gegner stark?

Nein, das glaube ich wirklich, weil Union eine gewachsene Mannschaft mit gewachsenen Strukturen ist, die immer wieder verstärkt wurde. Auch jetzt, durch den zentralen Sechser aus Kroatien und Sören Brandy, den wir auch haben wollten. Da hat der Uwe ein wirklich gutes Händchen, und das schon seit Jahren.

„Der Uwe“ klingt sehr familiär?

Uwe Neuhaus war mein Spieler bei Rot-Weiß Essen, meiner ersten Trainer-Station. Uwe war ein Super-Fußballer, er war ja dann mit Wattenscheid in der ersten Liga, hat es aber wegen Knie-Problemen nicht geschafft, frühzeitig in die Bundesliga zu kommen. Er hatte außergewöhnliche organisatorische Fähigkeiten, konnte das Spiel lesen. Er war als Spieler schon fast wie ein Trainer. Jetzt bei Union hat er immer wieder Leute geholt, wie auch Terodde, die hundertprozentig in sein System passten. Die Mannschaft ist gefestigt und kann, wenn alles normal läuft, oben mitspielen. Und wer oben mitspielen kann, kann auch aufsteigen. Auch ganz wichtig: Jedes Heimspiel ist ja mittlerweile ein positives Erlebnis.

Nicht ganz so wie zuletzt in Bochum.

Stimmt, wir haben in den letzten beiden Spielzeiten zwölf Heimspiele gewonnen, in Bochum wohlgemerkt. Da gibt es für uns einiges zu tun.

Die Zweite Liga verspricht einiges. Düsseldorf hat in der Vorbereitung den AS Monaco mit 3:2 geschlagen, Union Celtic Glasgow mit 3:0 und Sie mit dem gleichen Ergebnis Twente Enschede.

Der Sieg hätte auch höher ausfallen können, aber zum Glück ist es beim 3:0 geblieben, sonst würden die Jungs ja denken, sie könnten schon richtig Fußball spielen.

Gegen Aston Villa gab es vergangenen Sonntag ein 1:1.

Ja, wir sind auf bestem Wege. Das war alles absolut okay, da war eine ganz klare Richtung zu erkennen, aber wir sind noch nicht so weit, dass wir von ganz oben träumen. Wir sind letztes Jahr dem Fußball-Tod von der Schippe gesprungen, standen schon mit dreiviertel Beinen in der Dritten Liga. Wir sind auf einem guten Weg, wieder ein Wir-Gefühl zu schaffen und eine Einheit aus Publikum, Umfeld und Mannschaft zu werden. Daran arbeiten wir. Eines ist aber auch klar: auf Dauer muss der VfL wieder zurück in die erste Liga.

Konnten Sie die Euphorie des Klassenerhalts über den Sommer retten?

Absolut, was sich da entwickelt hat, ist traumhaft. Der Klub hat mehr Dauerkarten verkauft, obwohl das kein Parameter ist, weil es bei uns immer noch genug Karten gibt. Bei dem Freundschaftsspiel gegen Aston Villa waren 10.000 Zuschauer, das ist für Bochum unglaublich. Wir sind in der Vorbereitung nach einem 0:2 gegen Leverkusen mit Applaus verabschiedet worden. Da hat sich im Bewusstsein einiges geändert. Man ist wieder stolz, mit dem Verein was zu tun zu haben.

Vielleicht sind Sie auch ein Geheimfavorit.

Nein, in dieser Saison werden wir noch nicht ganz oben mitspielen, aber auch nicht ganz unten. Dafür sind wir zu stark. Wir schaffen uns jetzt die Basis, um im übernächsten Jahr oben anzugreifen. Wir haben jetzt einige Talente, die noch A-Jugend spielen können, aber im Profi-Kader dabei sind. Wir haben mit Richard Sukuta-Pasu, Danny Latza und Florian Jungwirth drei ehemalige U-19-Europameister geholt, die jetzt schon 22, 23 Jahre sind und in einer Phase, wo man Stabilität gewinnt. Das passt.

Das Rennen um Supertalent Leon Goretzka haben Sie gegen Schalke aber verloren. Macht Sie das immer noch traurig?

Na klar, ich lebe doch den VfL. Dass ein solcher Spieler irgendwann geht, ist klar, aber für seine sportliche Entwicklung halte ich den Schritt zu diesem Zeitpunkt auch nicht für so gut. Ich kann Schalke nur beglückwünschen, denn Leon ist der außergewöhnlichste Spieler in diesem Alter, den ich meiner Karriere jemals habe betreuen dürfen. Sein Potenzial ist unvorstellbar, der reine Wahnsinn. zudem ist er im Kopf völlig klar, ein netter, anständiger Kerl. Einer, der zur Mannschaft, zum VfL und zur Stadt gepasst hat. Wenn so einer geht, tut das weh.

Sie waren den Sommer über mehrfach in den Schlagzeilen. Zum einen, weil Sie gegen Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer gestänkert haben, dann klar Stellung gegen die US-Reise der Nationalmannschaft bezogen haben. Gab es Reaktionen? Sind Dialoge entstanden?

Nein, mit wem sollen da Dialoge entstanden sein. Den Anspruch habe ich auch nicht. Ich bin zu einer Sache gefragt worden, habe meine Meinung kund getan, und fertig. Von vielen Seiten gab es aber ein positives Feedback.

Sie waren als Trainer vier Jahre ohne Job ...

… Moment mal, da gehen unsere Recherchen aber weit auseinander. Ich hatte einen laufenden Vertrag mit dem MSV Duisburg, den ich habe auslaufen lassen, ohne Beschäftigung zu haben. Ich hatte während der Laufzeit dieses Vertrages mit Duisburg mehrere Angebote, die ich abgelehnt habe, weil die so viel Mist mit mir gemacht hatten, dass ich mir innerlich gesagt habe, ihr zahlt bis zum letzten Tag. Direkt danach habe ich angefangen, bei Sport1 zu arbeiten und das habe ich dann fast zwei Spielzeiten lang gemacht.

Wird man Sie weiter im Fernsehen bei Sport1 sehen?

Ja, am Dienstagabend im Fan-Talk, da geht es ja auch um die Zweite Liga. Ich bin denen bei Sport1 unheimlich dankbar, weil sie mich ja auch mit im Geschäft gehalten haben. Der Aufgabenbereich dort gefällt mir und jetzt ist es auch noch für den VfL Bochum gut.