Testspiel

Der 1. FC Union befeuert seinen Bundesliga-Traum

Zweitligist Union hat den schottischen Meister Celtic Glasgow im ausverkauften Forsthaus mit 3:0 zerlegt. 21.000 Fans feirten. Der Erfolg nährt den Traum vom Aufstieg in die Bundesliga.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Am Ende gab es die Erleuchtung, in Form einer eindrucksvollen Show aus Licht, Farben und Rockusik. Begeistert lauschten nicht nur die 21.410 Zuschauer im ausverkauften Stadion den Klängen, sondern auch die Spieler des 1. FC Union und von Celtic Glasgow. Wenig verriet in diesen Minuten, dass nur Momente zuvor ein Fußballspiel stattfand zwischen einem Zweitligisten aus Berlin und dem Meister aus Schottland.

Viel mehr erinnerte alles an einen Sommernachtstraum, den man in Köpenick an jenem lauen Juliabend zelebrierte. Wegen des guten Auftritts der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus, die das Spiel 3:0 (1:0) gewann. Und wegen der Spielstätte, die seit Freitagabend in neuem Glanz erstrahlt.

Dudelsack-Klänge zur Eröffnung

Pünktlich um 18.45 Uhr öffneten Union-Präsident Dirk Zingler und Dirk Thieme, Vorstand der Stadion AG, erstmals die Türen zur neuen Tribüne. Ihr Weg führte sie einige Schritte den roten Teppich entlang, der für die Besucher des neuen Bauwerks ausgerollt war. Schließlich sprach Zingler sichtlich bewegt die entscheidenden Worte: „Ich freue mich, Sie zur Eröffnung der neuen Haupttribüne und damit zur Fertigstellung unseres vor fünf Jahren begonnen Stadionbaus begrüßen zu dürfen.“

Wenige Augenblicke später enthüllten Hostessen, Stewardessen ähnelnd in rote Uniformen gekleidet, den Schriftzug „Stadion an der Alten Försterei“ an der Fassade des Neubaus. Kurz darauf enterten die staunenden Besucher die Eisern-Loungen, Vip-Bereiche und Business-Seats. Einige kamen in Anzug und Krawatte gekleidet, die Damen in schicken Abendkleidern, viele jedoch hatten sich einfach ihr Union-Trikot übergestreift.

Es war ein Abend, an dem sich der 1. FC Union selbst feierte. Dafür hatte man sich fast schon traditionell Gäste von der britischen Insel eingeladen. Mit standesgemäßen Dudelsack-Klängen, vorgetragen von der Pipes & Drums Formation „Black Kilts“, wurden die Schotten begrüßt. Beide Fanlager heizten die Stimmung mit ihren Gesängen zusätzlich an – ein wahrlich würdiger Rahmen zur Einweihung des neuen Schmuckkästchens in Köpenick.

Der Star war das Stadion, für Unterhaltung sorgten jedoch die Protagonisten auf dem Feld. Es war ansehnlich, was die Köpenicker neun Tage vor dem Saisonstart gegen den VfL Bochum zeigten. Die Neuhaus-Schützlinge zeigten jene Tugenden, die man sich auch in den kommenden Wochen und Monaten im Liga-Alltag erhofft. Konzentriert gingen die Unioner in der Defensive zu Werke. Der schottische Meister, vergangene Spielzeit noch im Achtelfinale der Champions League, blieb wenige Tage nach dem Fürth-Debakel (2:6) und knapp eine Woche vor dem wichtigen Start in die Qualifikation der Königsklasse vieles schuldig.

Schon nach elf Minuten konnte Union jubeln, Simon Terodde hatte von der Strafraumgrenze abgezogen, Gegenspieler Kelvin Wilson schaute andächtig zu. Neben Terodde stand Sören Brandy in der Anfangsformation; Adam Nemec und Steven Skrzybski, gegen Dundee United (4:1) noch mit drei Toren erfolgreich, mussten zunächst auf die Bank. Nach 24 Minuten lag Martin Dausch in der Luft, sein Seitfallzieher flog jedoch über das Tor – die Schotten waren beeindruckt, die Union-Fans begeistert.

Den Berlinern war anzumerken, dass sie den Abend zu einem unvergesslichen machen wollten. Nach einem Eckball drosch Schönheim fast von der Mittellinie den Ball wieder in Richtung Glasgower Tor, Celtic bewegte sich zu behäbig aus dem Strafraum, Brandy reagierte am schnellsten und spitzelte das Spielgerät hinein ins Union-Glück, 2:0 (55.).

Saisonstart gegen den VfL Bochum

Mit der zweiten Hälfte war die Wechselzeit bei Union angebrochen. Christian Stuff ersetzte Mario Eggimann in der Defensive (46.), nach 70 Minuten kamen Adam Nemec. Am guten Auftritt der Unioner für die Damir Kreilach noch erhöhte (87.), änderte dies nichts, ebenso wenig wie am fünften Sieg im sechsten Testspiel. Manch einer auf den Rängen dürfte sich eine Union-Saison in schillerndsten Farben ausgemalt haben, nicht nur wegen der Lichtshow nach Spielschluss.

Kapitän Mattuschka sagte: „Zum ersten Mal in der Vorbereitung haben wir zu Null gespielt. Aber der Saisonstart gegen Bochum, das wird ein anderes Spiel.“ Trainer Neuhaus war es etwas zu viel des Lobes: „Wir haben hier eine Euphorie entfacht, die einem Trainer nicht immer passt.“ Union wird in der Liga als Geheimfavorit für den Bundesliga-Aufstieg gehandelt. Die Leistung gegen Celtic befeuert den Traum. Doch Neuhaus wollte sich nicht auf ein Saisonziel festlegen. „Mein Ziel ist es, das erste Punktspiel gegen Bochum zu gewinnen.“