Es war kein schöner Sieg gegen Jahn Regensburg, aber ein eminent wichtiger. Nicht nur wegen des Ergebnisses, mit dem der 1. FC Union die Negativserie von vier Spielen ohne volle Punktausbeute beenden konnte. Das 1:0 gegen die damit als erste Absteiger feststehenden Bayern hat drei Lehren offenbart, die für den weiteren Weg der Köpenicker Kicker, vor allem mit Blick auf irgendwelche Bundesliga-Ambitionen, nicht unwichtig sind.

Der Trainer erreicht das Team

Zum zweiten Mal in dieser Spielzeit war Uwe Neuhaus richtig gefordert. Und wie schon zu Saisonbeginn, als es nur einen Punkt aus fünf Spielen gab, war der Coach erneut vor allem als Psychologe gefragt, der seinen Mannen neues Selbstvertrauen einimpfen musste. „Noch mal vier solche Spiele hätten wir uns nicht erlauben können, sonst wäre eine eigentlich ordentliche Saison kaputt gewesen“, sagte Neuhaus. Die Spieler sahen dies offenbar genau so. Ganz zur Freude ihres Coaches: „Die Mannschaft hat diszipliniert und konzentriert gearbeitet.“

Mittendrin zwei Akteure, die sich die Maßnahmen des Trainers offenbar sehr zu Herzen genommen haben. Simon Terodde hatte vor einer Woche in Aalen (0:3) seinen Stammplatz verloren, Christopher Quiring musste sogar komplett zuschauen. Die Auszeit hat gefruchtet. Terodde schoss – wenn auch glücklos – aus allen Lagen. Und Quiring „ist so aufgetreten, wie ich mir das vorstelle“, lobte der Coach. Laufstark und torgefährlich präsentierte sich der Mittelfeldspieler.

Auf Kapitän Mattuschka ist Verlass

Die Leistung von Torsten Mattuschka hatte gegen Regensburg ohne Zweifel reichlich Luft nach oben. „Die Leichtigkeit, die wir noch vor fünf, sechs Wochen gehabt haben, hat uns sicherlich gefehlt. Wenn man vier Spiele nicht gewinnt, hat das auch etwas mit dem Kopf zu tun“, sagte der Kapitän. Doch als es darauf ankam, zeigte sich Mattuschka nervenstark.

Den siegbringenden Elfmeter setzte er platziert neben den rechten Pfosten, sein anschließender Jubel war verhalten. So als wollte er seinen Mitspielern zeigen: Jungs, jetzt nicht die Konzentration verlieren. „Wir haben gekämpft, alles gegeben und die richtige Reaktion gezeigt“, so Unions Nummer 17.

Sogar zu Scherzen war er wieder aufgelegt. „Jetzt können wir nicht mehr absteigen und haben ein paar Wochen vor uns, in denen wir feiern können“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Es müssen Verstärkungen her

Und noch etwas haben die 90 Minuten gegen Regensburg offenbart: Will Union in der nächsten Spielzeit weiter nach oben, müssen Verstärkungen her. Beleg für die dünne Personaldecke ist Marc Pfertzel.

Der Rechtsverteidiger wurde für Baris Özbek eingewechselt – und fand sich prompt im linken Mittelfeld wieder. Zuvor musste Özbek von rechts nach links wechseln, nachdem der überspielt wirkende Björn Jopek zur Pause ausgewechselt wurde und der Brasilianer Silvio derzeit offenbar keine Option darstellt.

Die Alternative zu Jopek, Michael Parensen, wird nach dem Weggang von Markus Karl (Kaiserslautern) derzeit im defensiven Mittelfeld gebraucht. Ein neuer Sechser ist unabdingbar, will Union schon in der nächsten Saison in Richtung Aufstiegsplätze schielen. Zumal mit Daniel Göhlert und Christoph Menz zwei Kandidaten für die Position den Verein verlassen müssen.

Auch die Spielmacherposition sollte doppelt besetzt werden. Ein Mattuschka ist zu wenig, um weiter nach oben zu blicken. Sollte Union die Optionen für Fabian Schönheim und Roberto Puncec nicht ziehen, herrscht auch in der Innenverteidigung dringend Handlungsbedarf.