Die vergangenen Tage hatten es in sich. Zumindest, wenn man Fußballprofi beim 1. FC Union ist. Dabei hätte alles so schön sein können, jetzt, da der Frühling mit Macht kommt und man sich im Lager des Berliner Fußball-Zweitligisten eigentlich ein durchaus entspanntes Arbeiten auf der Zielgeraden der Saison hätte gönnen können.

Wenn da nicht jene vier Spiele ohne Sieg gewesen wären. Viel schlimmer: vier Spiele, in denen die Köpenicker auch von der Leistung her maßlos enttäuschten.

Es musste sich etwas ändern. Fand zumindest Trainer Uwe Neuhaus. „Dass man irgendwann mal andere Maßnahmen ergreift, ist doch völlig normal“, sagte der Trainer am Mittwoch. Neuhaus wirkte dabei recht entspannt. „Die Schwelle, etwas zu ändern, war bei mir erreicht.“ Von wegen lockerer Ausklang einer insgesamt guten Saison im Bundesliga-Unterhaus, in der Union zwischenzeitlich sogar auf Relegationsplatz drei schielen durfte.

Training statt freier Tage an der Alten Försterei

Neuhaus ließ die Seinen ordentlich schwitzen. „Von der Ankunft aus Aalen bis jetzt hatten wir sechs Trainingseinheiten“, erklärte der Coach. Das Auslaufen in den frühen Morgenstunden des Sonnabends inbegriffen.

Das Hauptaugenmerk, vor allem in den ersten beiden Tagen, lag dabei auf der physischen Arbeit. In den Einheiten vor der Partie am Freitag gegen Schlusslicht Jahn Regensburg (18 Uhr, Alte Försterei) wird die Mannschaft wieder mehr Taktik und Ballarbeit auf dem Programm haben.

Die Frage, die sich dem Betrachter der vergangenen Wochen stellt, lautet: Sind die Union-Spieler fit genug für den Saisonendspurt? Die Auftritte in Frankfurt (0:3), Paderborn (1:1), gegen Dresden (0:0) und in Aalen (0:3) lassen nur ein Nein als Antwort zu.

„Man hat nicht mehr die Frische am Ende der Saison“

Es war Michael Parensen, der schon nach dem Remis gegen Dresden im Heimspiel vor knapp zwei Wochen die mauen Auftritte wie folgt erklärte: „Man hat auch nicht mehr die Frische am Ende der Saison.“

Parensen hatte zuletzt in Aalen wegen einer Gelb-Sperre gefehlt, gegen Regensburg wird der Mittelfeldspieler wieder in die Mannschaft rücken, verriet Neuhaus gestern. Ob es weitere personelle Veränderungen oder gar eine neue taktische Ausrichtung geben wird, wollte der Coach noch nicht verraten.

Der Trainer hat derweil einen anderen Grund für die – nennen wir es ruhig – Krise ausgemacht. „Es hat nichts mit dem Fitnesszustand zu tun, wenn wir wie in Frankfurt in der ersten Halbzeit nach zwei Minuten in Rückstand geraten“, sagte Neuhaus: „Das war mittlerweile das 17. Gegentor nach einer Standardsituation. Das ist schon deutlich zu viel.“

Schlechte Leistungen werden zum Kopfproblem

Die lethargischen Leistungen hätten nichts „mit den körperlichen Voraussetzungen zu tun“, so Neuhaus: „Klar kann man sagen, die Spieler haben permanent im roten Bereich trainiert, die sind ausgebrannt. Aber das ist nicht der Fall, wir nehmen in der Regel auch immer zwei Tage vor einem Spiel so ein bisschen den Dampf raus. Da lege ich ja immer Wert drauf, dass die Mannschaft frisch in ein Spiel geht. Dass es nach vier Wochen schlechte Leistung irgendwann ein Kopfproblem wird, ist auch nur menschlich.“ Deshalb versuchte es der Coach in seiner Eigenschaft als Psychologe mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche.

Fakt ist: Beherrscht dieses Kopfproblem die Unioner auch im Spiel gegen den Tabellenletzten, wird es kein schöner Freitagabend werden. Neuhaus: „Es ist der unangenehmste Gegner in unserer derzeitigen Situation.“ Regensburg hat nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt, alles andere als ein Sieg der Berliner wäre da eine weitere Blamage.

„Wir wollen und müssen gewinnen, fertig, aus“

„Für uns gibt es nur ein Ziel: ein Sieg gegen Regensburg“, sagte Neuhaus. Und um es gleich noch einmal zu unterstreichen, fügte er hinzu: „Rausgehen, ehrliche Maloche abliefern, das ist unser Auftrag. Wir wollen und müssen gewinnen, fertig, aus.“

Voraussetzung für Maloche über die gesamten 90 Minuten ist allerdings eine Mannschaft in körperlich bester Verfassung. An der Alten Försterei ist man sich jedenfalls sicher, dass in den vergangenen Tagen alles dafür getan wurde.