Hertha-Manager

Preetz steht trotz Aufstieg unter Beobachtung

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Uwe Bremer

Foto: Bernd Wende / pA/Photowende

Seit mittlerweile 17 Jahren ist Michael Preetz Herthaner - erst als Stürmer und danach am Schreibtisch. Als Manager polarisiert er. Doch Preetz nutzt die Chance, die ihm kaum jemand einräumen wollte.

Selbst die schärfsten Kritiker räumen ein, dass er mit Herzblut Herthaner ist. Auch die vehementen Gegner seiner Beschäftigung stimmen der These zu, dass ein Verein Kontinuität brauche für eine positive Entwicklung. Im Fall von Michael Preetz (45) sind beide Eigenschaften vorhanden. Seit mittlerweile 17 Jahren steht er in Diensten des Hauptstadt-Klubs, bis 2003 als Stürmer.

Im Anschluss ist er hinter den Schreibtisch gewechselt, seit 2009 verantwortet Preetz als Geschäftsführer die Bereiche Sport und Kommunikation/Medien. Und doch polarisiert kein Herthaner die Gemüter der Fans wie der Rekordtorjäger. Niemand hatte in der nun zu Ende gehenden Saison eine größere Fallhöhe als Preetz. „Der Schlüssel war die Mitgliederversammlung im vergangenen Mai“, sagt Preetz heute. „Das war der Wendepunkt, da ging es um die weitere Ausrichtung des Vereins.“

Nach dem zweiten Bundesliga-Abstieg unter seiner Verantwortung forderten viele einen neuen Manager. Das Vertrauen in den siebenmaligen Nationalspieler war weitgehend dahin. Mittlerweile sind elf Monate ins Land gegangen, und Preetz hat Kredit zurückgewonnen.

Läuft alles optimal, darf er darauf rechnen, dass sein bis 2014 laufender Vertrag verlängert wird. „Am Tag nach der Mitgliederversammlung konnten wir nach vorne planen“, erinnert sich Preetz. Sein wichtigster Schachzug war jedoch schon vorher gelungen. Trainer Jos Luhukay hatte trotz Warnungen diverser Freunde Hertha sein Ja-Wort gegeben.

Wie sich im Laufe der Saison herausstellte, eine exzellente Wahl. „Wir arbeiten vertrauensvoll und miteinander“, beschreibt Preetz das Zusammenspiel mit dem Trainer.

Demonstrativ zurückgezogen

Nachdem die Außendarstellung von Hertha in der Saison zuvor phasenweise kläglich war, zog sich der dafür verantwortliche Preetz im aktuellen Spieljahr noch mehr zurück. Die erste Geige in der Außendarstellung spielte fortan Jos Luhukay. Das war so demonstrativ, dass der Trainer irgendwann dem Manager sagte, er wolle auf Pressekonferenzen Preetz nicht die Show stehlen. Das sei in Ordnung, antwortete der Manager. Er sei vor Ort, falls es Fragen gäbe. Aber kein Problem, die Bühne gehöre dem Trainer.

Wer in der Blitzlichtgewitter-Branche Profifußball nur dezent wahrzunehmen ist, dem wird rasch ein Mangel an Führungsstärke unterstellt. Nun war in dieser Saison der Planer und Organisator gefragt. Trotz weniger Mittel interessante Spieler überzeugen, verhandeln, einen Kader zusammenstellen, Sponsoren begeistern – das gehört zu den Stärken von Preetz. Er ist der Architekt des direkten Wiederaufstiegs.

Der Trainer überzeugte das Team rasch von seiner Spielidee: Mutig verteidigen, nach vorn spielen. Wie vom Manager erhofft, wurde das Olympiastadion zur Festung. Als einzige Mannschaft im deutschen Profifußball hat Hertha keine Heimniederlage kassiert. So viele Eigengewächse wie aktuell sind bei Hertha noch nie im Einsatz gewesen. Und in einer Saison, in der Hertha nach anfänglichem Holpern durchgehend überzeugte, war kein Krisenmanager gefragt.

Wirtschaftlicher Spielraum bleibt auch 2013/14 begrenzt

In dieser Disziplin hatte Preetz in der Bundesliga nicht immer eine glückliche Figur abgegeben. Er weiß daher, dass nach „der ruhigsten Saison seit 1996, seit ich in Berlin bin“ künftig wohl wieder andere Herausforderungen anstehen. Herthas wirtschaftlicher Spielraum bleibt auch 2013/14 begrenzt. „Wir müssen uns weiter verbessern, was die Kompaktheit und Schnelligkeit angeht“, sagt Preetz. „Wir sind gefordert, noch mehr als homogene Einheit aufzutreten. Das wird nächste Saison auf dem Prüfstand stehen, wenn wir nicht so viele Siege einfahren.“

Zum Handwerkszeug gehört der weitere Bau am Hertha-Haus. Der Vertrag mit Luhukay soll vorzeitig verlängert werden. Da sich der Trainer mehrfach zu Berlin und zum Verein bekannt hat, wird diese Hürde zu meistern sein. Drei, vier Verstärkungen soll es geben. Geht alles glatt, will Preetz sämtliche Neue zum Trainingsstart am 23. Juni fix haben, damit sie die komplette Vorbereitung mitmachen können.

Herthas Architekt auf Bewährung

Trotz des zweiten Aufstieges steht allerdings nach wie vor Preetz selbst auf dem Prüfstand. Die Skeptiker haben die Zeit des Leidens mit den Abstiegen 2010 und 2012 nicht vergessen. Preetz ist Herthas Architekt auf Bewährung. Die Frage, ob er Bundesliga könne, stößt beim Manager auf Stirnrunzeln, aber er weiß, warum sie gestellt wird. Seine Antwort heißt: „Natürlich.“

Sein aktuelles Arbeitspapier läuft bis Juni 2014. Über eine Verlängerung entscheidet das Präsidium. Preetz sagt: „Mit mir hat niemand gesprochen, aber im Moment haben wir ganz andere Themen auf dem Zettel.“ Auch im Präsidium wurde diese Schlüsselpersonalie bisher nicht thematisiert. Aber sie wird längst kalkuliert. Präsident Werner Gegenbauer antwortete auf die Frage nach einem neuen Manager-Vertrag: „Lassen Sie sich überraschen.“ Eine andere mit der Angelegenheit vertraute (und abstimmungsberechtigte) Person sagte der Morgenpost: „Michael Preetz hat unstrittig gute Arbeit geleistet. Insofern hat er mein Vertrauen gerechtfertigt. Und damit hat er auch weiterhin Vertrauen verdient.“

Die Morgenpost-Prognose: Es wird noch ein wenig Zeit vergehen, dann erhält Preetz einen Zwei-Jahres-Vertrag. Das Risiko für Hertha lässt sich begrenzen. Indem der Kontrakt nur Gültigkeit für die Bundesliga besitzt .