1. FC Union

Nach Pleite in Cottbus - Mattuschka hakt Aufstieg ab

Das 1:2 in Cottbus wird Union nicht so schnell wegstecken. Den Berlinern fehlt noch der Killerinstinkt für einen Spitzenplatz. Vor allem gegen die Teams auf Augenhöhe werden zu viele Punkte verloren.

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

An dieser Niederlage werden die Spieler des 1. FC Union offenbar länger zu knabbern haben, als ihnen lieb ist. „Das ist schon extrem bitter“, sagte Stürmer Simon Terodde am Sonntagvormittag bei Schneetreiben an der Alten Försterei.

Auch sein Kapitän, Torsten Mattuschka, musste nach dem 1:2 in Cottbus eingestehen: „Es ist echt bitter, weil wir es unbedingt wollten“. Es – das meint den ersten Pflichtspiel-Sieg in der Lausitz seit dem 22. November 1992, das Heranrücken an Relegationsplatz drei, den Traum von der Bundesliga.

Nach der zweiten Auswärtsniederlage in Folge und dem Abrutschen auf Platz acht wollte sich Mattuschka jedoch keinen Träumereien mehr hingeben. „Jetzt haben wir noch neun Spiele, lasst uns wirklich nur noch von Spiel zu Spiel schauen und nichts anderes. Und dann schauen wir, was dabei herauskommt. Wenn man ein Spiel gewinnt und eins verliert, schaffst du es sowieso nicht.“

„Dann reicht es halt nicht, oben mal richtig anzugreifen“

Soll heißen: Mattuschka hakt den Aufstieg in die Bundesliga ab. „Darüber brauchen wir nicht mehr zu reden. Wenn man es nicht schafft, trotz 60 Minuten Überzahl ein Spiel zu gewinnen, dann reicht es halt nicht, oben mal richtig anzugreifen. Das hat sich damit auch erledigt, denke ich.“

Sogar Uwe Neuhaus ließ sich zu folgendem Statement hinreißen: „Gegen Cottbus waren wir vom Spielverlauf her in der besseren Position und hätten das Spiel für uns entscheiden müssen. Dass wir gut Fußball spielen können, das wissen wir. Dass wir mehr an uns glauben und in der Lage sind, diese Topspiele für uns zu entscheiden und diesen Glauben auch auf den Platz bringen – das ist der Punkt, den wir auch für die nächste Saison in Angriff nehmen müssen.“ Die Worte des Trainers klangen bereits wie ein kleines Fazit für die Spielzeit 2012/13.

Tatsächlich lässt sich nach drei Vierteln der Saison folgendes festhalten: Gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte hat Union kaum Sorgen. Gegen das Spitzentrio haben die Köpenicker stets gut mithalten können, in den entscheidenden Momenten fehlte allerdings meist das nötige Stückchen Cleverness, um einen Sieg mitzunehmen. Das wurde in Kaiserslautern (3:3 nach 2:0), in Braunschweig (3:4 nach 1:0 und 2:1) sowie im Derby bei Hertha BSC (2:2 nach 2:0) deutlich. Doch gegen die direkten Mitkonkurrenten im Kampf um Platz drei, jene Teams auf Augenhöhe, schafft es Union nicht, sich konsequent durchzusetzen.

Zu wenig Spielertypen mit Killerinstinkt

„Man überlegt schon, was fehlt, um diese Big Points zu machen“, sagte Neuhaus. Der Coach selbst nannte es fehlenden Killerinstinkt, Mattuschka sprach von fehlender Effektivität. Wie man das ändern kann? „Durch Spielertypen, die das verkörpern“, so Neuhaus. Solche Typen gibt es demnach im Kader der Köpenicker Kicker zu wenig. Mattuschka ist so einer. Ja, der Kapitän geht immer vorne weg, seinen Elfmeter in Cottbus verwandelter er unbeeindruckt von der Kulisse.

Terodde wegen seiner acht bislang erzielten Treffer zählt auch dazu, auch wenn er in Cottbus unter seinen Möglichkeiten blieb – wegen fehlender Fitness? „Natürlich war ich fit, sonst hätte ich nicht gespielt. Das ist doch auch meine Verantwortung der Mannschaft gegenüber“, sagte der Stürmer. Doch wirklich fit wirkte er während der 90 Minuten in der Lausitz nicht.

Selbst sein Trainer hatte die Chancen, dass Terodde im Kader steht, vor dem Spiel auf 40:60 beziffert. Erst in der letzten Trainingseinheit habe er letzte Zweifel weggewischt, so Neuhaus. Und doch ist es bezeichnend, dass der Coach lieber auf einen Akteur setzt, der gerade erst eine grippalen Infekt überstanden hat, als auf jemanden wie den Brasilianer Silvio, der den Trainer die ganze Woche überzeugt hat. „Er hat sich im Training so bemüht, wie ich es mir vorstelle“, hatte Neuhaus erklärt.

In Cottbus zu vorsichtig in Überzahl

Bleibt die Frage, warum es Union trotz knapp einstündiger Überzahl nur zehn Minuten nach der Pause geschafft hat, diese Überlegenheit auf dem Platz zu zeigen. Erklärungsversuche. „Wenn die Mannschaft in Unterzahl in der Defensive ist, ist es ja häufig gar keine Unterzahl. Sie steht dann ein bisschen tiefer, dadurch sind die Räume genau so eng wie vorher“, erklärte Neuhaus. „Wir wollten ja auch nicht zu offensiv sein, um kein Gegentor zu kassieren. Dadurch waren wir nicht mehr so zwingend“, meinte Mattuschka. Und Verteidiger Christian Stuff sagte: „Lange Bälle, mehr ist uns nicht eingefallen.“

Alles Punkte, die Union angesichts der Siege der Konkurrenz aus Köln, Frankfurt, München und zwangsläufig Cottbus zum Verlierer des Spieltages machen. Und wohl auch des Kampfes um Platz drei.