Zweite Bundesliga

Union setzt mit Terodde und Nemec voll auf Angriff

Es ist wie eine „Sturmwarnung aus dem Osten“. Union freut sich über Teroddes Torgefahr sowie Nemecs Fleiß – und hat neue Angreifer im Blick.

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Sie treffen. Mit dem Kopf oder mit dem Fuß. Spektakulär oder per Abstauber. Und immer wieder sind es wichtige Tore, die die Stürmer des 1. FC Union derzeit erzielen. Ja, Sie haben richtig gelesen: die Stürmer.

Rechtzeitig zum Jahresendspurt haben die Angreifer des Berliner Fußball-Zweitligisten ihre Ladehemmung abgelegt. Und damit maßgeblichen Anteil am Höhenflug der Köpenicker Kicker gehabt, der vorerst bis auf den fünften Platz führte. Die Liga hat eine klare Sturmwarnung aus dem Osten bekommen.

Simon Terodde zu allererst, aber auch Adam Nemec – einer von beiden Angreifern hat in den vergangenen fünf Partien immer getroffen. Für allein sieben der elf Union-Tore gegen Regensburg (3:3), 1860 München (2:2), Duisburg (2:1), Bochum (2:1) und zuletzt Kaiserslautern (2:0) zeichnete das Duo verantwortlich. Werte, die sich absolut sehen lassen können. Werte, auf die man an der Alten Försterei aber auch lange hat warten müssen in dieser Spielzeit.

„Ich ärgere mich immer noch darüber, dass ich so einen langen Anlauf gebraucht habe“, sagte Terodde. Schon in der vergangenen Saison blieb der 24-Jährige in der Hinrunde lange den Beweis seiner Torgefährlichkeit schuldig. Erst mit Beginn der Rückrunde erzielte er sein erstes Tor.

Vorstoß auf Platz sechs der Scorerwertung

Am Ende waren es acht Treffer, die für 2012/13 hoffen ließen. Was folgte, war jedoch die erneute Durststrecke in der ersten Saisonhälfte. Es spricht für den Angreifer, dass er Trainer Uwe Neuhaus, Mannschaft und Fans dieses Jahr nicht so lange warten ließ.

Inzwischen hat er bereits sieben Tore und vier Assists auf dem Konto. Werte, die ihn nicht nur in der Torjägerliste auf Rang neun hoben, sondern auch in der Scorerwertung bis auf Platz sechs vorstoßen ließen.

„Es ist bei Stürmern eben so: Wenn es einmal läuft, dann läuft es“, sagte Trainer Neuhaus. Auch wenn er immer noch „stocksauer“ darüber ist, dass Terodde „in den ersten sechs Spielen seinen Bruder geschickt“ hat. Ein Scherz, der auch belegt, wie erleichtert Neuhaus darüber ist, dass seine Abteilung Attacke nicht mehr nur auf dem Papier existiert.

Dazu beigetragen hat auch Nemec. Zuletzt dreimal in der Startformation, bringt es der Slowake inzwischen auf zwei Tore und eine Vorlage. Das klingt zunächst nach Pflichtprogramm für einen Angreifer, doch weit gefehlt. Gerade gegen Aufstiegskandidat Kaiserslautern wurde der 27-Jährige noch aus einem anderen Grund ganz wichtig.

Nemec arbeitete konsequent nach hinten mit, störte den Gegner dabei gehörig im Spielaufbau und eroberte darüber hinaus immer wieder den Ball. Zur Freude des Trainers. „Es scheint, dass es mit Terodde und Nemec passt“, sagte Neuhaus, auch wenn er einschränkend hinzufügte: „Wir können unseren Stürmern natürlich nicht immer ihren Ex-Klub als Gegner präsentieren.“ Nemec ging bis Januar dieses Jahres für Kaiserslautern auf Torejagd.

Vier Millionen sind für Union utopisch

Einzig Silvio (27) ist momentan das Sorgenkind im Union-Angriff. Durch die Tore „ist das Selbstvertrauen bei Terodde und Nemec da. Bei Silvio nicht“, analysierte Neuhaus. Nur einmal hat der Brasilianer bislang getroffen (zwei Vorlagen). Es war immerhin der wichtige Ausgleich beim ersten Saisonsieg gegen Köln (2:1).

An der Sturmwarnung aus dem Osten ändert dies jedoch nichts. Denn mit Stefan Nijland (24) weilte vergangene Woche ein Probestürmer an der Alten Försterei. Der 24-jährige Niederländer, beim PSV Eindhoven unter Vertrag, hinterließ einen guten Eindruck. „Auch wenn wir aufgrund der Witterung nicht so trainieren konnten, wie es nötig gewesen wäre – er kann schon Fußball spielen“, sagte Neuhaus.

Das Interesse an Nijland scheint jedenfalls da zu sein. „Ich glaube auch, dass er unbedingt in der Winterpause wechseln will“, bestätigte Neuhaus. Der Union-Coach sieht ihn als sogenannten Neuneinhalber, eine Mischung aus echtem Stürmer und offensivem Mittelfeldspieler.

Dass Union im Angriff nachlegen will, hat Neuhaus längst bekräftigt. „Wenn wir etwas tun, dann wohl in diesem Mannschaftsteil“, ließ er wissen. Jetzt müsse eben nur noch das Gesamtpaket stimmen, wie es so schön heißt. Mit anderen Worten: die Finanzierung. Um die vier Millionen Euro hat Eindhoven für Nijland, der beim PSV derzeit nur Reservist ist, bezahlt. Eine Summe, die für Union utopisch ist.

„Und für lau werden sie ihn wohl kaum gehen lassen“, sagte Neuhaus. Doch Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Schon heute wird ein weiterer Probespieler beim Training erwartet, natürlich ein Stürmer. Und nicht nur Terodde und Nemec werden alles daran setzen, ihre Torquote weiter zu verbessern. Ein Beleg dafür, wie ernst die Konkurrenz die Sturmwarnung aus dem Osten zu nehmen hat.