Union-Coach

Neuhaus zieht trotz Aufwärtstrend die Zügel an

Vor dem Aalen-Spiel erhöht der Union-Coach den Druck. Zuletzt waren die Eisernen nur erfolgreich, wenn sie mit dem Rücken zur Wand standen.

Foto: Matthias Rietschel / dapd

Gut ein Drittel der Zweitliga-Saison hat der 1. FC Union bereits hinter sich. Genauer gesagt ein Dutzend Spiele, an denen sich ein recht eigenartiges Phänomen ablesen lässt. Der Berliner Fußball-Zweitligist lieferte bislang immer dann seine besten Leistungen ab, wenn er mit dem Rücken zur Wand stand. Als nach fünf Spielen ohne Erfolg der 1. FC Köln zum Kellerduell an der Alten Försterei vorspielte, gab es den ersten Sieg (2:1). Als die Mannschaft im DFB-Pokal gegen Drittligist Kickers Offenbach derart enttäuschte und die Fans die Spieler sogar zur Rede stellten, gab es den Befreiungsschlag in Dresden (2:0).

Am heutigen Sonnabend wartet der VfR Aalen auf die Köpenicker (13 Uhr, Alte Försterei). Ein Aufsteiger ohne große Strahlkraft. Und Union startet aus dem sicheren Niemandsland der Tabelle in den 13. Spieltag, mit acht Punkten Abstand zu den Aufstiegplätzen und deren sechs zur Abstiegszone, ohne den Druck der vergangenen Woche – muss man sich demnach Sorgen machen? „Ich hoffe nicht“, sagt Christian Stuff: „Klar, Aalen ist nicht der klangvolle Name als Aufsteiger, wir spielen zu Hause, da ist normalerweise alles schon in den Köpfen geregelt. Aber: An Aalens Punktestand sieht man auch, dass man sie nicht unterschätzen darf.“

Aalen fährt als Siebter zum 1. FC Union

Recht hat er, denn mit Aalen kommt nicht irgendein Liganeuling, sondern der derzeit beste. Bis auf Rang sieben hat sich der VfR vorgespielt, dabei mit 19 Punkten sogar vier Zähler mehr gesammelt als Union. Folglich war für Trainer Uwe Neuhaus klar: Der Druck, den seine Mannschaft vor dem Dresden-Spiel verspürt hatte, muss unbedingt aufrechterhalten werden. Zumal der Coach ja ohnehin angekündigt hatte, seinen Umgang mit den Profis ändern zu wollen. Mit der ganz einfachen Zielsetzung, dafür zu sorgen, „dass solch eine schwache Einstellung wie in Offenbach bis zum Saisonende nicht noch einmal vorkommt“, sagte Neuhaus: „Und dass uns das in der nächsten Saison überhaupt nicht mehr passiert.“

Um dies zu erreichen, erhöhte der Trainer die Intensität in den Übungseinheiten. „Wir haben kleinere Spielformen trainiert, dazu viele Zweikämpfe“, erklärte der Coach. Der Druck auf die Spieler würde dadurch automatisch hochgehalten werden. Zumal jede Aktion vom Trainergespann akribisch beobachtet wurde und jeder Fehler den Stammplatz in Gefahr bringen kann. „Es darf auch nicht so rüber kommen, dass wir nur dann Einsatz zeigen werden, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen“, verdeutlichte Abwehrmann Stuff. Teamkollege Fabian Schönheim fügte hinzu: „Für unsere beste Leistung brauchen wir das aber offenbar. Deswegen ist es jetzt an uns, dass wir die Stabilität für die nächsten Wochen rein bekommen.“ Dass dies in der vergangenen Saison gelang, nachdem in Dresden beim 0:4 der Tiefpunkt erreicht war, darf als gutes Omen gewertet werden.

Kaum Chancen für die Dresden-Elf

Bleibt die Frage, mit welcher Mannschaft Neuhaus gegen Aalen antreten lassen wird. Klar scheint: Das System vom vergangenen Wochenende mit zwei defensiven Mittelfeldspielern und dem ebenfalls defensiv ausgerichteten Schönheim im linken Mittelfeld wird es wohl nicht wieder geben. „Ich muss mir die Frage stellen, ob das auch in Heimspielen das richtige System ist“, so Neuhaus. Der Grund liegt nahe: Da Aalen aus einer verstärkten Verteidigung heraus und mit Kontern agieren wird, dürfte es auf den Rängen unruhig werden, sollte Union die gleiche Taktik anwenden.

Geht es gegen die Ostwürttemberger also mit zwei Stürmern, wie sonst in den Heimspielen üblich? Nicht unbedingt, wie Neuhaus erklärte: „Vom 4-2-3-1-System vom Dresden-Spiel ist das 4-1-4-1 nicht so weit entfernt.“ Auch diese Variante könne die Mannschaft spielen, ebenso wie das klassische 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld. „Die Systemfrage wird aber oft zu hoch gehängt. Wichtig ist die Einstellung“, erwartet Neuhaus von seiner Mannschaft, nicht den Blick für das Wesentliche zu verlieren.

Es scheint, als habe die Mannschaft den Wink verstanden. Schönheim ließ jedenfalls wissen: „Ich kann auch ganz gut mit Wochen umgehen, in denen wir keinen Druck haben.“ Ein Sieg am Sonnabend gegen Aalen würde da ohne Zweifel für Entspannung sorgen.