Zweite Liga

1. FC Union verliert auf eigenem Platz gegen Paderborn

Deniz Naki schoss vor 16.000 Zuschauern in der Alten Försterei das entscheidende Tor für den SC. Die Berliner fielen auf Rang 12 zurück.

Foto: Timur Emek / dapd

Einmal sollte der Ball noch nach vorne. Vielleicht gab es ja doch noch diese eine, die allerletzte Chance. Doch die Nachspielzeit war längst abgelaufen, und für Schiedsrichter Harm Osmers (Hannover) gab es am Sonntagnachmittag keinen Grund, das Unvermeidliche noch länger hinauszuzögern.

Ein Pfiff, dann kam Jubel auf. Nicht im Union-Block oder auf der prallgefüllten Gegengeraden, sondern dort, wo sich die gut 250 Gäste-Anhänger verloren. Mit 0:1 (0:0) unterliegt der 1. FC Union dem SC Paderborn, die Serie des Berliner Zweitligisten von zuvor fünf Spielen ohne Niederlage wurde jäh gestoppt.

Fans bekamen kein Spektakel zu sehen

Ein Spektakel? Das bekamen die 15.738 Zuschauer in der Alten Försterei sicherlich nicht zu sehen. Keine grandiose Aufholjagd wie beim 3:2 vor gut vier Jahren, kein Tag des offenen Tores wie beim 5:4 im Jahr 2009.

Das Spektakel spielte sich diesmal nicht über 90 Minuten, sondern innerhalb weniger Sekunden ab. Eine Flanke von links durch Paderborns Mario Vrancic fand den Weg zu Deniz Naki. Der SC-Offensivspieler, flankiert von den Union-Verteidigern Patrick Kohlmann und Fabian Schönheim, bekam im Strafraum genug Platz, um den Ball anzunehmen, nachzusetzen und mit einer Bogenlampe über Torwart Daniel Haas hinweg ins Tor zu lupfen. Mit einem kleinen Hüpfer nach hinten demonstrierte Haas noch seinen instinktiven Willen, das Unheil aufzuhalten. Wenig später schaute er nur mit großen Augen fragend in Richtung seiner Vorderleute (75.).

Schuld beim Schiedsrichter gesucht

Diese suchten hinterher die Schuld vor allem beim Unparteiischen. „Das ist sehr ärgerlich“, sagte Schönheim, der sich die Rückkehr nach seiner Rot-Sperre ohne Zweifel anders vorgestellt hatte: „Für mich war das ein klares Handspiel vor dem Tor.“

Auch Kohlmanns Beschreibung der entscheidenden Szene war eindeutig: „Der Ball kommt auf uns zu, Naki nimmt ihn mit der Hand mit. Danach ist es schwer zu verteidigen, und er macht dann auch ein Super-Tor.“

Der Torschütze selbst bezeichnete seinen Treffer des Tages am Ende als glücklich: „Das war halb Pike, halb Spann und halb Außenrist.“

Es war die Entscheidung in einer durchaus interessanten Partie. Union agierte vor der Pause mit „leichter optischer Überlegenheit“, so Trainer Uwe Neuhaus. Doch Paderborn verhielt sich stets geschickt, verzögerte das Spiel, wenn der Druck zu groß wurde, nahm selbst Tempo auf, wenn der Ball hinter der Mittellinie erobert wurde.

„Wichtig war, dass wir uns durch schnelles Umschalten nach vorne entwickeln konnten“, sagte SC-Coach Stephan Schmidt. Union-Möglichkeiten durch Christopher Quiring (27.), Adam Nemec (32.) und Torsten Mattuschka (42.) standen Paderborner Chancen durch Tobias Kempe (10.), Deniz Yilmaz (22.) und Thomas Bertels (37.) gegenüber.

Als Union nach der Pause „einen Zahn zulegte“ (Neuhaus), vergab Nemec die größte Chance der Hausherren, indem er den Ball nach Doppelpass mit Simon Terodde rechts am Tor vorbei schob (54.). In der Folgezeit stand jedem Schuss immer noch ein Paderborner Fuß oder Kopf im Weg.

Auf der anderen Seite musste Haas in der Schlussphase noch zweimal eingreifen, um einen früheren K.o. zu verhindern. Am Ende konstatierte Coach Neuhaus: „Ich sage nicht, dass Paderborns Sieg nicht verdient ist, aber unsere Niederlage ist unverdient.“

Unter dem Strich bleibt ein Rückschlag für die Berliner. Wegen des Sekunden-Spektakels von Deniz Naki.