Zweite Liga

Bei Union gegen Paderborn muss niemand frieren

Wem bei diesem Fußball-Spektakel nicht warm wird, der kann es in Köpenick mit Glühwein und Erbsensuppe probieren.

Foto: Matthias Koch / dapd

Spektakel. Es ist wohl der Begriff, der die Duelle des 1. FC Union mit dem SC Paderborn, die in Berlin stattfanden, am treffendsten umschreibt. Spektakel, die die Trainer beider Mannschaften 90 Minuten lang durch sämtliche Gefühlswelten tauchen ließen, die Zuschauer auf den Rängen jedoch mit einem Gefühl nach Hause schickten, mehr als nur ein Fußballspiel erlebt zu haben.

So dürften sich die Zuschauer auch am heutigen Sonntag mit einigen Erwartungen in die Alte Försterei aufmachen, wenn die alten Rivalen ab 13.30 Uhr erneut aufeinandertreffen.

Schon seit Drittligazeiten geht es zwischen Union und Paderborn Jahr für Jahr um Punkte. Vor nahezu vier Jahren drehten die Berliner ein 0:2 in Unterzahl noch in ein 3:2, nach dem Aufstieg beider Teams 2009 gab es das unglaubliche 5:4 für Union nach 3:0-Führung. Und in der vergangenen Spielzeit markierte das 3:0 gegen den SC den ersten Saisonsieg für die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus.

In allen drei Spielen dabei: Patrick Kohlmann. „Wenn wir wieder einen Heimsieg landen, darf es auch gern wieder ein spektakuläres Spiel werden“, sagte der Außenverteidiger: „Ich würde aber lieber zu Null gewinnen.“

Dies würde seinem Trainer natürlich gefallen. Doch Neuhaus weiß, dass es trotz der aufsteigenden Form der Seinen keineswegs ein Selbstläufer werden wird. „Wir müssen ein gutes Gleichgewicht finden“, forderte der Übungsleiter. Und erklärte: „Wir müssen Druck machen und den Gegner zu Fehlern zwingen. Aber zwischendurch müssen wir auch mal kompakt stehen.“

Skrzybski soll auf Bank sitzen

Es sei „fast unmöglich“, die Paderborner, die mit ihrem typischen Spiel des frühen Pressings erwartet werden, „90 Minuten lang hinten rein zu drücken“. Und angesichts der Abschlussschwäche der Berliner Abteilung Attacke zuletzt ist es schon die halbe Miete, wenn die Köpenicker ihren Kasten erneut sauber halten.

Jung-Profi Steven Skrzybski, der mit seinem Dreierpack am vergangenen Wochenende für Unions Regionalligateam in Leipzig aufhorchen ließ, soll zumindest auf der Bank sitzen.

Spieler und Verantwortliche in Köpenick wissen nur zu genau um die Gunst des zweiten Heimspiels hintereinander. „Wir können einen richtigen Schritt nach vorne machen“, sagte Torwart Daniel Haas. Mit dem vierten Heimsieg in Folge sowie dann 15 Punkten wäre der Sprung in die obere Tabellenhälfte geschafft und der miserable Saisonstart endgültig ad acta gelegt. Statt eines sorgenvollen Blickes in die Abstiegsregion könnten die Eisernen den Blick wieder nach oben richten, auf die Plätze fünf bis sieben, die man vor der Saison als Ziel ausgerufen hatte. Und die nach nur einem mageren Zähler aus den ersten fünf Partien schon so gut wie aus den Augen verloren schienen.

Trainer Neuhaus warnt sein Team

Patrick Kohlmann wirft noch einmal einen Blick zurück: „Wir hatten am Anfang einige knappe Spiele, die wir nicht für uns entscheiden konnten.“ Das 1:0 vor einer Woche gegen den FSV Frankfurt, noch dazu eine Stunde lang mit einem Mann mehr auf dem Platz, war ein erster Schritt zum Besseren.

Gegen Paderborn soll nun der zweite erfolgen. „Ich warne aber auch in diesem Jahr vor Paderborn, auch wenn sie die halbe Mannschaft verloren haben. Sie haben die gleiche Qualität wieder eingekauft“, sagte Trainer Neuhaus. Es war in der vergangenen Saison, nach dem souveränen 3:0, „da hieß es, ach, das war doch nur Paderborn“, erinnert sich der Coach an den August 2011, „doch am Ende wären sie fast aufgestiegen und würden jetzt statt Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga spielen.“ Lediglich ein Punkt hatte Paderborn als Tabellenfünfter zum Relegationsplatz seinerzeit gefehlt.

Erfreulich für alle Besucher: Angesichts des Temperatursturzes in Richtung Gefrierpunkt in den vergangenen Tagen wird es am heutigen Sonntag im Stadion erstmals Glühwein und auch heiße Erbsensuppe geben. Niemand der knapp 15.000 erwarteten Zuschauer – aus Paderborn werden rund 250 Anhänger den Weg in die Hauptstadt finden – wird also frieren müssen, sollte die Begegnung auf dem Rasen alles andere als erwärmend sein.

Zumindest die Unioner werden alles daran setzen, dies zu verhindern. Oder wie es Torsten Mattuschka ausdrückte: „Wir haben wieder ein Heimspiel, da wollen wir unbedingt nachlegen.“ Seine Mitspieler sind aufgerufen, die Forderung ihres Kapitäns umzusetzen. Wenn möglich mit einem 90-minütigen Spektakel.