Zweite Liga

1. FC Union feiert Rückkehr seiner Heimstärke

Bei kaum einem anderen Verein sind die Auftritte zu Hause derart wertvoll wie beim Berliner Zweitligisten.

Foto: Matthias Koch / dapd

Trainingsfrei. Ein Wort, das den Spielern des 1. FC Union wie Musik in den Ohren geklungen haben muss. Trainingsfrei, das gab es lange nicht an der Alten Försterei. Zwei Wochen lang nicht. 14 Tage, eine englische Woche und sieben von neun möglichen Punkten später gibt es sogar gleich zwei freie Tage für die Köpenicker Kicker. Zeit für die Familie, Zeit zum Ausspannen und Kraft tanken nach drei Spielen innerhalb acht Tagen. Der eine oder andere Spieler wird nach den teils aufreibenden Tagen festgestellt haben: Zu Hause ist es doch am schönsten.

Das gilt für die Freizeit mit Kind und Kegel. Und das gilt auch für den bisherigen Saisonverlauf. „So langsam besinnen wir uns auf unsere alten Stärken“, sagte Daniel Haas. Dass jemand, der erst seit dem Sommer zum Union-Kader gehört, von „alten“ Stärken spricht, zeigt, wie schnell die Mannschaft nach dem Fehlstart die für eine erfolgreiche Spielzeit notwendigen Elemente verinnerlicht hat. Laufbereitschaft, Einsatzwillen, Zweikampfhärte und Spaß am Spiel – und das vor allem vor heimischem Publikum.

Heimspiele als wichtigster Trumpf

Immer wieder werden die Heimspiele als wichtigster Trumpf genannt, den eine Mannschaft im Laufe der Saison unbedingt ausspielen möchte, sei es im Rennen um den Aufstieg in die Bundesliga oder im Kampf um den Klassenerhalt. Doch bei kaum einem Verein sind die Auftritte zu Hause derart wertvoll wie beim 1. FC Union. Nicht umsonst gab Trainer Uwe Neuhaus nach dem 3:1 gegen Energie Cottbus noch einmal zu verstehen: „Unsere Heimstärke ist ja auch die Grundlage für unsere Entscheidung gewesen, als Saisonziel Platz fünf bis sieben zu formulieren.“ Die Vorstellungen im „heimischen Wohnzimmer“ als Fundament für die Wohlfühlatmosphäre in Köpenick.

Die Partien gegen die Lausitzer und zuvor gegen den 1. FC Köln (2:1) haben gezeigt, was den Unterschied ausmacht. „Das war eine wahnsinnige Stimmung“, sagte Terodde, der mit seinem Treffer gegen Energie und nun insgesamt zwei Toren Unions bester Schütze ist. Schon nach dem ersten Saisonsieg gegen Köln bezeichnete Mittelfeldspieler Markus Karl die Unterstützung durch die Fans in der Alten Försterei schlicht als „unglaublich“.

Verbeugung vor den Fans

Und Torsten Mattuschka, Unions Kapitän, nahm das Berlin-Brandenburg-Derby sogar zum Anlass, um sich im Programmheft zum Spiel verbal vor dem treuen Anhang zu verbeugen. Gegen Köln war es „so höllisch laut, dass man es kaum fassen konnte“, stand da im Vorwort geschrieben. Und: „Den Sieg habt ihr genau so erkämpft wie wir.“ Ähnliches ließe sich nun auch zum Sieg gegen Cottbus sagen. Trotz des schnellen Ausgleichs kurz nach der Pause blieben Fans und Mannschaft eine Einheit. Und nach dem gehaltenen Elfmeter von Haas glich die Alte Försterei einem Tollhaus.

Es ist diese Wechselwirkung zwischen Rängen und Rasen, die die Mannschaft nach vorne treibt. So lange alles versucht wird auf dem Platz, werden auch mal Fehlpässe, Fehlschüsse oder sonstige Unzulänglichkeiten verziehen. Dies wissen die Spieler zu schätzen, wer einen Fehler macht, kann sich darauf verlassen, dass ein Mitspieler bereit steht, die Scharte auszuwetzen.

Die Fans als zwölfter Mann

Dass dies beim Gegner Eindruck hinterlässt, versteht sich fast von selbst. „Mit dieser Stimmung im Rücken spielt man wie mit zwölf Mann“, sagte Terodde. Und nimmt sich und seine Teamkollegen sofort in die Pflicht: „Unsere Aufgabe ist es, die Leute mitzureißen. Die Alte Försterei muss wieder zur Festung werden.“ Den Berlinern kommt dabei auch die verkleinerte Kapazität im größten, reinen Fußballstadion der Hauptstadt entgegen. Lediglich 16.750 Zuschauer finden in der laufenden Spielzeit Platz. Die logische Folge: Viermal war die Arena in Köpenick ausverkauft.

„Dadurch, dass wir in jedem Heimspiel immer derart nach vorne gepeitscht werden, gehen wir natürlich auch mit breiterer Brust in ein Spiel“, bestätigte Haas. Mehr Selbstbewusstsein bedeutet mehr Sicherheit bei einfachen Aktionen. Und mehr Mut im Offensivspiel. Oder wie es Christopher Quiring erklärte: „Die Gegner müssen wieder Angst haben, wenn sie zu uns kommen.“ Nun, Angst vielleicht nicht, doch der Respekt darf den Unionern inzwischen wieder gewiss sein.

Diesen Respekt gilt es nun auch in der Fremde zu erlangen. Bislang gab sich Union mit jeweils zwei Unentschieden und Niederlagen jedenfalls als ausnehmend guter Gast. „Wir müssen jetzt auswärts nachlegen und auch mal mehr als nur einen Punkt holen“, sagte Trainer Neuhaus. Am Freitag bei St. Pauli bietet sich die nächste Gelegenheit zu zeigen, dass es nicht nur zu Hause schön sein kann.