Nach dem Ostderby ist bekanntlich vor dem Ostderby. Und so ließ Coach Uwe Neuhaus die Spieler des 1. FC Union am Donnerstag lediglich auslaufen. Aktive Regeneration nach dem 1:1 in Aue, auch um den Kopf für das nächste Spiel am Sonnabend gegen Energie Cottbus (13 Uhr, Alte Försterei) ganz schnell wieder frei zu bekommen. Vielleicht wäre eine normale Trainingseinheit für alle dennoch besser gewesen. Denn fast alles, was man nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln wiedergefunden zu haben glaubte, ließ der Berliner Zweitligist im Erzgebirge vermissen.
Verteidiger Christian Stuff sprach unverhohlen von „der schlechtesten Saisonleistung. Wir haben immer gesagt, wir müssen endlich mal in Führung gehen. Und dann kam nichts mehr. Wir haben 70 Minuten lang um ein Tor gebettelt.“ Über den Kampf ins Spiel kommen und dann mit spielerischen Elementen zum Sieg – eine durchaus brauchbare Marschroute. Dafür ist es jedoch notwendig, dass man über volle 90 Minuten auch am Spiel teilnimmt. Dies haben die Unioner nicht getan. Und verkrampften immer mehr. Willkommen zurück im Frust.
Die Art, wie Union den Sieg in Aue hergeschenkt hat, überschattet die kleinen positiven Elemente, die das 1:1 durchaus gehabt hatte. Der erste Saisontreffer von Simon Terodde zum Beispiel. „Ich bin froh, dass Simon getroffen hat. Dann haben wir diese Diskussion schon mal erledigt“, sagte Neuhaus. Dass Torwart Daniel Haas derjenige gewesen ist, der die Köpenicker überhaupt so lange an einen Erfolg glauben ließ, ist nur noch Makulatur. „Es ist wichtig für das Selbstbewusstsein, dass ich den Fans auch zeigen kann, was ich drauf habe. Im Endeffekt ist mir aber eine schlechte Leistung von mir und ein Sieg lieber“, sagte Haas. Auch dass erstmals in dieser Spielzeit zweimal hintereinander nicht verloren wurde, kann die Stimmung kaum bessern.
Es bleiben Selbstvorwürfe. Von Fabian Schönheim („Es tut mir leid“) wegen seines vermaledeiten Eigentores. Von Kapitän Torsten Mattuschka, seit jeher jemand für klare Worte: „Wir haben es nicht verdient, weil wir zu passiv waren. Wir haben noch nicht die Sicherheit, die wir haben müssten. Auch ich habe zu viele Bälle verloren.“ Selbst der Coach sprach von „fehlender Qualität“ der Seinen, den hohen Ballbesitz der Anfangsphase aufrecht zu erhalten. Zu allem Überfluss fällt auch noch Patrick Kohlmann mit einer Innenbanddehnung aus. Als ob es nicht schon genug Verletzungssorgen gäbe.
Und nun? Reicht die Zeit, um der Mannschaft die Gedanken an das – nennen wir es ruhig – Versagen von Aue vollständig aus dem Gedächtnis zu treiben? „Wichtig ist, dass die Spieler klar im Kopf bleiben und weiter vernünftig arbeiten“, sagte Neuhaus zum wiederholten Male. Stuff hatte schon nach der Ingolstadt-Pleite zu verstehen gegeben, am liebsten gleich weiterspielen zu wollen, um die Schmach vergessen zu machen. Ein hehres Ziel, doch die Aufgabe wird für den Liga-15. um einiges größer sein als in Aue: Mit Cottbus gastiert am Sonnabend der Tabellenzweite an der Alten Försterei.
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