Zweite Liga

Union Berlin gewinnt das Ost-Derby gegen Cottbus 3:1

Berlins Zweitligist krönt die englische Woche mit einem Sieg und holt sieben Punkte aus drei Partien.

Foto: Soeren Stache / dpa

Entspannt stand Daniel Haas in der Mixedzone des Stadions An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick. Der Matchwinner? Weil er einen Elfmeter gehalten hatte? Nein, so weit wollte der Torwart des 1. FC Union dann doch nicht gehen. „Die Mannschaft ist der Matchwinner“, sagte Haas. Sein Blick fokussierte sein Gegenüber dabei so, wie er gut eine halbe Stunde vorher Boubacar Sanogo in Beschlag genommen hatte. Kurz bevor der Stürmer von Energie Cottbus am Sonnabend mit einem Elfmeter an Haas scheiterte. Matchwinner? Vielleicht nicht, doch Haas hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Unioner das Berlin-Brandenburg-Derby mit 3:1 (1:0) gewannen.

Seine Mitspieler dokumentierten, wie groß der Beitrag des Schlussmannes am zweiten Heimsieg in Folge tatsächlich war. „Wir müssen uns bei Haas bedanken, dass er den Elfer gehalten und uns so den Sieg ermöglicht hat“, sagte etwa Simon Terodde. Uwe Neuhaus fügte hinzu: „Haas hat schon in den vergangenen Spielen überragend gehalten. Heute hat er das i-Tüpfelchen gesetzt.“ Nur selten ist der Trainer der Köpenicker so voll des Lobes für einen Spieler. Am Sonnabend war es gerechtfertigt.

Kein Freund der Schauspielerei

Der derart Gepriesene wollte den Ruhm für jene Tat in der 70. Minute nicht komplett für sich allein einheimsen. „Vor dem Elfmeter kam Tusche zu mir und sagte, dass Sanogo wahrscheinlich in die linke Ecke schießen wird“, erzählte Haas. Torsten Mattuschka, der Kapitän, der Helfer in allen Spiellagen. Auch deshalb stand der 29-jährige Haas derart cool auf der Linie und wartete, bis der Cottbuser Angreifer zur Tat schritt. „Ich bin ohnehin keiner, der versucht, den Stürmer nervös zu machen. Das ist für mich Schauspielerei“, erklärte er.

Später, als die Union-Fans ihre Mannschaft immer noch ausgiebig feierten, war vom Knackpunkt in der Partie die Rede. In einem Derby, das allerdings mit 45 Minuten Verspätung begonnen hatte. Nicht dass der Cottbuser Mannschaftsbus bei der Anreise im Stau gesteckt hätte. Oder der Zuschauerandrang kurz vor dem Anpfiff derart groß gewesen und eine Verspätung somit unausweichlich gewesen wäre – die Partie war mit 16.750 Zuschauern schon vorher ausverkauft. Es war offenbar der Respekt beider Mannschaften voreinander, der die erste Halbzeit zu einem schönen Spielchen werden ließ. Einziger echter Höhepunkt: Die Union-Führung durch Terodde. Nach einer Flanke von Mattuschka brachte Unions Nummer 11 noch seinen Kopf zwischen den Ball und Energie-Torwart Thorsten Kirschbaum. Eine Kopie des Berliner Führungstors in Aue.

Dort verspielte Union am Mittwoch noch den Sieg. Am Sonnabend nicht. Auch wenn der Rückschlag nach dem Wechsel nicht lange auf sich warten ließ. Cottbus kombinierte sich in den Strafraum der Köpenicker, Sanogo passte auf Dennis Sörensen, der verlängerte auf Daniel Adlung – ein Schuss, und es stand 1:1 (50.). Und Union? Schüttelte den Ausgleich ab wie eine lästige Fliege. „Wir haben uns früh von dem Schlag erholt“, bannte Neuhaus die 55. Minute in Worte. Rechtsverteidiger Marc Pfertzel hatte den Ball nach vorn geschlagen, Christopher Quiring bahnte sich den Weg im Zusammenspiel mit Terodde vor das Energie-Tor. Kirschbaum konnte dem Lupfer nur noch hinterherschauen, 2:1. „Wir haben versucht, Union nach dem Ausgleich zu überrennen“, erklärte Energie-Coach Rudi Bommer. „Nach dem 1:1 waren wir zu gierig“, sagte Cottbus-Spotdirektor Christian Beeck zur sich ankündigenden ersten Saisonniederlage. Seine Rückkehr an die Alte Försterei hatte er sich zumindest aus sportlicher Sicht ganz anders vorgestellt.

Ein Derby mit Schmackes

Die Zuschauer auf den Rängen hatten nun jedoch ihren Spaß. Auch weil sich endlich ein rassiges Spiel entwickelte. Kampf, Leidenschaft, harte Duelle Mann gegen Mann, zwei Mannschaften mit offenem Visier – endlich war es „ein tolles Berlin-Brandenburg-Derby, wo so richtig Schmackes drin war“, sagte Beeck. Mit guten Chancen für Union (Pfertzel/62., Mattuschka/63., Quiring/83.) und für Cottbus (Farina/61., Adlung/69.).

Und mit Platzverweisen auf beiden Seiten. Fabian Schönheim sah Rot von Schiedsrichter Aytekin nach seinem Foul an Sanogo, das zum Elfmeter führte. Ausgerechnet Schönheim, der in Aue per Eigentor den so sicher geglaubten Sieg zunichte machte. Doch die Überzahl der Gäste währte nur sechs Minuten. Adlung war mit einer Entscheidung des Linienrichters nicht einverstanden. Es war, so Energie-Sportdirektor Beeck, „ein Kommentar, den der Linienrichter gehört hat“.

Am Willen beider Mannschaften, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, änderte das nichts. Die Entscheidung fiel jedoch erst in der Nachspielzeit. Björn Jopek schloss einen vom eingewechselten Silvio mustergültig vorbereiteten Konter eiskalt und gewitzt ab. 3:1 – Union geht mit sieben Punkten aus der englischen Woche. Einer der ersten Gratulanten war übrigens Quiring, der, bereits ausgewechselt, quer über den Platz eilte, um Jopek zu umarmen. Die Gelbe Karte holte er sich dafür gern ab. Schließlich war auch er am Sonnabend einer von Unions Matchwinner. Neben Torwart Haas, versteht sich.