Zweite Liga

Silvio wehrt sich gegen Unions Torflaute

Nach dem Treffer des Brasilianers schöpfen auch die anderen Stürmer neuen Mut. Der 1. FC Union hofft nun auf mehr Tore durch die Attacke.

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Inzwischen kann er auch wieder lachen. Nicht dass Silvio jene Fröhlichkeit, die einem jeden Brasilianer offenbar neben fußballerischem Talent mit in die Wiege gelegt wird, abhanden gekommen wäre. Doch irgendwann hört der Spaß eben auf, wenn man als Angreifer einfach nicht in das gegnerische Tor trifft. Nach seinem Treffer gegen Köln „ist der Knoten jetzt vielleicht geplatzt. Wir haben ja so lange auf ein Stürmertor gewartet“, sagte Silvio.

Tatsächlich rannten Silvio, Simon Terodde und auch Neuverpflichtung Adam Nemec fünf Partien lang erfolglos an. Selbst allerbeste Möglichkeiten wurden in den ersten Wochen der Saison mit traumwandlerischer Sicherheit vergeben. Das zehrte an den Nerven nicht nur der Abteilung Attacke, sondern der gesamten Mannschaft. „Wir haben uns vielleicht selbst ein bisschen zu sehr unter Druck gesetzt. Aber jetzt müssen wir einfach so weitermachen“, sieht Silvio sich und seine Teamkollegen nun auf dem richtigen Weg aus der Talsohle.

„Wenn Stürmer in einer Saison noch nicht getroffen haben, dann sind sie irgendwo in einem Film drin, aus dem sie schnell wieder raus wollen“, nimmt Trainer Uwe Neuhaus seine Angreifer in Schutz. Er weiß nur zu gut, dass Silvios Treffer auch für längere Zeit der letzte gewesen sein kann. Denn schon einmal hatte man in dieser Spielzeit an der Alten Försterei gehofft, dass aus dem lauen Lüftchen endlich ein gewaltiger Sturm wird, der die gegnerischen Reihen ordentlich durcheinander bringt. Es blieb beim Wunsch, dabei hatte Terodde mit seinem Last-Minute-Siegtreffer in der ersten DFB-Pokalrunde in Essen die denkbar beste Vorarbeit geleistet, um die kollektive Ladehemmung zu lösen.

Produkt eines wahren Kraftaktes

Und doch kann das Tor des Brasilianers nun die von allen Unionern gewünschte Wirkung haben. Denn der Treffer war nicht das Resultat spielerischer Leichtigkeit, sondern – eigentlich untypisch für einen Brasilianer – das Produkt eines wahren Kraftaktes. „Ich hätte schon den ersten Schuss reinmachen müssen“, erinnert sich Silvio, „aber ich habe nicht aufgegeben.“ Nachgesetzt hat er, und er wurde belohnt. „Silvio hat sich in den vergangenen Wochen auch total gegen die Torflaute gewehrt“, beschrieb Neuhaus das Verhalten des Südamerikaners in den Trainingseinheiten als kämpferisch. Der wiederum gab zu verstehen: „In der Zweiten Liga hat man mehr Zweikämpfe und muss hart arbeiten. Wenn man nicht alles gibt, vor allem in den unbequemen Situationen, dann hat man keine Chance zu gewinnen.“ Oder auch nur ein Tor zu schießen.

Vor allem die Phase Anfang September, als sich Silvio zunächst auf der Bank wiederfand statt in der Startelf, hätte ihm neuen Auftrieb gegeben. „Ich denke schon, dass mir das geholfen hat. Ich war nicht so sicher im Training oder auch im Spiel. Ich stand in Konflikt mit mir selbst, habe immer gedacht, was mache ich falsch, was kann ich besser machen. Ich bin dadurch stärker geworden“, erklärte er.

Schon im Ostderby bei Erzgebirge Aue (17.30 Uhr, Sky live), ist die nächste Chance, die Trefferquote zu erhöhen. Und vor allem Silvio selbst ist zuversichtlich, dass sein Treffer die so wichtige Sogwirkung hat für seine Nebenspieler. „Das Tor kann auch Simon motivieren. Wichtig ist, dass wir alle Bälle, die nach vorne kommen, in den eigenen Reihen halten. Dann kommt das Tor automatisch. Man muss einfach ruhig bleiben und das Beste daraus machen“, sagt er. Und lacht dabei.