Berliner Duell

Unions einstige Derbyhelden haben Berlin längst verlassen

Mosquera und Kolk bestimmten die ersten beiden Partien gegen Hertha. Der eine weilt heute verletzt in China, der andere ist ohne Vertrag.

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Derbyzeit ist auch immer die Zeit für besondere Helden: Spieler, die untrennbar mit dem Erfolg gegen den Lokalrivalen verbunden sind, an die sich jeder Fan immer wieder gern erinnern wird. Wenn der 1. FC Union am Montag Hertha BSC zum Berliner Duell bittet, wird man bei den Köpenickern vergeblich nach zwei Akteuren Ausschau halten, die die ersten beiden Partien vor zwei Jahren bestimmten: John Jairo Mosquera und Santi Kolk.

Der Kolumbianer Mosquera hatte Union mit seinem Ausgleichstreffer im Olympiastadion erst wieder zurück ins mit 2:1 gewonnenen Spiel gebracht, der Niederländer Kolk sicherte beim Derby-Debüt an der Alten Försterei (1:1) dem Außenseiter das Unentschieden. Doch beide haben den Klub längst verlassen, um woanders ihr Glück zu suchen.

Mosquera spielt inzwischen am anderen Ende der Welt, seit März geht der 24-Jährige für den FC Changchun Yatai auf Torejagd. Der Wechsel kam seinerzeit sehr überraschend, hatte Mosquera doch einen Vertrag bis 2014 bei Union. Doch in China lockte „eine große Herausforderung“, so Mosquera – und natürlich auch gutes Geld, für Union und den Spieler. Rund 800.000 Euro ließ sich Changchun den Transfer kosten, Mosquera selbst kann in Fernost bis zu einer Million Euro verdienen. „Das war ein exzellentes Angebot, das Mosquera nicht ausschlagen konnte“, sagte Helmuth Wennin, der Berater des Profis.

Der Sprung in eine fremde Kultur, ein neues sportliches Abenteuer gelang. „Natürlich hat man in China eine völlig andere Lebensart als in Europa, aber er hat sich schnell eingelebt“, sagte Wennin. Mosqueras Landsmann Yovanny Arrechea, im Frühjahr ebenfalls für Changchun aktiv, hat ihm dabei sicherlich geholfen. So wurde Mosquera bei seinem neuen Klub auf Anhieb Stammspieler. Nur die Ausbeute ließ ähnlich wie bei Union zu wünschen übrig. Ein Tor gegen Schanghai Shenxin, immerhin der Siegtreffer zum 1:0, eine Vorlage beim 3:3 gegen Liaoning Whowin – nicht wirklich das, was sich beide Seiten erhofft hatten.

Derzeit ist Changchun Siebter der Super League und acht Spiele vor Saisonende jenseits von Meisterschaft und Abstiegskampf. Und ohne Mosquera. Bereits Ende Mai hatte er sich eine Knieverletzung als Folge einer Überbeanspruchung zugezogen. „Aber er ist jetzt wieder zurück und ich hoffe, dass er bald wieder spielen kann“, gibt Berater Wennin Entwarnung.

Kolk nach Kopfstoß gefeuert

Während Mosquera auf weitere Einsätze für Changchun hoffen kann, steht Santi Kolk derweil ohne Verein da. Der 30-Jährige wurde im Mai aus dem Kader des NAC Breda verbannt – wegen eines Kopfstoßes, den er seinem Mitspieler Kees Luijckx während der Partie gegen Roda Kerkrade verpasst hatte. Dabei hatte für den Niederländer nach seiner Rückkehr in die Ehrendivision alles so gut begonnen.

Nach dem gescheiterten Versuch, bei Union Fuß zu fassen, ging Kolk auf Leihbasis nach Breda. 26 Einsätze und fünf Tore ließen ihn das höchst durchwachsene Jahr an der Alten Försterei schnell vergessen. Nach dem Kopfstoß wurde sein Vertrag in Breda jedoch nicht verlängert. Und auch der Kontrakt mit Union (Laufzeit bis Ende Juni 2013) ist längst aufgelöst.

Man wird im Lager der Union-Fans genau hinschauen, wer sich am Montag als neuer Derbyheld feiern lassen kann. Die Beispiele Mosquera und Kolk haben schließlich gezeigt, wie schnell sich die Helden von einst in alle Winde verstreuen können.