Zweite Liga

Warum der 1. FC Union Berlin einen Fehlstart hinlegte

Ein Punkt in drei Spielen – das ist die traurige Bilanz der Köpenicker. Morgenpost Online nennt drei Gründe für den misslungenen Start.

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Drei Spiele, nur ein Punkt – nach dem Zwischenhoch mit dem Sieg im DFB-Pokal in Essen macht sich Katerstimmung breit beim 1. FC Union.

Das 0:2 (0:1) beim Aufsteiger SV Sandhausen offenbarte die Schwächen, die Berlins Fußball-Zweitligist derzeit mit sich schleppt. Ausgerechnet vor dem prestigeträchtigen Derby gegen Hertha BSC am 3. September haben Trainer Uwe Neuhaus und sein Team „einiges zu tun“, wie der Coach erklärte. Die Problemzonen der Köpenicker Kicker:

Löchrige Innenverteidigung: Mit 58 Gegentreffern stellte Union in der vergangenen Saison eine der schwächsten Abwehrreihen der Liga. Die Probleme galt es unbedingt abzustellen. Nach nur 270 Ligaminuten sind es jedoch schon wieder sechs Gegentore. Nicht nur am Freitagabend in Sandhausen, auch schon zuvor gegen Braunschweig wurde deutlich: Die Abstimmung in der Innenverteidigung fehlt noch. Beim Duo Fabian Schönheim/Roberto Puncec war dies zu erwarten. Beide kamen erst zu Saisonbeginn zu Union, haben zuvor noch nie zusammengespielt. Dann ist da außerdem die Sprachbarriere. Der Kroate Puncec ist des Deutschen derzeit noch nicht mächtig, weshalb er inzwischen bis zu dreimal in der Woche zum Unterricht geht.

Da beide in Sandhausen verletzt zuschauen mussten, durfte das Duo der Vorsaison ran. Doch auch Christian Stuff und Christoph Menz präsentierten sich in den entscheidenden Situationen außer Form. Menz schaute beim ersten Gegentor nur zu. „Ein Stellungsfehler in der Mitte, und schon steht es 0:1“, monierte Trainer Neuhaus. Und Stuff war beim 0:2 zu weit vom Torschützen entfernt. Egal ob Schönheim/Puncec, Stuff/Menz oder eine andere Kombination: Bekommt Union im Verteidigungszentrum nicht schnell Sicherheit, gerät das Saisonziel (Platz fünf bis sieben) frühzeitig in Gefahr.

Fehlerhaftes Passspiel: Auch in Sandhausen war es nicht so, dass Union sich Chance um Chance erarbeitete. „Die Flanken sind zu unpräzise, außerdem kombinieren wir zu wenig“, stellte der Coach fest. Stichwort Flanken. Statt Patrick Zoundi versuchte in Sandhausen Christopher Quiring, über rechts Druck zu machen. Die Anspiele in den Strafraum endeten jedoch meist beim Gegner. Bezeichnend: Quirings Hereingabe, die die hundertprozentige Chance durch Simon Terodde heraufbeschwor, wurde erst durch das Mitwirken des Gegners gefährlich. Auch Mittelfeldkämpfer Michael Parensen hat noch Feinjustierung nötig.

Stichwort Kombinationen. Neuhaus ließ die Seinen in Sandhausen im 4-1-4-1-System antreten. Dabei sollten die Außenspieler die Flügel besetzen und die einzige Spitze (Terodde) unterstützen. Das Vorhaben misslang, weil es nicht oft genug gelang, den Ball an des Gegners Strafraum zu bekommen. „Dann macht Sandhausen mit der ersten Chance das 1:0, und dann wird es gegen einen tief stehenden Gegner doppelt schwer“, verdeutlichte Kapitän Torsten Matuschka. Als dann nach knapp einer Stunde mit Silvio und Adam Nemec zwei frische Angreifer auf dem Platz standen, liefen diese zu oft ins Leere, weil es an Anspielen mangelte. Erhöht Union gegen engagiert verteidigende Mannschaften nicht die Genauigkeit im Zuspiel, wird es öfter solche bösen Überraschungen geben wie in Sandhausen.

Mangelnde Durchschlagskraft: „Das ist in den ersten drei Meisterschaftsspielen und auch im Pokal unser Hauptproblem“, sagte Neuhaus. Soll heißen: Wenn Union sich schon nicht vor das Tor kombinieren kann, dann hilft auch mal ein Versuch aus der zweiten Reihe. Aber: „Wir schießen zu wenig“, bestätigte Neuhaus. Dazu zählt auch, dass die Standardsituationen noch längst kein Pfund sind, mit dem die Berliner wuchern können.

Bleibt Simon Terodde. In Essen noch umjubelter Pokalheld, drosch der Stürmer den Ball aus fünf Metern in den Sandhauser Himmel. „Anstatt den Vollspann hätte er einfach mal die Innenseite nehmen sollen“, sagte der Coach. Dieses Manko, die ohnehin nur wenigen Chancen auch noch kläglich zu vergeben, muss schleunigst abgestellt werden. Sonst wären schwindendes Selbstvertrauen und womöglich auch noch Abstiegskampf die logischen Folgen. Daran mag an der Alten Försterei allerdings (noch) niemand denken.