Die Rückkehr nach Berlin per Flugzeug war entspannt. Jedenfalls weit weniger strapaziös, als wenn der gesamte Tross des 1. FC Union – wie sonst üblich – mit dem Bus die Heimreise aus Essen angetreten hätte. Um 10.20 Uhr hoben die Pokalhelden aus Köpenick vom Düsseldorfer Flughafen ab, gut eine Stunde später landeten sie in Berlin-Tegel, von dort ging es direkt zum Training. Auslaufen für die Akteure, die am Montagabend die 120 Minuten gegen Rot-Weiss Essen mit einem 1:0 nach Verlängerung erfolgreich bewältigt hatten. Für die Reservisten gab es eine volle Übungseinheit.
Die Erleichterung, dem Klub nach neun Jahren endlich wieder einmal die zweite Runde im nationalen Cupwettbewerb beschert zu haben, war jedoch bei allen zu spüren. „Ich bin saufroh, dass Essen nicht noch mal die Möglichkeit des Elfmeterschießens hatte“, sagte Siegtorschütze Simon Terodde. Wie in der ersten Runde des Vorjahres ließ der Stürmer mit einem Last-Minute-Tor die Berliner jubeln. Damals bedeutete sein 2:2 die Verlängerung, die in ein niederschmetterndes Elfmeterschießen mündete – in dem Terodde übrigens als erster Schütze gleich vergab.
Letzte Motivationsspritze
Vergangenheit. Die Zukunft bei den Köpenickern sieht weit freundlicher aus. Endlich können sich Trainer und Mannschaft mit der Frage beschäftigen: Welchen Gegner hätten sie denn gern in der nächsten Runde? „Ein Heimspiel wäre super“, ließ Torwart Daniel Haas sogleich wissen. Vielleicht gegen den Deutschen Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund oder die Bayern? Auch ein Lokalderby ist möglich. Nicht gegen Hertha BSC, das ja mit 1:2 in Worms den Kürzeren gezogen hat, sondern gegen den Berliner AK, die Sensationsmannschaft der ersten Runde mit ihrem 4:0 gegen Bundesligist 1899 Hoffenheim. Gespielt wird am 30./31. Oktober, die Auslosung findet am späten Sonnabendabend statt.
Verteidiger Christoph Menz sieht in einem Stadtderby „eine interessante Aufgabe“. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil in den Reihen des Regionalligisten mit Torwart Christoph Haker und Mittelfeldspieler Philip Malinowski zwei ehemalige Unioner stehen. Und wen wünscht sich der Trainer? „Wenn ich mir einen aussuche, geht es sowieso schief“, sagte Uwe Neuhaus. Der Coach war einfach nur froh, endlich die zweite Runde erreicht zu haben: „Vielleicht haben uns die Ergebnisse der letzten Tage dabei ein bisschen geholfen“ – das Favoritenstraucheln als letzte Motivationsspritze für die Eisernen.
Stuff und Menz sprangen ein
Doch die eigentliche Frage an der Alten Försterei dürfte derzeit nicht die nach der Hürde auf dem möglichen Weg ins Pokalachtelfinale sein. Sondern vielmehr, wie die Spieler nach den Kräfte zehrenden 120 Pokalminuten wieder richtig fit werden. Denn bereits am Freitag steht das dritte Saisonspiel in der Zweiten Liga an, und der Gegner SV Sandhausen darf durchaus als unbequem bezeichnet werden; Energie Cottbus weiß nach dem 0:3 im Pokal am Montag ein Lied davon zu singen. Dass der Aufsteiger aus Baden-Württemberg ebenfalls Montag und Freitag ran muss, ist dabei nur bedingt ein Trost. Immerhin kann er beide Partien vor heimischer Kulisse bestreiten. Die Unioner werden sich am Donnerstag hingegen schon wieder auf die Reise machen müssen.
Und zumindest in der Innenverteidigung tun sich bereits die ersten Probleme auf. Da ist zum einen Fabian Schönheim, der in Essen wegen einer Adduktorenzerrung nur zuschauen konnte. Gestern absolvierte er nur Stabilisierungsübungen. Trainer Neuhaus ließ schon durchblicken, dass es eng werden wird mit Schönheims Einsatz in Sandhausen. Dann ist da Roberto Puncec. Der Kroate musste in Essen wegen eines Schlags auf die Wade bereits zur Pause raus, wurde gestern weiter behandelt. Ohnehin hatte sich der Zugang von Maccabi Tel Aviv noch nicht hundertprozentig fit gefühlt. „Ich werde noch ein wenig Zeit brauchen, um hier vollständig anzukommen“, sagte Puncec bereits. Auch sein Einsatz am Freitag steht auf der Kippe. In Essen sprangen Christian Stuff und Christoph Menz für Schönheim und Puncec ein. Das Duo könnte nun in Sandhausen von Beginn an auflaufen.



