Fußball

Union will in Essen eine Pokal-Blamage vermeiden

Union Berlin und der DFB-Pokal – das war in den vergangenen Jahren eine Kombination ohne Zukunft. Das soll sich gegen Essen ändern.

Foto: DAPD

Wenn jemand beim 1. FC Union nie um einen Spruch verlegen ist, dann ist es Torsten Mattuschka. Also sagte der Kapitän des Berliner Fußball-Zweitligisten: „Ich hoffe, dass wir die zweite Runde erreichen. Dann höre ich auf, dann habe ich alles erreicht.“ Selbstverständlich wird der 31-Jährige seine aktive Laufbahn keineswegs beenden, sollte sich Union am heutigen Montagabend (ab 18.30 Uhr) in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen durchsetzen. Doch Mattuschka spiegelt mit seinen Worten wie kein anderer die Sehnsucht der Köpenicker wider, endlich einmal nicht bereits nach der Auftaktrunde nur noch zuschauen zu dürfen.

Union und der DFB-Pokal – was 2001 mit dem Sprung ins Endspiel gegen Schalke 04 so hoffnungsvoll begann, entpuppte sich in den vergangenen Jahren als Kombination ohne Zukunft. Seit Trainer Uwe Neuhaus an der Alten Försterei für die sportlichen Belange verantwortlich zeichnet, gab es vier Erstrundenpleiten, zuletzt drei am Stück. Sogar die Frage, ob Neuhaus und der Pokal überhaupt zusammenpassen würden, machte schon die Runde. „Wenn man gegen Eintracht Frankfurt oder Werder Bremen ausscheidet, ist das sicher keine Blamage“, sagte Neuhaus also, „wenn man aber gegen Halle und Essen rausfliegt, ist das schon enttäuschend.“

Es verging in der Vorwoche kaum ein Tag, an dem nicht die Worte fielen: Wir wollen unbedingt in die zweite Runde. Dass es dabei wieder nach Essen geht, nimmt man nach dem ersten Schock nach der Auslosung inzwischen relativ gelassen hin. „Es hat den Vorteil, dass wir die Mannschaft nicht mehr warnen müssen“, sagte Nico Schäfer, kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzspielerabteilung. Auch Trainer Neuhaus glaubt: „Vielleicht erleichtert es die Aufgabe, dass wir den gleichen Gegner haben wie im vergangenen Jahr.“

Das Selbstbewusstsein ist jedenfalls da bei den Köpenickern. Simon Terodde lehnte sich dabei am weitesten aus dem Fenster. „Wir fahren dahin, hauen die weg und fahren wieder nach Hause“, sagte der Union-Stürmer. Die verbale Offensive des 24-Jährigen sei dem unbedingten Willen geschuldet, den Bock endlich umzustoßen. Immerhin er weiß, wie man in Essen trifft: Erst sein 2:2-Ausgleichstreffer Sekunden vor dem Abpfiff rettete Union vor Jahresfrist in die Verlängerung, ehe es dann im Elfmeterschießen lange Gesichter bei den Berlinern gab.

Garantierte 255.000 Euro für Runde zwei

Dies soll am Montagabend unter allen Umständen vermieden werden. Union braucht endlich ein Erfolgerlebnis im Pokal. Allein schon, um den mäßigen Saisonstart in Liga zwei mit nur einem Zähler aus zwei Partien ein wenig freundlicher zu gestalten. Ganz zu schweigen davon, dass man endlich auch der Vorgabe von Klubchef Dirk Zingler entsprechen will. Seit Jahren fordert der Union-Präsident, dass man aus dem sportlichen Bereich endlich Mehreinnahmen generieren müsse. Und dass die Köpenicker selbst beim inzwischen auf satte 18 Millionen Euro hochgeschraubten Etat nur äußerst ungern auf jene garantierten 255.000 Euro für Runde zwei verzichten würden, versteht sich wohl von selbst.

Dementsprechend wird es bei der Wahl der elf Spieler, die im neuen städtischen Stadion zu Essen vor rund 11.000 Zuschauern bestehen sollen, auch kaum Experimente geben. Daniel Haas dürfte im Tor stehen, und nicht – wie durchaus üblich bei Pokalauftritten bei unterklassigen Mannschaften – Unions Nummer zwei, Jan Glinker. Da sich Patrick Kohlmann nach seiner Bauchmuskelzerrung rechtzeitig wieder fit gemeldet hat, ist sein Comeback links in der Abwehrkette wahrscheinlich. Michael Parensen würde dann ins Mittelfeld vorrücken, Youngster Björn Jopek und Zugang Luis Felipe Gallegos zunächst auf der Bank sitzen.

Hoffnungen auf einen Einsatz darf sich jedoch Torsten Mattuschka machen. Hatte in den Ligaspielen noch Tijani Belaid im Mittelfeld den Vorzug erhalten, könnte in Essen Mattuschkas größeres kämpferisches Potenzial den Ausschlag geben. Die Formkurve des Kapitäns zeigt jedenfalls nach oben.