Saisonvorbereitung

Union Berlin steht ein Testspiel-Marathon bevor

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Michael Färber

Foto: Christian Kielmann

Sieben Partien in 25 Tagen: Coach Neuhaus setzt auf so viele Testpartien wie noch nie. Zum Höhepunkt gastiert Mark van Bommel in Berlin.

Zunächst einmal gab es ein Lob, und das bereits nach wenigen Tagen. „Der Platz ist sehr gut, trotz des vielen Regens, der runtergekommen ist“, sagte also Uwe Neuhaus, der Trainer des 1. FC Union. Die starken Niederschläge vom vergangenen Wochenende haben die Vorbereitung des Berliner Fußball-Zweitligisten praktisch nicht beeinflusst. Tatsächlich präsentieren sich die Plätze vier und fünf hinter dem Stadion an der Alten Försterei in ausgezeichnetem Zustand. Erst in der vergangenen Woche wurde dort neuer Rollrasen verlegt. Auch die Mannschaft der Köpenicker ist weitgehend frei von irgendwelchen Verletzungen, die nur ein eingeschränktes Pensum ermöglichen würden. „Wichtig ist, dass jeder alles mitmachen kann“, sagte Neuhaus.

Kaum Verschnaufpausen in den nächsten Wochen

Gute Bedingungen, gesunde Spieler – zwei Grundvoraussetzungen, um gut durch die Trainingsphase für die am 3. August beginnende Saison im Bundesliga-Unterhaus zu kommen und auch gut in den Spielbetrieb starten zu können. Denn gerade die Köpenicker Kicker haben ein Programm vor sich, in dem es in den nächsten Wochen, ja sogar Monaten kaum eine Verschnaufpause geben wird. Ein Mammutprogramm, das in 25 Tagen nicht weniger als sieben Testspiele bereithält. Nie zuvor hat sich Union unter Neuhaus mit mehr Partien in Form für die Zweite Liga zu bringen versucht.

Den ersten Test unter wirklichen Wettkampfbedingungen – das Duell gegen die Auswahl der Insel Rügen im Rahmen des Lauftrainingslagers kann nur unter die Kategorie „Übungseinheit mit Ball“ fallen – gab es am Mittwoch beim FC Strausberg. Gegen den Brandenburg-Ligisten gab Trainer Neuhaus so gut wie jedem Spieler die Chance, sich auch zu zeigen. Lediglich Simon Terodde war noch zum Zuschauen verurteilt. Bei dem Stürmer, dessen Adduktorenprobleme immer noch nicht zu hundert Prozent auskuriert sind, wollte der Coach kein Risiko eingehen.

Erst Edinburgh, dann Eindhoven

Und dann geht es Schlag auf Schlag: Am Sonnabend geht es in Annaburg/Sachsen-Anhalt gegen den dortigen Achtligisten Grün-Weiß, es folgen die VSG Altglienicke (11. Juli), Pommern Löcknitz (14.7.) und der VfB Lübeck (21.7.), ehe es zum großen Showdown kommt. Zunächst geht es am 24. Juli in der Alten Försterei gegen Hibernian Edinburgh. Der schottische Erstligist setzt die Gastspiele britischer Mannschaften während der Sommer-Vorbereitung fort. Den ultimativen Härtetest gibt es allerdings fünf Tage später, wenn die PSV Eindhoven nach Köpenick kommt. Der 21-malige niederländische Meister kommt mit Trainer Dick Advocaat, eben noch Trainer der russischen Nationalmannschaft bei der EM in Polen und der Ukraine, sowie den EM-Akteuren Andreas Isaksson und Mark van Bommel. Ein Coup, der von der Internationalen Funkausstellung (Ifa) präsentiert wird.

„Ich bin froh, dass wir einen solchen Gegner für das letzte Freundschaftsspiel gewinnen konnten. Eindhoven besitzt höchstes internationales Niveau und eine große Tradition. Für unsere Mannschaft ist das Duell ein letzter, knallharter Prüfstein“, erläutert Nico Schäfer, kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzspielerabteilung. Spätestens nun hat sich der Besuch der Ifa im vergangenen Jahr ausgezahlt, bei dem sich kein Geringerer als Ifa-Direktor Jens Heithecker als Union-Fan geoutet hatte. „Union gegen einen solch renommierten Gegner an der Alten Försterei erleben zu dürfen, ist für mich ein absolutes Highlight dieses Sommers“, sagte Heithecker.

Schwieriges Auftaktprogramm

Angesichts des Auftaktprogramms, das auf die Berliner wartet, ist diese hohe Anzahl an Spielen aber wohl auch notwendig. Denn gleich innerhalb der ersten sechs Spieltage warten die drei Bundesliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern (6. August), Hertha BSC (3. September) sowie 1. FC Köln (21. September) auf die Köpenicker. Und ein Fehlstart kann und will sich Union nicht erlauben.

Trainer Neuhaus weiß um die Brisanz des Saisonstarts: „Erstes Spiel in Kaiserslautern, da weiß doch jeder, was da los sein wird. Volles Stadion, 50.000 Leute – man fährt schon mit Respekt dahin. Das kann ein Nachteil sein.“ Doch Neuhaus sieht auch die Möglichkeit eines Vorteils für sein Team: „Der Gegner ist dann vielleicht noch nicht so eingespielt.“ Die Seinen sollten es jedenfalls sein nach dem Mammutprogramm in der Vorbereitung.