Zweite Liga

Baubeginn für Unions neue 15-Millionen-Tribüne

Der 1. FC Union Berlin finanziert den Neubau der Haupttribüne ohne fremde Hilfe. Auf 22.000 Plätze wird sich die Stadion-Kapazität erhöhen.

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Zwei Schaufelbagger sind ständig in Bewegung, um der Erdmassen Herr zu werden. Gleich daneben, auf dem Zufahrtsweg zum Stadion an der Alten Försterei, bahnen sich die Lastkraftwagen samt Anhänger ihren Weg. Der Lärm, der den Alltag beim 1. FC Union schon in der Saison 2008/09 beim Bau der Stehplatztraversen ständig begleitet hat, ist auch heute wieder unüberhörbar. Und er wird auch in den kommenden Wochen und Monaten präsent sein.

Bis zum Winter soll der Rohbau stehen

Dirk Zingler, der Präsident des Berliner Fußball-Zweitligisten, spricht lapidar von der „Fertigstellung eines Gesamtprojektes“. Tatsächlich ist der Neubau der Haupttribüne das letzte noch fehlende Stück, um aus der Alten Försterei endgültig ein Fußball-Schmuckkästchen zu machen.

Und es ist auch das größte Puzzleteil, mit dessen „Einpassung“ nun endlich begonnen werden kann, nachdem der Klub die Baugenehmigung von den zuständigen Behörden erhalten hat. Die Vorbereitungen sind jedenfalls längst getroffen, die alte Haupttribüne, die gut elf Jahre ihren Dienst getan hatte, ist längst abgerissen, die ersten Fundamente sind bereits ausgehoben. „Wir sind mit den ersten vier Wochen super zufrieden“, sagte Zingler. Und Dirk Thieme, Präsidiumsmitglied des Vereins sowie Vorstandsvorsitzender der Stadionbetriebs AG, ergänzt: „Bis jetzt gibt es keinen Grund, unseren Terminplan zu ändern.“ Soll heißen: Bis zum Winter soll der Rohbau samt Dach stehen, im Winter sollen die Ausbauarbeiten beginnen. Die Grundsteinlegung für das ehrgeizige Projekt ist für den 18. Juli angesetzt.

2014 Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums

Das wirklich Erstaunliche ist jedoch, dass Union die Finanzierung des Baus komplett allein tragen wird. Bei der Präsentation des Projektes im November vergangenen Jahres, als den Union-Mitgliedern auch das Aktienmodell vorgestellt worden war, sollten zur Finanzierung der Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro noch drei Millionen Euro aus Lottogeldern, also Mittel aus der öffentlichen Hand, helfen.

Davon hat Union inzwischen abgesehen. „Wir haben uns die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, öffentliche Gelder für ein Projekt zu nutzen, das ausschließlich kommerziell genutzt wird“, erklärte Zingler. Die Frage wurde mit nein beantwortet. Wohl auch um eventuellen Problemen aus dem Weg zu gehen. Denn in der Ur-Planung sollte auch die Nachwuchsabteilung, die dem Verein und nicht der Lizenzspielerabteilung untersteht, den neuen Gebäudekomplex nutzen können. Doch wo wäre dann die Grenze zu ziehen zwischen gemeinnützig und kommerziell? Lottogelder will der Verein künftig dennoch beantragen, wenn im Jahr 2014 der Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums auf dem Plan steht.

Zwei Millionen steuert Union selbst bei

Die für die neue Tribüne benötigten 15 Millionen Euro setzen sich demnach wie folgt zusammen: sieben Millionen werden durch die Deutsche Kreditbank finanziert, jeweils drei Millionen kommen vom Vermarktungspartner Ufa Sports und von der Stadionbetriebs AG. Darin enthalten ist die Kapitalerhöhung von 2,7 Millionen Euro, die die AG durch den Verkauf von 5473 Stadionaktien an die Klubmitglieder im vergangenen Dezember erreicht hat. Die restlichen zwei Millionen Euro steuert der 1. FC Union selbst bei, generiert aus freien Mitteln und Sonderzahlungen von Sponsoren. Befürchtungen, Trainer Uwe Neuhaus könnte diese Summe bei der Zusammenstellung für den Spielerkader für die Saison 2012/13 fehlen, zerstreute der Klubchef umgehend: „Ich verspreche, dass vom Cheftrainer keine Klage diesbezüglich zu hören sein wird.“

Stadionkapazität auf 22.000 Plätze erhöht

Läuft alles glatt, soll die Haupttribüne im Sommer nächsten Jahres fertig sein. 3557 Zuschauer hätten dann darauf Platz, die Stadionkapazität würde sich auf 21.873 Plätze erhöhen. Neben zwei Eisern-Lounges (je 200 Plätze) und 25 Logen gibt es dann auch 1700 Vip-Plätze, welche die für die Gewährleistung des Spielbetriebs notwendigen Einnahmen des Zweitligisten erhöhen würden.

Von der Entwicklung des Stadionprojekts 2004 bis zur Fertigstellung hätte Union dann insgesamt 26 Millionen Euro investiert. Auch Zinglers Mobilbetonunternehmen (Röfa) wird am Bau beteiligt sein. Aufträge an die Röfa werde es aber nur geben, „wenn sie auch günstigster Anbieter ist“, sagte Zingler. Das Unternehmen werde höchstens Aufträge im Gesamtvolumen von 300.000 Euro erhalten, schätzt der Klubchef.