Dass man eine Mannschaft nach einem Sieg nicht ändern soll, zählt zu den ungeschriebenen Fußball-Gesetzen. Was zumindest beim Zweitligisten 1. FC Union nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass man es nach vier Partien ohne Sieg nun mit den Umstellungen übertreibt. „Das ist nicht gleichbedeutend mit einem Systemwechsel oder Personaländerungen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus vor dem Spiel am Freitag bei der abstiegsgefährdeten Alemannia aus Aachen.
Es sei denn, ein bislang verletzter Stammspieler kehrt in den Kader zurück und setzt damit eine Rotation in der Startelf in Gang. Der Stammspieler heißt Christopher Quiring, und nach überstandenem Muskelfaserriss drängt der Flügelflitzer auf seinen Platz im rechten Mittelfeld. „Ich bin fit und fühle mich gut“, sagt Quiring in der gleichen Lausbuben-Art, mit der er seine Gegner auf dem Rasen schwindelig spielt.
Tatsächlich spürt der Youngster in den Trainingseinheiten kein Ziehen mehr, seine Sprints sind schon wieder gewohnt explosiv. Außerdem hat die Partie in Aachen für den 21-Jährigen einen gewissen Stellenwert. „Da habe ich meine ersten Zweitliga-Minuten schnuppern können“, erzählt Quiring von jenem heißen Freitagabend im August 2010. In der 84. Minute wurde er eingewechselt und half, das 2:2 zum Saisonauftakt zu sichern.
Gut anderthalb Jahre später droht Quiring nun ausgerechnet jenen Spieler aus der Mannschaft zu kippen, der für ihn stets ein Vorbild dafür gewesen ist, wie man es aus dem Jugendbereich ins Profiteam schaffen kann – Christoph Menz. Der Reihe nach: Kehrt Quiring in die Anfangsformation zurück, wird Chinedu Ede von der rechten wieder auf die linke Mittelfeldseite wechseln.
An ihm – das machte Trainer Neuhaus zuletzt deutlich – führt derzeit kein Weg vorbei. „Wenn er so weiterspielt, kann ich ihn überall hinstellen“, gab Neuhaus Ede praktisch einen Freifahrtsschein. Als Folge würde Michael Parensen, ebenfalls ein momentan Unverzichtbarer, vom linken Flügel in die Innenverteidigung rücken – und Menz müsste sich in Aachen mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen.
Was für die Rotation spricht, ist der Wunsch des Trainers, „auch mal wieder zu Null zu spielen“. Parensens Defensivqualitäten sind bekannt, wurden auch im Zentrum der Abwehrkette bereits bewiesen. Menz hingegen schwächelte zuletzt schon ein wenig. Die Folge waren Gegentore in Ingolstadt und zuletzt gegen Duisburg.
„Wir haben in den vier Auswärtsspielen der Rückrunde 15 Gegentore kassiert. Da müssen wir unbedingt den Hebel ansetzen“, sagte Neuhaus. Die durch Quiring in Gang gesetzte Rotation könnte durchaus dazu beitragen, dass in Aachen der dritte Auswärtssieg gelingt.





