Sein Lachen hatte er schon wieder gefunden. Silvio zählt nun einmal zu jenen Menschen, die stets gut gelaunt durchs Leben gehen, vielleicht liegt dies einem Brasilianer auch im Blut. Doch seine Enttäuschung, dass es für ihn und den 1. FC Union nur zu einem Remis gegen den abstiegsbedrohten MSV Duisburg gereicht hat, konnte der 27-Jährige auch einen Tag nach dem 1:1 nicht verbergen. „Normalerweise achte ich immer darauf, in welche Ecke der Torwart geht. Doch gegen Duisburg hat mit die Ruhe gefehlt“, blickte Silvio auf seinen verschossenen Elfmeter zurück: „Ich habe nicht geguckt, sondern einfach nur geschossen.“
Kaum eine andere Situation war mehr Ausdruck des momentanen Zustandes der Mannschaft wie das verlorene Duell zwischen Stürmer und Torwart. Union im März 2012 – das ist ein Fußball-Zweitligist, bei dem die Verunsicherung ein stetiger Begleiter ist. Und sie wächst mit jedem nicht gewonnenen Spiel. Viermal gingen die Unioner inzwischen nicht als Sieger vom Platz (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen), überhaupt gab es erst einen Erfolg in sechs Partien des Jahres – die Eisernen haben gehörig Rost angesetzt.
Bislang hat man sich an der Alten Försterei immer noch dadurch aus der Affäre ziehen können, wenigstens eine gute Leistung abgeliefert zu haben. Doch diesen Rettungsanker gab es am vergangenen Freitag nicht mehr. Hat sich die Mannschaft, unbedingt und mit aller Macht den Bock umstoßen zu wollen, zu sehr unter Druck gesetzt? „Ich glaube nicht“, meint Silvio, und führt stattdessen die Stärke des Gegners an. Die Duisburger hätten „gut gestanden und sich auf unser Spiel eingestellt“. Ähnliches gab es auch vom Trainer zu hören. „Die Gegner stellen sich langsam auf unsere Schaltzentralen ein“, sagte der Trainer. Soll heißen: Sind Kapitän Torsten Mattuschka und Chinedu Ede aus der Partie genommen, bekommt Union ein Problem. Das macht es für einen engagierten Gegner, wie es die Duisburger am Freitagabend gewesen sind, natürlich umso leichter, den Schwung der Unioner zu bremsen.
Nicht erklärt sind damit jedoch die Fehler, die zu Chancen und derzeit auch unweigerlich zu Gegentreffern führen. Ob Christian Stuff, Markus Karl oder auch Mattuschka – alle drei brachten die Hintermannschaft mit hanebüchenen Rückpässen in arge Bedrängnis. Auch dies nur eine Folge der Stärke des Gegners? Vom Trainer gibt's dafür ein klares „Nein, obwohl ich natürlich auch hier gern den Gegner als Grund anführen würde“. Erklärungsversuche. „Mattuschka spielt ja häufig solche Rückpässe, nur darf er sie nicht blind spielen. Und Stuff hat einfach den Moment des Abspiels verpasst und dann Druck bekommen“, sagte Neuhaus. Fehler zu machen, wo man sie doch unbedingt verhindern sollte – auch dies ist Ausdruck zunehmender Verunsicherung.
Vom Anspruch, sich nach Platz sieben zum Jahreswechsel vielleicht doch noch um eine Position nach oben zu verbessern, müssen sich die Köpenicker jedenfalls verabschieden. Und da auch nach unten praktisch alles abgesichert ist, hat Uwe Neuhaus schon jetzt, vor dem letzten Saisonviertel, das Casting für die Spielzeit 2012/13 eröffnet. Er wird weiter an der offensiveren Spielweise, die den Gegner bereits im Mittelfeld unter Druck setzt und zu frühen Ballverlusten führen soll, festhalten. „Da kann noch nicht immer alles funktionieren. Aber die Geduld habe ich, dies fortzuführen“, sagte Neuhaus, wohl wissend: „Wenn uns das Wasser bis zum Hals stehen würde, neigt man eher dazu, etwas zu verändern.“
Abgerechnet wird aber am Saisonende. „Dann kann man sich Gedanken darüber machen, ob man daraus Konsequenzen zieht, ob das Personal, das man zur Verfügung hat, eventuell ausgetauscht werden muss, weil die Qualität nicht reicht“, sagte Neuhaus: „Ich glaube aber, dass diese Mannschaft auf Dauer mit dieser Spielweise auch Erfolg haben wird.“ Derzeit hat sie ihn jedenfalls nicht. Und am Freitag geht es zu Alemannia Aachen – einer weiteren Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt.





