Mattuschka und Mentzel

Union-Legenden haben Lust auf gute Laune

Neun Spieltage vor Saisonende steht Union Berlin im gesicherten Mittelfeld. Die Stimmung ist gelöst, wie Union-Legende Achim Mentzel und Union-Kapitän Torsten Mattuschka im Interview mit Morgenpost Online beweisen.

Foto: Amin Akhtar

Seit 2005 spielt Torsten Mattuschka (31) für den 1. FC Union Berlin und ist mit 85 Partien Rekord-Zweitligaspieler der Köpenicker. Musiker und TV-Modertaor Achim Mentzel hingegen ist mit dem Stadion-Schlager "Stimmung in der Alten Försterei" zur Union-Legende geworden.

Morgenpost Online Welches Verhältnis haben Sie noch zum Fußball, Herr Mentzel?

Achim Mentzel: Ich habe bei Vorwärts Berlin damals Libero gespielt. Als der Klub nach Frankfurt (Oder) ging, habe ich mich für die Musik entschieden. Heute spiele ich im MDR-Prominententeam, wo ich der Maradona vom Spreewald genannt werde, weil ich aus Cottbus komme.

Morgenpost Online Union müsste auch mehr Tore schießen, seit vier Spielen gelang kein Sieg.

Torsten Mattuschka: Tore schießen wir eigentlich genug. Wir haben bis auf Duisburg auch immer den Gegner an die Wand gespielt. Gereicht hat es leider nie.

Morgenpost Online Liegt es vielleicht auch ein wenig daran, dass man angesichts der Tabellensituation ein wenig träger wird?

Torsten Mattuschka: Das nicht, wir spielen ja alle Fußball, um zu gewinnen. Das ist unser Job, wir wollen Geld verdienen und natürlich auch für die Fans spielen. Im Moment schaffen wir es leider nicht, mal zu Null zu spielen oder eine Führung über die Zeit zu bringen. Wir wollen schon noch versuchen, Siebter oder Sechster zu werden.

Achim Mentzel: Union müsste hinten dichter machen. Und wenn ihr jetzt in Aachen mit Kontern kommen könnt, dann klappt's auch wieder mit einem Sieg.

Morgenpost Online Wie sehen Sie denn die Entwicklung des Ostfußballs?

Achim Mentzel: Ich habe das Gefühl, als wenn es den Klubs in der ersten und zweiten Liga zu weit ist, in den Osten zu fahren. Die würden lieber sehen, wenn wir gar nicht dabei wären. Gut, Hertha BSC ist ja auch drin, insofern hat Union ja Glück. Aber vor Cottbus zum Beispiel ekeln sich die anderen mehr, dann müssen sie ja bis kurz vor Polen fahren zum Fußballspielen.

Morgenpost Online Kein Bundesligist aus dem Osten, Hertha einmal ausgeklammert. Wer kann am ehesten die Lücke füllen?

Torsten Mattuschka: Rostock und Cottbus, weil sie lange Bundesliga gespielt haben und eine bessere Struktur, ein besseres Umfeld haben als wir. Aber wir arbeiten dran. Jetzt kommt die neue Tribüne, dann müssen wir sehen, ob es mal klappt.

Achim Mentzel: Aber eure Fans sind die wahren Fans, die haben sogar ein Stadion gebaut.

Torsten Mattuschka: Wenn es nach den Fans geht, sind wir Champions-League-reif. Ich bekomme heute noch bei jedem Spiel eine Gänsehaut beim Auflaufen. Deshalb tun wir alles, damit sie mal Bundesliga-Luft schnuppern können.

Morgenpost Online Sie sind mit 85 Einsätzen Unions Rekord-Zweitligaspieler. Bedeutet Ihnen das etwas?

Torsten Mattuschka: Ich würde lügen, wenn ich Nein sage. Ich bin froh, dass ich das erreicht habe. Als ich 2005 aus Cottbus gekommen bin, hätte ich das nie gedacht.

Morgenpost Online Und das Spiel, an das Sie sich am liebsten erinnern, ist…

Torsten Mattuschka: …natürlich das Derby, das ist doch klar. Wir sind vor 76.000 Fans Stadtmeister geworden, ich durfte zum Glück noch den Siegtreffer erzielen. Einmalig.

Morgenpost Online Ihr Vertrag läuft bis 2013. Dann soll auch das Stadion komplett fertig sein. Wird man Sie dann noch im Union-Trikot erleben?

Torsten Mattuschka: Ich hoffe schon, dass es mit mir noch weitergeht bei Union und ich dann auch noch in die neue Sauna oder ins Entspannungsbecken darf. Einmal Unioner, immer Unioner, den Verein werde ich immer im Herzen tragen. Ich hoffe, dass ich hier meine Karriere beenden darf.

Morgenpost Online Als 2009 die Stadion-Tribünen fertig waren, gelang der Zweitliga-Aufstieg. 2013 müsste dann die Bundesliga folgen…

Torsten Mattuschka: Wenn es so einfach wäre, wäre es natürlich schon. Dann bauen wir einfach noch eine Tribüne, dann sind wir in der Champions League (lacht).

Morgenpost Online Müsste Union nicht mal in die Offensive gehen und sagen: Wir wollen es 2013 wissen?

Torsten Mattuschka: Das ist natürlich schwer. Die Bundesliga-Absteiger sind immer Aufstiegsfavoriten. Dann muss man sehen, welche Teams es nicht schaffen, die dieses Jahr schon mitmischen. Und dann gewinnt man die ersten vier Spiele nicht und hat sofort Druck.

Morgenpost Online Noch ein kurzer Blick nach Charlottenburg: Können Sie nachvollziehen, dass sich Otto Rehhagel mit seinen 73 Jahren noch mal bei Hertha BSC auf die Trainerbank setzt?

Achim Mentzel: Wenn es funktioniert, dann war alles richtig. Man soll jeden erst mal machen lassen.

Torsten Mattuschka: Ich hoffe nicht, dass Hertha absteigt. Die Hauptstadt braucht einen Erstliga-Klub. Und wenn wir schon eine Stadtmeisterschaft ausspielen müssen, dann nur in der Bundesliga.