Neue Taktik

Unions Spielweise birgt Risiken und Chancen

Nur vier von fünfzehn möglichen Punkten haben die Köpenicker in diesem Jahr eingefahren. Doch trotz vieler Gegentore ist beim Team von Uwe Neuhaus auch eine Modernisierung der Spielweise zu erkennen.

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Kurzpassspiel, schnell den Weg zum Tor finden, den Gegner bereits im Mittelfeld attackieren – alles Elemente, die man heutzutage in dem Begriff „moderner Fußball“ zusammenfasst. Was dies mit dem 1. FC Union zu tun hat? Jenem Köpenicker Klub, der in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch eher für Fußballarbeiten steht? Nun, der Berliner Zweitligist ist in dieser Saison bemüht, sich vom Image der Kämpfertruppe weg zu arbeiten, pardon, zu spielen.

Betrachtet man die nackten Ergebnisse, ist der Erfolg gerade in diesem Kalenderjahr überschaubar: Nur vier von 15 Punkten holte die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus. Doch die Auftritte der Berliner waren keineswegs desaströs. Im Gegenteil, die Mannschaft machte spielerisch einen Schritt in die richtige Richtung. „Wir werden diese Art von Fußball auch weiterspielen, weil wir davon überzeugt sind, dass es uns stark macht“, sagte Neuhaus vor dem Spiel am Freitag gegen den MSV Duisburg (18 Uhr, Sky live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ): „Wir stehen wesentlich höher, attackieren den Gegner früher in dessen Hälfte, vor allem auswärts. Mit solchem Selbstvertrauen auch in fremden Stadien aufzutreten, das hatten wir lange nicht.“

Die Spielweise sei sicherlich moderner geworden, sie berge aber auch mehr Risiken, sagt Christian Stuff. Die Nebenwirkungen bekommt der Innenverteidiger regelmäßig zu spüren – in Form von Gegentoren. „Ich denke aber, wir sind auf einem ganz guten Weg, auch wenn die Gegentore eine andere Sprache sprechen“, glaubt Stuff. Und bittet die Fans um Geduld: „Das ist auch ein Gewöhnungsprozess. Es gibt ja Spiele, da klappt das schon ganz gut.“ So wie zuletzt beim 3:3 in Ingolstadt.

Sturmtalent verletzt

Zwei Dinge sind für diese Spielweise maßgeblich, um nach 90 Minuten nicht nur ein Schulterklopfen für einen tollen Auftritt zu bekommen: Konzentration und Schnelligkeit. Stuff erklärt: „Es ist wichtig, dass der Gegner im Mittelfeld Druck bekommt, sich dann nicht den Ball zuspielen und den Raum hinter uns, der natürlich größer ist, nutzen kann.“ Doch genau dies passiert noch zu oft. Die Folge sind äußerst unnötige Punktverluste. Deshalb hofft Stuff, „dass sich der eine oder andere dadurch nicht runterziehen lässt“. Doch er gibt auch zu: „Wir sind genervt, dass wir nicht die Ergebnisse erzielen, wie wir es eigentlich wollen.“

Neuhaus bestätigt unterdessen, dass ihm Schnelligkeit bei den Verteidigern wichtig sei. Es ist schon ein riesengroßer Unterschied, ob ich als Abwehrspieler zehn Meter hinter mir habe oder 30 Meter.“ Womit deutlich wird, warum Spieler wie Ahmed Madouni oder auch Daniel Göhlert wohl keine Zukunft bei Union haben. Die Frage ist nun: Abkehr von der neuen Spielweise, um den Negativtrend nach der erfolgreichsten Hinrunde der Klubhistorie zu stoppen, oder – angesichts der sicheren Tabellenlage der Unioner – Augen zu und durch? Der Trainer ist jedenfalls nicht gewillt, vom inzwischen eingeschlagenen Weg wieder abzurücken.

Auch wenn er den nächsten Rückschlag hinnehmen muss. Angreifer Steven Skrzybski (19) wird wegen eines Risses des Syndesmosebandes im linken Sprunggelenk wochenlang ausfallen. „Es könnte kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt für diese Verletzung geben“, sagte Neuhaus.