1. FC Union

Wenn knapp 18 Quadratmeter noch zu klein sind

Bei den Köpenicker Kickern wächst der Frust über vergebene Torchancen. Gegen 1860 München setzte es zum zweiten Mal in dieser Rückrunde eine zweite Niederlage in Folge. jetzt soll hart trainiert werden.

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Fußball ist keine Mathematik. Das sagte schon Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende von Bayern München. Ein kleiner Griff in die Zahlenlehre sei dennoch an dieser Stelle erlaubt. Also: Ein Fußballtor ist 2,44 Meter hoch und 7,32 Meter breit, so will es das Regelwerk des Fußball-Weltverbandes Fifa. Auch ist dort festgelegt, dass der Ball einen Umfang zwischen 68 und 70 Zentimetern haben soll, was einem Durchmesser von rund 22 Zentimetern entspricht. Findige Rechner werden nun feststellen, dass ein Fußball knapp 370 Mal die Fläche des Tores zwischen den Pfosten und unterhalb der Latte ausfüllt.

Das hört sich viel an. Die Spieler des 1. FC Union wären allerdings schon zufrieden gewesen, hätte das runde Objekt der Begierde jene knapp 18 Quadratmeter gegen den TSV 1860 München wenigstens einmal passiert. Wiederholt präsentierte sich der Berliner Zweitligist als Meister im Auslassen von Torchancen. Von hundertprozentigen Torchancen, wohl gemerkt. So setzte es zum zweiten Mal in dieser Rückrunde eine zweite Niederlage in Folge. Wobei sich die Protagonisten deutlich anmerken ließen, wie frustriert sie dieses 0:1 gegen die Löwen hat.

„Das war ja auch in Paderborn oder Bochum so, das nervt schon“, sagte Christian Stuff am Sonnabend. Er selbst musste erleben, wie sein Kopfball aus fünf Metern nicht im Netz zappelte, sondern in den Händen von 1860-Torwart Gabor Kiraly. Fünf Meter Entfernung zum Tor waren auch für Chinedu Ede noch zu viel. „Ich muss das rechte Bein nehmen, um den Körper rüberzubringen. Dann schieße ich mit dem linken und komme in Rücklage“, versuchte sich der offensive Mittelfeldspieler an einer Erklärung.

Die Suche nach einer Lösung des Problems gestaltet sich da schon schwieriger. „Wir müssen einfach geduldig weiter spielen, dann bekommen wir auch weiter unsere Chancen“, sagte Patrick Kohlmann. Aber: „Wir müssen dann auch mal einen rein machen.“ Der Unmut über die regelmäßigen Fehlschüsse wächst bei den Köpenickern. „Das war ja schon oft in diesem Jahr, dass wir das Tor nicht machen. Jeder kämpft, jeder fightet, aber so geht es einfach nicht weiter“, verschaffte Markus Karl seinem Frust Luft.

Sofort kommt einem Simon Teroddes Riesenchance in Bochum wieder in den Sinn, als der Stürmer völlig frei stehend eher eine Rückgabe als einen Torschuss produzierte. In einer ähnlichen Situation zog Silvio in Paderborn den Kürzeren. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Spiele“, sage Trainer Uwe Neuhaus. Und sieht in den eingeschränkten Übungseinheiten aufgrund der widrigen Verhältnisse an der Alten Försterei einen Grund für die mangelhafte Torausbeute. „Wir müssen hoffen, dass wir wieder mal ordentlich trainieren können. Das war zuletzt nicht der Fall“, so der Coach. In der Tat boten die Trainingsplätze am Stadion ein erbärmliches Bild. Erst waren die Böden durch die anhaltenden Minusgrade tiefgefroren und hart wie Beton, und nach dem heftigen Schneefall in der vergangenen Woche bot sich ein Anblick, der jeder Seenplatte zur Ehre gereicht hätte.

„Ich kann mir schon vorstellen, wenn auch im Training der Ball verspringt und man nicht trifft, dass man auch im Spiel nicht dieses Gefühl hat: Den mach ich jetzt rein“, nimmt Christian Stuff die Abteilung Attacke in Schutz. Dies als alleinige Erklärung anzuführen, ist dennoch zu einfach, wenn der Gegner bei gleichen Bedingungen in der Lage ist, seine Chancen zu verwerten und die knapp 18 Quadratmeter für ein Erfolgserlebnis zu nutzen.