Es gab Blumen und das obligate gerahmte Porträt. Und der mit jenen Präsenten Geehrte ließ sich auch vom anhaltenden Sprühregen am Freitagabend nicht abhalten, sich gebührend von den Fans des 1. FC Union zu verabschieden. „Wir stehen da, wo wir hingehören: im bezahlten Fußball, und das hoffentlich recht lange“, sagte Antonio Hurtado also. Am Mittwoch wird der Spanier sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Fußball-Zweitligisten aus beruflichen Gründen niederlegen. Nach knapp acht Jahren, in denen „wir ganz Deutschland gezeigt haben, dass man mit ehrlicher Arbeit eine ganze Menge erreichen kann“.

Zum Abschluss seiner Tätigkeit bei Union ein Sieg gegen den TSV 1860 München – einen solch passenden Rahmen für seine Verabschiedung wird sich Hurtado sicherlich gewünscht haben. Einzig die Gäste hatten etwas dagegen. Union verlor 0:1 (0:0). Statt endlich den ersten Sieg gegen die Münchner seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2009 feiern zu können, beendeten die Löwen Unions Heimserie. 455 Minuten waren sie zuvor ohne Gegentor an der Alten Försterei geblieben. Bis gestern Stefan Aigner kam, nach einem herrlichen Doppelpass mit Benjamin Lauth frei vor dem Tor stand und in der 82. Minute vollendete.

„Die Löwen haben einfach im Moment diesen Lauf“, sagte Patrick Kohlmann. Die Enttäuschung in seiner Stimme konnte und wollte er nicht verbergen: „Ich denke aber nicht, dass wir die schlechtere Mannschaft gewesen sind.“ Münchens Torwart und Ex-Hertha-Keeper Garbor Kiraly sprach hinterher von einem „sehr wichtigen Sieg“, der die Bilanz des TSV 1860 auf 22 von 24 möglichen Zählern aus den vergangenen acht Partien schraubte.

Keine Frage, es war mehr drin für die Köpenicker Kicker in einem Spiel, das durchaus Spaß machte. Temporeich legten beide Mannschaften los, den besseren Start erwischten aber die Gäste. Schon nach 90 Sekunden forderte Lauth Union-Torwart Jan Glinker zu einer Glanzparade. Dem hatte Union einen Schuss von Kohlmann ans Außennetz (13.) und einen 25-Meter-Hammer von Markus Karl (35.) entgegenzusetzen. Wie erwartet ließ Trainer Neuhaus Michael Parensen für den Rot-gesperrten Christoph Menz im Zentrum verteidigen, Patrick Zoundi sollte über rechts für den verletzten Christopher Quiring für Schwung sorgen. Und hinter den Spitzen vertrat Tijani Belaid den ebenfalls verletzten Kapitän Torsten Mattuschka. Doch Belaid gelang es bei allem Bemühen nicht, das Spielgeschehen entscheidend an sich zu reißen.

Erst als Union nach dem Wechsel „bärenstark aus der Kabine kam“, wie 1860-Coach Reiner Maurer bemerkte, erspielten sich die Hausherren ein Übergewicht. Am Statement von Trainer Neuhaus ließ sich allerdings erkennen, woran es im Spiel der Berliner wieder einmal haperte. „Ede muss den Ball einfach reinmachen, gleiches gilt für den Kopfball von Stuff“, sagte Neuhaus. Doch ebenso wie Chinedu Ede, der aus fünf Metern frei über das Tor schoss (46.), scheiterte auch Christian Stuff mit seinem Kopfball an Torwart Kiraly (77.). Der nahm den Union-Verteidiger sogar in Schutz: „Er hat keine Kraft in die Aktion bekommen.“ Zuvor hatten Silvio und Ede eine Kohlmann-Hereingabe nicht verwerten können (66.), auch der in seinem Auftreten wieder einmal glücklose Simon Terodde kam bei einem Kopfball nicht richtig hinter denn Ball (81.). Coach Neuhaus tobte an der Seitenlinie.

Ganz anders Reiner Maurer, der später bilanzierte: „Natürlich hatten wir auch die Portion Glück, die man braucht. Aber wir haben nicht unverdient gewonnen.“ Denn die Münchner agierten in der entscheidenden Situation wie eine Mannschaft, die sich im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga noch einschalten will: abgezockt, kombinations- und treffsicher. Am Ende musste Union sogar noch froh sein, nicht höher verloren zu haben. Jan Glinker verhinderte mit einem Reflex gegen Lauth den zweiten Gegentreffer (86.).