Die Erfolgsformel schien so einfach. Man nehme sich einen zahlungskräftigen Investor, baue mit dessen Millionen eine schlagkräftige Mannschaft zusammen und steige in die Bundesliga auf. So ähnlich werden es sich auch die Verantwortlichen des TSV 1860 München gedacht haben, der am Freitagabend an der Alten Försterei beim 1. FC Union vorspielt (18 Uhr, Sky live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ). Mit dem Jordanier Hasan Ismaik fanden die Löwen jenen Geldgeber, der den Fußball-Zweitligisten wieder von besseren Zeiten träumen lässt.

Allein der Glaube an eine zeitnahe Rückkehr der Münchner in den Kreis der 18 deutschen Eliteteams fehlt. Denn in einem ist sich 1860 treu geblieben: Der Klub präsentiert sich weiter mehr als Chaos- denn als Traditionsklub. Wozu der Mann, der sein Vermögen mit Öl und Immobilien gemacht hat, nicht unwesentlich beigetragen hat. So hatte Ismaik vor Wochen über seinen Statthalter Hamada Iraki ausrichten lassen, dass er nicht das Gefühl hat, „als Teil der Familie betrachtet zu werden, sondern als geldgieriger Geschäftsmann, der nur auf Rendite und Macht schaut“. Prompt wurde der Rücktritt von Klubchef Dieter Schneider gefordert.

Nun ist Schneider nach wie vor im Amt, und beide Seiten haben sich in der vergangenen Woche ausgesprochen, was die Wogen wenigstens wieder ein wenig hat glätten können. Doch ob die Geldquelle weiter so sprudeln wird wie bei Ismaiks Einstieg beim Gründungsmitglied der Bundesliga, darf bezweifelt werden. Für 18,4 Millionen Euro hatte der Jordanier im Mai vergangenen Jahres 60 Prozent der Anteile an der 1860 München KGaA erworben. Dies war nur möglich, weil ein Teil der Wertpapiere kein Stimmrecht besitzen. Der Klub verstieß damit nicht gegen die 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL), nach der es Investoren untersagt ist, die Stimmenmehrheit bei einem Klub zu übernehmen.

Angesichts dieser Streitigkeiten rückt das sportliche Abschneiden der Münchner immer wieder in den Hintergrund. Dabei sind es eben jene Auftritte der Mannschaft von Reiner Maurer, die die Außendarstellung des TSV 1860 zuletzt aufpoliert haben. Und die die „Löwen“, zumindest die Optimisten unter ihnen, schon im Sommer und nicht erst – wie geplant – 2014 von der Rückkehr in die Bundesliga träumen lassen. 19 von 21 möglichen Punkten heimsten die Münchner zuletzt ein. Sechs Zähler trennen sie nur noch vom Relegationsplatz, den derzeit Greuther Fürth mit 44 Punkten einnimmt. Grund genug, um die Euphorie nicht vollends ausufern zu lassen. „Unser Abstand ist immer noch so, dass es ein Abstand ist“, meinte Sportchef Florian Hinterberger zum Beispiel. Trainer Maurer warnte: „Berlin ist eine hohe Hürde.“

Zu hoch, hofft man zumindest an der Alten Försterei. „Wir haben mit vier Niederlagen und einem Unentschieden eine absolute Negativserie gegen 1860. Das wollen wir mit aller Gewalt ändern“, forderte Union-Trainer Uwe Neuhaus. Wohl wissend, dass die Seinen heute auf „die Mannschaft der Stunde treffen. Wir müssen auf Schwerstarbeit gefasst sein.“

Zoundi springt für Quiring ein

Dass mit Torsten Mattuschka (Innenbanddehnung), Christopher Quiring (Muskelfaserriss im Oberschenkel) sowie dem Rot-gesperrten Christoph Menz gleich drei wichtige Leistungsträger fehlen, vereinfacht die Sache nicht. „Der bisherige Saisonverlauf hat gezeigt, wie wichtig sie für uns sind“, so Neuhaus.

Von allen Ersatzkandidaten für die Innenverteidigung ist er aber offenbar keineswegs überzeugt. Auf die Frage, ob Daniel Göhlert Menz ersetzen könnte, antwortete Neuhaus mit Sarkasmus. Da 1860-Torjäger Kevin Volland (neun Treffer) Gelb-gesperrt ist, „haben wir den einzigen schnellen Stürmer vorne weg. Benjamin Lauth ist ja langsam wie eine Schnecke, da bietet sich Göhlert an mit seiner Antizipation und Zweikampfstärke“, sagte der Trainer. Vertrauen sieht sicher anders aus.

So wird wohl wieder Michael Parensen den Part neben Christian Stuff übernehmen, Patrick Zoundi statt Quiring über rechts kommen und Tijani Belaid den Mattuschka-Platz ausfüllen. Es gilt, neben Lauth (acht Saisontore) auch die offensivstarken Stefan Aigner (acht) und Daniel Bierofka (fünf) auszuschalten. Zusammen mit Volland schoss das Trio 30 der 44 Münchner Tore. Trainer Neuhaus fordert deshalb nicht weniger als die maximale Leistung bei der Löwen-Jagd.