Zweite Liga

Noch nie ging Union so offensiv in eine Saison

Der 1. FC Union will in der neuen Saison einen Platz in der oberen Tabellenhälfte erreichen. Trainer Uwe Neuhaus macht seiner Mannschaft damit gehörig Druck.

Foto: Christian Kielmann

Uwe Neuhaus scheute den Vergleich. Wo er denn die gerade abgeschlossene Saison-Vorbereitung in einer Liste alle Vorbereitungen, die er als Trainer des 1. FC Union geleitet hat, einordnen würde, sollte er erzählen. Die Frage hat durchaus seine Berechtigung, schließlich steht der 51-Jährige vor seinem fünften Jahr an der Seitenlinie des Köpenicker Klubs, vor seinem dritten in der Zweiten Liga. Bezug auf Vergangenes wollte Neuhaus aber nicht nehmen, stattdessen beschäftigte er sich lieber mit der Gegenwart. Die knapp fünf Wochen des gemeinsamen Trainierens seien „so weit ganz gut gelaufen“, seine Mannschaft habe „an der Fitness sehr gut gearbeitet“, die fünf Zugänge „erhöhen unsere Qualität“, und auch die „sechs Testspielsiege sind mir natürlich recht“.

Klingt nach einem durchaus positiven Fazit. Das sollte es auch sein, trotz der Tatsache, dass mit Kapitän Torsten Mattuschka („Das ist schon bedauerlich“) der Kapitän für den Auftakt am Freitag beim FSV Frankfurt (18 Uhr, Sky live) ausfallen wird. Trotz des Kreuzbandrisses von Talent Fabian Fritsche. Es gilt, durch und durch positiv in das erste Pflichtspiel der Saison 2011/12 zu gehen. Zu hoch sind die gesteckten Ziele, die der Klub dieses Jahr erreichen will. „Wir haben den einstelligen Tabellenplatz verkündet, das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.“

Mehr Qualität war notwendig

Noch nie ging Union derart offensiv in eine Saison, sei es, was die anvisierte Endplatzierung angeht, oder der Zeitpunkt der Bekanntmachung. Schon am ersten Trainingstag hatte Klubchef Dirk Zingler mit Platz neun alle Spekulationen, was denn nun nach den Rängen zwölf und elf kommen könnte, im Keim erstickt.

Wie ambitioniert das Erreichen der oberen Tabellenhälfte ist, wird schon mit einem Blick auf das Teilnehmerfeld deutlich. Eintracht Frankfurt und der FC St. Pauli zählen wie auch der MSV Duisburg, „der der verpassten Chance aus der Vorsaison sicherlich noch nachtrauert“, so Neuhaus, zu den heißesten Kandidaten für die Aufstiegsplätze. „Wenn man dann noch Duisburg nimmt, Düsseldorf, die ich sehr stark einschätze, und auch Fürth, die man jedes Jahr auf der Rechnung haben muss, dann sind das schon sechs Teams, die nach meiner Einschätzung ganz oben stehen werden“, sagte Neuhaus. Dazu noch ein Überraschungsverein wie Erzgebirge Aue in der vergangenen Spielzeit, oder auch der FC Energie Cottbus, den der Coach in seiner Aufzählung sogar noch vergessen hatte, „dann wird der Kreis immer enger“, weiß Neuhaus.

Keine Frage das Feld wird im Vergleich zum Vorjahr ausgeglichener sein, schon weil den Aufsteigern Eintracht Braunschweig, Hansa Rostock und Dynamo Dresden eine bessere Rolle zugetraut wird als den drei Absteigern Arminia Bielefeld, Rot-Weiß Oberhausen und VfL Osnabrück, die über die Rolle der Punktelieferanten nicht hinausgekommen waren.

Ja, die Qualität in seinem Kader habe sich erhöht. „Das war auch notwendig“, sagt Neuhaus. Mitläufer oder gar Ausfälle wie in der vergangenen Saison kann sich Union schlichtweg nicht mehr leisten. Vor diesem Hintergrund wirkt die Rechnung, die der Trainer aufmacht, schon ein wenig wie ein vorweg genommenes Alibi, sollte der Verlauf der 34 Spieltage nicht den gewünschten Erwartungen entsprechen.

Nur 16 vollwertige Feldspieler

„Wir sind 27 Spieler, davon gehören sieben Spieler eher dem U23-Kader an“, sagte Neuhaus. Oliver Hoffmann, Steven Skrzybski, Maurice Trapp, Bone Uaferro, Philip Malinowski, Fabian Fritsche und Torwart Kilian Pruschke seien zwar nicht chancenlos: „Jeder von ihnen hat gezeigt: Wenn die Mannschaft stabil ist, kann er schon mal für einen kurzen Zeitraum einspringen.“ Dass es dabei einer gewissen Gewöhnungszeit bedarf, es nicht von heute auf Morgen geht und „der eine oder andere auch noch ein wenig Geduld benötigt“ (Neuhaus), macht jene sieben Nachwuchskräfte allerdings noch nicht zu – nennen wir es – vollwertigen Profis.

Von den 20 übrigen Spielern ist der in Ungnade gefallene Jerome Polenz abzuziehen – und seit Mittwoch auch Santi Kolk. Lässt man dann noch die Torhüter Marcel Höttecke und Jan Glinker außen vor, geht Union mit gerade einmal 16 Feldspielern in eine „unglaublich starke und ausgeglichene Liga“, so Neuhaus. Sein Zauberwort auf dem Weg zum einstelligen Tabellenplatz heißt Flexibilität. Als Beispiel dient ihm Christoph Menz, der vergangene Saison Rechtsverteidiger, nun in der Vorbereitung in der Innenverteidigung und sogar im defensiven Mittelfeld neben Zugang Markus Karl gespielt hat. Auch der Brasilianer Silvio sei als Stürmer oder hinter den Spitzen vielseitig einsetzbar. „Mit solchen Spielertypen können wir auf Verletzungen und Formschwankungen reagieren“, hofft Neuhaus, den Vergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen zu müssen.