Abschied

Santi Kolk verlässt Union Berlin für immer

Entgegen einer ursprünglich geplanten einjährigen Ausleihe steht nun fest, dass Stürmer Santi Kolk nicht mehr nach Berlin zurückkehren wird. Das Verhältnis zwischen dem Holländer und Trainer Uwe Neuhaus ist offenbar nicht mehr zu retten.

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Plötzlich war er weg. Einfach so, in Richtung Heimat. Seit Mittwoch steht nun fest: Der Niederländer Santi Kolk wird auch nicht mehr zum 1. FC Union zurückkehren. Der Berliner Fußball-Zweitligist leiht den Offensivspieler an den holländischen Ehrendivisionär NAC Breda aus. Der Vertrag gilt zunächst für die bevorstehende Spielzeit, Breda besitzt jedoch eine Kaufoption für Kolk, dessen Vertrag bei Union noch bis 30. Juni 2013 läuft.

„Leider konnte er bei uns nie die Leistung abrufen, die wir uns von ihm erhofft haben. Deshalb ist diese Lösung wohl die beste für beide Seiten“, kommentiert Union-Trainer Uwe Neuhaus den neunten Abgang aus seinem Kader, der erst nach intensiven Verhandlungen unter Dach und Fach gebracht wurde. Streitpunkt war das Gehalt des Spielers, das Breda nicht übernehmen wollte – Kolk zählte bei Union mit geschätzten 15.000 bis 20.000 Euro im Monat zu den Besserverdienern. Nun jedoch hat sich Kolk zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärt, um den Wechsel nicht platzen zu lassen. Laut Nico Schäfer, dem kaufmännisch-organisatorischen Leiter der Union-Lizenzspielerabteilung, wurde eine Lösung gefunden, „die den Bedürfnissen beider Vereine und dem Wunsch des Spielers gerecht wird“.

Durch den Wechsel hat Union nicht nur einen großen Posten von der Gehaltsliste streichen können, Geld, dass nach der Verpflichtung des Brasilianers Silvio durchaus gebraucht wird. Union entledigt sich damit auch eines Spielers, den sich die Köpenicker ob ihres ambitionierten Saisonzieles (Platz neun) nicht mehr leisten konnten. „Santi und der Verein haben sich das sicherlich anders vorgestellt“, sagte Union-Kapitän Torsten Mattuschka, „aber wenn man nicht zum Zuge kommt, muss man sich woanders umsehen.“

Verhältnis nicht mehr intakt

Das Verhältnis zwischen Kolk, der es in der vergangenen Saison nur auf 17 Spiele (davon neun Kurzeinsätze) und vier Tore (darunter der Treffer zum 1:1-Endstand im ersten Derby gegen Hertha BSC) gebracht hatte, und Trainer Neuhaus darf ruhigen Gewissens als nicht mehr intakt bezeichnet werden. Zu oft war der Niederländer verletzt, selbst in der jetzigen Vorbereitung plagten ihn Oberschenkelprobleme. Bei Nachfragen zu Kolks Gesundheitszustand konnte der Trainer seinen Unmut nur schwer verbergen. Noch am Vormittag hatte Neuhaus gehofft, dass der Wechsel „in kürzester Kürze erledigt sein wird“. Zu Kolks Fahrt nach Holland ließ er wissen: „Bei mir hat er sich nicht abgemeldet.“

Wie gering die Rolle war, die Kolk überhaupt noch in den Planungen des Trainers spielte, verdeutlicht folgende Begebenheit. Auf die Frage, ob Union denn die Nummer 10, die Kolk auf seinem Trikot hatte, nun neu vergeben würde, antwortete Neuhaus: „Ich wusste gar nicht, dass er die 10 getragen hat.“ Rückennummern interessierten ihn nicht, „wichtig sei, wer die 10 spielt, nicht wer sie trägt“. So ist der Weggang Kolks nichts anderes als das Ende eines großen Missverständnisses.