Die Erklärung, warum ihn sein erster Weg als Profifußballer aus Brasilien in die Schweiz geführt hat, kommt ihm leicht über die Lippen. „Man braucht Zeit, um sich in Europa einzuleben“, sagt Silvio Carlos de Oliveira, kurz Silvio , „die Schweiz ist dafür ein gutes Land.“ Lange Zeit, um sich beim 1. FC Union einzugewöhnen, braucht der Stürmer offenbar jedoch nicht. Schon wenige Übungseinheiten haben genügt, um wenigstens in Ansätzen zu zeigen, wie wertvoll Silvio für die Mannschaft des Berliner Zweitligisten werden kann.
Es kommt nicht selten vor, dass ein neuer Spieler – noch dazu, wenn er mitten in der Vorbereitung zu einer Mannschaft stößt – seinen Platz im Team erst finden muss. Die Laufwege der Mitspieler, die Qualitäten eines jeden einzelnen, all das kann oftmals erst Schritt für Schritt in Erfahrung gebracht werden. Umso erstaunlicher der Auftritt des Brasilianers beim 3:0 im letzten Testspiel gegen die Schotten von Heart of Midlothian . Das Debüt im Union-Trikot darf durchaus als gelungen bezeichnet werden.
Trainer Neuhaus lobt Sturmduo Terodde/Silvio
„Silvio macht es anderen Mitspielern auch einfach“, erklärte Simon Terodde. Zusammen mit dem Brasilianer bildete er gegen den Europa-League-Teilnehmer von der britischen Insel ein Sturmduo, das auch im oft so grauen Zweitliga-Alltag für manch lichten Moment sorgen könnte. „Man konnte sehen, dass er uns auf jeden Fall weiterbringt“, meinte Terodde. Trainer Uwe Neuhaus brachte es auf den Punkt: „Ich glaube, dass Terodde und Silvio optimal zusammenpassen und sich auch gut ergänzen.“
Der Coach selbst hatte dafür gesorgt, dass der Brasilianer gar nicht erst in die Rolle des Fremdkörpers gerät, die neue Spieler oft zwangsläufig in den ersten Tagen oder sogar Wochen einnehmen: „Silvio lässt sich oft in die Lücke zwischen Abwehr und Mittelfeld fallen. Dann braucht er aber auch die Anspiele, das habe ich der Mannschaft gesagt.“ Tatsächlich wurde der 26-Jährige immer wieder gesucht und gefunden. Eine Vorgehensweise, die vom Trainer sogar ausdrücklich gefordert war. „Deswegen hatte ich vorn auch viele Freiheiten“, freute sich Terodde, der sein Zusammenspiel mit Silvio als „ganz gut“ beurteilt: „Wir hatten ja schon einige Einheiten zusammen.“
Silvio erst bei 80 Prozent seiner Leistungsfähigkeit
Es wird interessant sein zu sehen, ob und wie das Duo sein Miteinander weiter verbessern wird. Zumindest bei Silvio sehen alle Beteiligten noch Möglichkeiten zur Steigerung. „Er hat sicherlich noch Luft nach oben“, erklärte Neuhaus: „Von der Dynamik her habe ich andere Spiele gesehen, in denen er noch mehr explodiert ist.“ Silvio selbst sieht sich wenige Tage vor dem Punktspielstart am Freitag beim FSV Frankfurt erst „bei 80 Prozent“ und will seine Premiere in Köpenick auch nicht überbewerten: „Natürlich ist es immer schwer im ersten Spiel“, da könne noch nicht alles so reibungslos laufen, wie gewünscht.
Und noch etwas wird interessant zu beobachten sein. Wie verhält es sich, wenn John Jairo Mosquera (Muskelfaserriss) und Torsten Mattuschka (Kreuzbanddehnung) wieder in den Kader zurückkehren? Wird der Trainer auf Mosquera, der in der vergangenen Saison praktisch einen Freifahrtschein hatte, tatsächlich verzichten? Falls nicht: Wo ist dann Platz für Silvio, wenn der Kapitän wieder auf seinen angestammten Platz im offensiven Mittelfeld zurückkehrt? Oder lässt Neuhaus Silvio und Mattuschka gemeinsam hinter den Spitzen wirbeln?
Terodde sieht trotz seiner guten Leistungen in der Vorbereitung keine Garantie für einen Stammplatz. Für die neun Treffer in den sechs Testspielen „kann ich mir nichts kaufen. Jeder ist heiß auf das erste Spiel. Und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft.“ Der Coach hat den Kampf um die Offensivplätze jedenfalls eröffnet: „Mosquera wird am Montag wieder zur Mannschaft stoßen, und dann haben wir eine Woche Training. Da bin ich gespannt, wer sich alles zeigt.“ Silvio und Simon Terodde werden es mit Sicherheit tun. Und den Druck auf die Etablierten weiter erhöhen.


