Der Film war zum Teil in schwarz-weiß, zum Teil in Farbe gehalten. Eine knappe Viertelstunde lang bekamen die 503 anwesenden Mitglieder des 1. FC Union auf ihrer jährlichen Versammlung in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße Sequenzen aus den vergangenen 20 Jahren ihres Vereins zu sehen. Noch einmal erlebten die Fans jene Achterbahnfahrt der Gefühle, die der Berliner Fußball-Zweitligist seit der Wende erlebt hat. Es war der emotionale Höhepunkt einer Mitgliederversammlung, in der Union unterstrich, dass aus der Skandalnudel von einst ein nicht nur solide, sondern auch erfolgreich wirtschaftender Klub geworden ist.

„Mit der finanziellen Situation können wir alle zufrieden sein“, sagte Präsident Dirk Zingler. Eine Aussage, die ob der Haushaltszahlen, die Union gestern Abend präsentierte, fast schon als Tiefstapelei ausgelegt werden kann. Denn der Klub hat das erste Zweitliga-Jahr nach dem Aufstieg dazu nutzen können, in allen Bereichen neue Bestmarken zu setzen. So weist die Bilanz für das Geschäftsjahr 2009/10 einen Gewinn in Höhe von mehr als 1,3 Millionen Euro aus. Im Geschäftsjahr davor, dem die Drittliga-Saison 2008/09 zu Grunde gelegen hatte, stand ein Plus von knapp 440.000 Euro. Zudem konnte die Mitgliederzahl per 9. November 2010 auf 6870 (2009: 6124) gesteigert werden.

Noch wichtiger ist die Entwicklung bei den Verbindlichkeiten. „Erstmals in der Vereinsgeschichte übersteigen die kurzfristigen Forderungen die kurzfristigen Verbindlichkeiten“, erklärte Zingler nicht ohne Stolz. Soll heißen: Der 1. FC Union hat per 30. September 2010 mehr Außenstände, als er selbst an seine Gläubiger zurückzahlen muss. Im Vorjahr drückten den Klub zum gleichen Zeitpunkt noch 872.368 Euro an kurzfristigen Verbindlichkeiten. Diese konnten zusammen mit den Baukosten für die Sanierung des Stadions An der Alten Försterei (583.108 Euro) durch den erzielten Gewinn aus 2009/10 abgebaut werden. Union-Präsident Zingler sprach zurecht von einem Break-Even-Point, den der Klub nun erreicht hat. „Erstmals sind wir nicht mehr gezwungen, unseren Gewinn nur in die Schuldentilgung zu stecken, sondern können nun selbst investieren.“ In Mannschaft und Infrastruktur zum Beispiel.

Und er stellte eine klare Forderung Trainer Uwe Neuhaus und seine Mannschaft, die den Großteil der Versammlung vor Ort mitverfolgte: „Mit diesen Zahlen kann es für uns nur ein Ziel geben: Das ist der Klassenerhalt.“ Vom Abbau der Verbindlichkeiten unberührt bleiben die gut 15 Millionen Euro, die Union dem Unternehmen MK Medien von Michael Kölmel schuldet. Rund zehn Millionen Euro sind seit Jahren dauerhaft mit Rangrücktritt versehen, für die übrigen gut fünf Millionen Euro gilt ein Rangrücktritt bis 2025.

Nur wenn Union also auch in den kommenden Jahren Gewinne erwirtschaftet, muss dieser Schuldenberg abgebaut werden. Dies wird ab der kommenden Saison zwingend der Fall sein müssen, wenn Union keine Schwierigkeiten mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bekommen will. Denn die DFL hat ab 2011/12 die Lizenzierungsbedingungen enorm verschärft. So ist jeder Zweitligaverein mit einem negativen Eigenkapital dazu verpflichtet, am Ende der Saison mindestens fünf Prozent (Bundesliga: zehn Prozent) dieser Summe als Gewinn zu erwirtschaften. Union müsste demnach in der kommenden Zweitliga-Saison netto ein Plus von rund 750.000 Euro erwirtschaften. Um diesen Betrag zu erreichen, sei ein Brutto-Gewinn von ungefähr 1,3 Millionen Euro notwendig.

Union plant jetzt mit mehr Zuschauern

Die Voraussetzungen, dass dieser erfolgreiche Weg – seit 2007 zeigt die Bilanzkurve stetig nach oben – weiter gegangen werden kann, wurden ebenfalls durch die turnusmäßige Wahl des Aufsichtsrats erfüllt. Für drei Jahre wieder gewählt wurden der Aufsichtsratsvorsitzende Antonio Hurtado, Hans-Joachim Lesching, Thomas Koch, Karlheinz Nolte und Fan-Vertreter Joachim Müller. Einzig Uwe Doering verzichtete aus privaten Gründen auf eine erneute Kandidatur.

Für die laufende Spielzeit plant Union mit einem Etat von knapp 13,2 Millionen Euro In der vorangegangen Saison waren es noch gut 12,2 Millionen Euro. Rund 6,1 Millionen Euro sind für die Lizenzmannschaft vorgesehen. Das sind 27 Prozent mehr als im vergangenen Jahr (4,8 Millionen Euro). Da in der vergangenen Saison die Zuschauerplanungen (12.000) mit 14.176 deutlich überboten wurden, plant Union diese Saison mit nun 13.000 Besuchern.

Eine nicht zu hoch angesetzte Zahl eingedenk der Tatsache, dass jüngst gegen Rot-Weiß Oberhausen 14.168 Besucher die Stadiontore passiert hatten. Über allem? stehe jedoch die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Klubs. Zingler: „Nur bei kontinuierlicher Entwicklung der wirtschaftlichen Zahlen ist auch eine Entwicklung im sportlichen Bereich möglich.“ Schlechte Zeiten gab es in dem 15-Minuten-Film genug zu sehen.