Wie vor jedem Spiel, so wurde Christian Beeck auch vor der Partie des 1. FC Union am Freitag bei Arminia Bielefeld (18 Uhr, Sky live, und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) um eine Einschätzung der Lage gebeten. Viele Worte wollte der Teammanager des Berliner Fußball-Zweitligisten vor dem Kellerduell des Tabellen-15. beim Letzten aber nicht machen: „In solchen Situationen ist es mal ganz gut, vorher nicht so viel zu reden.“ Dabei sind die Vorzeichen nicht die schlechtesten. Die Morgenpost nennt sechs Gründe, warum ein Union-Sieg in Bielefeld wahrscheinlich ist.

Umfeld. Unterschiedlicher könnten die Ausgangslagen für beide Trainer kaum sein – obwohl sich beide mit anhaltender Erfolglosigkeit befassen müssen. Bei Union sorgte Präsident Dirk Zingler Anfang der Woche für Ruhe, indem er Uwe Neuhaus zwar keinen Freifahrtschein ausstellte, ein Ultimatum für ihn aber kategorisch ausschloss. „Notfalls gehen wir mit ihm in die Dritte Liga“, hatte er erklärt, und dass für ihn weniger die Ergebnisse als die Arbeitsweise ausschlaggebend sind. Ein ungewöhnlicher Schritt, den Zingler damit begründete, in jedem Fall wirtschaftlichen Schaden vom Klub fernhalten zu wollen: „Ein Trainerwechsel ist meist teuer und bringt ohnehin nur in 20 Prozent der Fälle etwas.“ Ein Machtwort, das bei den Spielern gut ankam. „Alles andere hätte mich auch verwundert“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka, der lobte, dass das Team sich nicht sorgen muss, was bei einer Niederlage in Bielefeld passieren könnte.

Ganz anders stellt sich die Lage bei den Westfalen dar. Christian Ziege, erst seit Saisonbeginn im Amt, hat ein Ultimatum bekommen: Er muss aus den kommenden drei Ligaspielen gegen Union, den FC Augsburg und den VfL Osnabrück mindestens sechs Punkte holen. Heißt: Ein Sieg am Freitag ist fast Pflicht. „Das zu erreichen, halte ich, auch mit Blick auf die bevorstehenden Gegner in der Liga, nicht für unrealistisch“, meinte Ziege und ergänzte: „Ich muss sagen, dass ich schon wesentlich unangenehmere Situationen erlebt habe.“ Ruhe vor einem wichtigen Spiel sieht trotzdem anders aus.

Stürmer. Als Vorteil für Union ausgerechnet die Stürmer anzuführen, die mit sichtbarer Ladehemmung in die Saison gegangen sind, klingt zunächst merkwürdig. Doch der positive Trend macht dies möglich. Stand nach sieben Spieltagen nur ein Stürmertor für Union zu Buche (Karim Benyaminas Treffer beim 2:2 in Aachen), trafen die Torjäger in den vergangenen beiden Partien. Erst bannte John Jairo Mosquera gegen Aue seinen neun Monate währenden Torfluch, dann legte er in Augsburg zum erneuten Treffer von Benyamina auf. Die beiden scheinen also langsam in Schwung zu kommen. Überhaupt Mosquera: Zwar kann man ihm mangelnde Chancenverwertung vorwerfen, nicht aber fehlenden Kampfgeist. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass der Stürmer mit bislang 114 Zweikämpfen zu den 16 aggressivsten Spielern der Zweiten Liga gehört. Zum Vergleich: Unions Abräumer Dominic Peitz liegt mit 124 Zweikämpfen auf Rang neun nur sieben Plätze vor ihm. Ein Spieler von Arminia Bielefeld taucht in den Top 25 übrigens gar nicht auf – Punkt für Union also.

Frühstart. Sicher: Auch der 1. FC Union musste schon zweimal in dieser Saison ein Blitztor hinnehmen (gegen Hertha BSC und Aue jeweils in der zweiten Minute). Der heutige Gegner Bielefeld allerdings ist ein wahrer Meister der frühen Gegentore. 12 der bislang 17 Gegentreffer kassierten die Westfalen in der ersten Halbzeit, neun davon sogar in den ersten 25 Minuten. Ein schneller und wacher Start könnte sich für Union also lohnen.

Aufholjagd. Hat Union erst einmal getroffen, gehen die drei Punkte statistisch gesehen nach Berlin. Denn die Arminia hat es bislang in keinem ihrer Spiele geschafft, einen Rückstand noch zu drehen oder wenigstens einen Punkt zu holen. Ganz anders die Köpenicker, denen dieses Kunststück immerhin schon dreimal gelang. Gut – bei bislang nur einem Saisonspiel ohne Gegentor gab es genug Gelegenheit dazu. Allerdings ist es nicht wahrscheinlich, dass es in Bielefeld zu einer solchen Situation kommen wird: Mit Ausnahme des Sieges gegen Ingolstadt (1:0) lag Arminia noch nie in Führung.

Torgefährlichkeit. Bei neun Treffern (Union) gegenüber sieben Toren für Bielefeld mutet dieser Vergleich wenig aussagekräftig an. Doch die beiden Klubs trennen trotz der ähnlichen Ausbeute Welten. So stehen für Union mit 102 Torschüssen die zweitmeisten Versuche der Liga zu Buche, und selbst bei der Genauigkeit (also den Schüssen, die wirklich aufs Tor kommen) liegt Union mit 48 Prozent auf Rang fünf. Bielefeld hingegen schoss bislang bei einer Quote von nur 38 Prozent 80 Mal in Richtung des gegnerischen Tores – Platz 13. Diese deutlichen Unterschiede hängen mit einigen Führungsspielern bei Union zusammen. So liegt John Jairo Mosquera aller Abschlussschwäche zum Trotz mit 20 Torschüssen (viertbester Wert der Liga), von denen 70 Prozent auf das Tor kommen (bester Wert der führenden Stürmer), in der Statistik ganz vorn. Bemerkbar macht sich auch, dass in der Liste der besten 30 Vorbereiter der Liga in Dominic Peitz (er brachte es als Abräumer auf starke neun Torschussvorlagen und drei Assists), Chinedu Ede und Mosquera gleich drei Spieler des 1. FC Union gelistet sind – jedoch keiner von Arminia Bielefeld.

Dominanz. Der 1. FC Union spielte bislang mit 3368 Pässen die fünftmeisten der Liga – leider konnten die Köpenicker aus dieser Feldüberlegenheit zu wenig machen. Erstaunlich: Mit einer Passgenauigkeit von 76,1 Prozent liegt Union sogar auf Rang vier und nur zwei Prozentpunkte hinter Spitzenreiter Hertha BSC. Arminia Bielefeld hingegen kommt bei nur 2978 gespielten Pässen auf eine Erfolgsquote von nur 72 Prozent und damit auf den 14.Rang. Das spiegelt sich auch im Ballbesitz wider: Insgesamt kommt Arminia auf 48, Union auf 58 Prozent.

Fazit. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Mannschaft ist intakt und spielt, wie schon oft beschrieben, die gesamte Saison deutlich unter Wert. Doch alle Zahlenspiele nützen am Ende nichts, wenn wieder beste Torchancen vergeben werden oder individuelle Fehler Union um den verdienten Lohn bringen.