Er war zwar nicht der Mann des Spiels, diese Ehre gebührte an diesem Abend eindeutig John Jairo Mosquera. Und doch wusste Paul Thomik nach der Partie gegen Aue eine denkwürdige Parallele zu eben jenem Stürmer zu ziehen. „Als ich das letzte Mal in der Ersten gespielt habe, hat er zuletzt getroffen“, sagte der 25 Jahre alte Rechtsfuß mit einem Lachen. Dabei hatte er sich vertan: Nach dem besagten 1:0 gegen Oberhausen im Januar spielte er noch gegen Düsseldorf – das war ihm nach so langer Zeit offenbar einfach entfallen. Kein Wunder, wartete er wie Mosquera auf sein Tor fast neun Monate lang auf sein Comeback. Eine Knöchelverletzung setzte ihn damals für zwei Monate außer Gefecht, den Rhythmus fand er danach nicht wieder.

Gegen Erzgebirge Aue (1:1) gab er am Freitag sein Comeback, und ihm gelang ein ansprechender Auftritt auf der rechten Seite. Zusammen mit der neuen Konstante auf der rechten Abwehrseite, Christoph Menz, wirbelte Thomik ein ums andere Mal nach vorne und belebte die in den bisherigen Spielen etwas lethargische rechte Bahn sichtlich.

„Es war wunderschön für mich, nach all den Monaten wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte Thomik nach dem Spiel, er war dann auch der einzige, der trotz der vielen vergebenen Siegchancen so etwas wie Zuversicht ausstrahlte: „Bald haben wir einen Lauf und dann gewinnen wir so ein Spiel 4:1“, sagte er selbstbewusst.

Verdenken kann man ihm solche Art von Optimismus nicht nach all dem Warten. Mit großen Ambitionen war er im Januar aus Osnabrück gekommen und fasste sofort als rechter Verteidiger Fuß. Er stand hinten konsequent, strahlte aber immer wieder Gefahr nach vorne aus und war damit genau der Gegenentwurf zum offensiv limitierten Michael Bemben. Nur zwei Spiele ging alles gut, dann kam die Verletzung am Knöchel. Und danach begann die Leidenszeit. Kein Spiel absolvierte er mehr in der abgelaufenen Saison, und auch die aktuelle Spielzeit begann er in der U23. Dort brachte er es auf fünf Einsätze, und rund um die Alte Försterei war längst mit seinem Einsatz gerechnet worden. „Dass er bisher nicht gespielt hat, lag einfach an der mangelnden Spielpraxis. Im Training hat er jetzt aber gezeigt, dass er weniger Fehler im Aufbauspiel macht“, sagt Trainer Uwe Neuhaus.

Prompt beorderte er ihn von der Abwehr ins Mittelfeld. Ein kluger Schachzug, denn Thomik überzeugte nicht nur im Aufbauspiel, sondern kam auch zu zwei guten Torchancen, die er leider nicht verwertete. „Dass noch nicht alles rund läuft, ist doch klar“, sagte er nach dem Spiel. Seinem Trainer war das egal. „Ich bin sehr zufrieden mit seinem Auftritt. Er war läuferisch sehr stark“, lobte Neuhaus, der wohl auch erkannt hatte, dass Thomik einfach mal an der Reihe war. Denn die rechte Seite hatte – trotz guter Ansätze des Zugangs Jerome Polenz – bisher nicht viele Akzente setzen können. Und so beantwortete Neuhaus dann auch auf die Frage, ob er die nächsten Spiele wieder mit Thomik plane, für ihn ungewohnt deutlich: „Ich habe ihn doch gerade gelobt. Da werde ich ihn doch nicht als nächstes gleich wieder aus der Mannschaft nehmen.“ Heißt: Thomik wird, so er fit bleibt, auch am Freitag gegen Augsburg in der Startelf stehen.

Und vielleicht können er und Mosquera dann ja weiter an ihrem gemeinsamen – wenn auch vollkommen unterschiedlichen – Comeback arbeiten. Mosquera wird ebenfalls wieder im Aufgebot stehen, und auch privat scheint es zwischen den beiden zu stimmen: Nach dem Auslaufen am Samstag verließen die beiden das Trainingsgelände in einer Fahrgemeinschaft.