Zweite Bundesliga

Benyamina will Karriere bei Union beenden

Stürmer Karim Benyamina will zurück auf den Platz. Im Interview mit Morgenpost Online spricht er über seinen Werdegang, die bevorstehende Rückrunde und welche Tore für ihn die schönsten sind.

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Den Start in die Rückrunde hat er verpasst. Eine Grippe hatte Karim Benyamina, Stürmer des 1. FC Union, matt gesetzt. Sein kurzfristiges Ziel ist nun die Partie am Sonntag in Fürth.

Morgenpost Online: Wie schwer war es denn, den Teamkollegen gegen Aachen zuschauen zu müssen, Herr Benyamina?

Karim Benyamina: Wenn man nicht mitspielen kann, ist es immer schwer. Aber da wir gewonnen haben, war es zu ertragen.

Morgenpost Online: Ihr Stürmerkollege John Jairo Mosquera hat dabei ein Tor erzielt, ihr Vertreter Halil Savran hat ebenfalls ein gutes Spiel gemacht. Müssen Sie jetzt um ihren Stammplatz fürchten?

Karim Benyamina: Wichtig ist immer, was für die Mannschaft am besten ist. Man muss im Training eben besser sein als der andere, damit der Trainer einen wieder aufstellt. Ich habe ja keine schlechte Hinrunde gespielt und fünf Tore geschossen. Doch ich muss natürlich weiter Gas geben.

Morgenpost Online: Durch die Rückkehr von Santi Kolk ist die Konkurrenz wieder größer geworden. Ansporn oder Belastung?

Karim Benyamina: Das ist sicher ein Ansporn. Konkurrenz macht uns nur noch stärker. Und Santi ist ein guter Fußballer, das hat er auch im Training oft genug bewiesen.

Morgenpost Online: Viele sagen nach diesem guten Start, dass Union keine Probleme haben wird, die Klasse zu halten. Teilen Sie diesen Optimismus?

Karim Benyamina: Ich bin immer dafür, dass man lieber ein wenig tief stapelt und am Ende vielleicht doch einen einstelligen Tabellenplatz hat. Wenn man am Anfang groß redet, dann wird das genaue Gegenteil kommen. Doch mit unserem Potenzial dürften wir eigentlich mit dem Abstieg nichts zu tun haben, erst recht nicht, wenn alle fit sind.

Morgenpost Online: Sie sind seit 2005, seit der Oberligazeit, bei Union. Wie würden Sie die Entwicklung des Klubs seither beschreiben?

Karim Benyamina: Union war schon damals für mich sehr professionell, auch wenn es nur Oberliga war. Schon damals hat man gesehen, dass Union in Berlin nach Hertha BSC der Klub ist, der am professionellsten arbeitet. Heute haben wir ein gutes Trainerteam, ein tolles Stadion, dazu Möglichkeiten wie Videoauswertung.

Morgenpost Online: Sie selbst haben sich in der Zeit von einem guten Oberliga-Spieler zum gestandenen Zweitliga-Spieler entwickelt. Hätten Sie das damals für möglich gehalten?

Karim Benyamina: Viele hatten mir das nicht zugetraut. Es gab viele Spieler, die in der Oberliga zehn Tore geschossen haben und in den Profibereich hochgerutscht sind. Ich habe in der Oberliga drei Jahre hintereinander 18 oder 20 Tore gemacht, hatte aber nicht das Glück, entdeckt zu werden. Ich habe mir das durch die Aufstiege mit Union selber erarbeitet.

Morgenpost Online: Wie groß ist der Anteil vom Trainer daran?

Karim Benyamina: Ob Uwe Neuhaus oder auch Co-Trainer Andre Hofschneider, beide achten sehr auf Kleinigkeiten. Dadurch verbessert man sich natürlich ungemein. Auch die Spieler, die uns immer wieder verstärkt haben in all den Jahren, helfen dabei. Wenn man mit besseren Spielern trainiert, wird man selbst auch besser.

Morgenpost Online: Immerhin so gut, dass Sie für die algerische Nationalmannschaft berufen wurden. Inwiefern hat Ihr Debüt im Herbst gegen Luxemburg Ihrer Karriere weitergeholfen?

Karim Benyamina: Erstmal bin ich immer noch sehr stolz darauf, dass ich für mein Vaterland spielen durfte. Ich habe ja sonst immer nur in Berlin gespielt. Durch die Berufung habe ich andere Menschen und eine andere Spielweise kennen gelernt, auch eine andere Sprache, wir haben sehr viel französisch geredet. Das hilft einem schon weiter.

Morgenpost Online: Gibt es weitere Einsätze für Algerien?

Karim Benyamina: Unser Nationaltrainer will ein schlagkräftiges Team für die Afrika-Cup-Qualifikation zusammenstellen. Wer dabei sein will, soll im Verein richtig Gas geben.

Morgenpost Online: Das werden Sie schon aus einem anderen Grund tun: Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Eine Verlängerung lässt aber noch auf sich warten…

Karim Benyamina: Bis jetzt haben wir noch keine Gespräche geführt. Ich kann auch noch nicht sagen, in welche Richtung es gehen wird.

Morgenpost Online: Wollen Sie denn bleiben? Sie sind mit 29 Jahren im besten Fußballer-Alter, da denkt man doch schon mal über eine neue Herausforderung nach, oder?

Karim Benyamina: Für mich stellt sich da schon die Frage: Willst du noch mal in einer anderen Stadt oder einem anderen Land spielen? Das würde mich schon interessieren. Andererseits könnte ich mir auch vorstellen, für immer Unioner zu sein und meine Karriere hier zu beenden. Das wird sich zum Ende der Rückrunde entscheiden.

Morgenpost Online: Inzwischen haben Sie sich sogar in die Union-Geschichtsbücher gespielt, als bester Torschütze aller Zeiten mit derzeit 85 Treffern. Was bedeutet Ihnen so etwas?

Karim Benyamina: Meine Karriere hat ja vor allem mit Union stattgefunden. Das ist für mich schon ein Traum.

Morgenpost Online: Welches Tor ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Karim Benyamina: Da gab es viele. Die schönsten sind immer die zum 1:0 oder 2:1, am besten noch in der letzten Minute wie in der Hinrunde gegen Oberhausen.