Im Endeffekt stehen die Trainer oft als die Schwachen da. Wenn es läuft, jubeln fast alle über die Spieler. Läuft es nicht, muss der Übungsleiter herhalten und gehen. Auch, wenn es vielleicht gar nicht an ihm liegt.
Immer häufiger sind im deutschen Fußball zuletzt aber gegenläufige Tendenzen zu beobachten gewesen, manche Trainer versuchen, aus dem klassischen Rollenmuster auszubrechen. In Leverkusen wollten sie gern mit Bruno Labbadia weiterarbeiten, er hatte keine Lust und jubelt nun in Hamburg. Felix Magath wurde mit Wolfsburg Meister, sah aber bei Schalke die für ihn interessantere Aufgabe. Und jetzt kommt Peter Neururer. Der ist zwar ganz im Gegensatz zu den beiden anderen gerade kein erfolgreicher Trainer. Aber auch er traut sich was. „Wenn bei meiner Mannschaft die Leistungsbereitschaft nicht stimmt, gehe ich sofort zum Präsidenten und bin weg“, kündigte der Trainer des MSV Duisburg vor dem Zweitligaspiel am Freitag gegen den 1. FC Union an (18 Uhr, Sky live).
Es geht um Leistung
Neururer gibt also den starken Mann. „Ich nehme das Team in die Pflicht. Dabei geht es nicht um Ergebnisse, sondern um Leistung“, sagt er. Einen Sieg gegen die ungeschlagenen Berliner, die mit einem Remis vorläufig wieder die Tabellenspitze übernehmen können, erwartet der Trainer gar nicht von seiner Mannschaft. Er möchte nur, dass sie nicht mehr so ambitionslos auftritt wie bei den drei Niederlagen zuletzt, die den MSV auf Platz 15 haben abstürzen lassen.
Eigentlich sollte Duisburg am anderen Ende des Tableaus erscheinen, die Rheinländer galten als Aufstiegskandidat. „Wegen ihrer individuellen Klasse sicher nicht zu Unrecht“, wie Union-Trainer Uwe Neuhaus sagt. Als Mannschaft arbeitet sein Ensemble derzeit aber fraglos besser zusammen, obwohl die Einzelspieler der Berliner vielleicht nicht immer die Qualität der Duisburger erreichen.
Ganz wohl scheint Neuhaus ob des Schachzugs von Neururer nicht unbedingt zu sein. Zwar will er Sinn oder Unsinn der Aktion nicht bewerten. Aber er sagt: „Es hängt immer ein bisschen Glück oder Pech damit zusammen, wann man auf welchen Gegner trifft.“ An sich treffen die Berliner zu einem günstigen Zeitpunkt auf die Duisburger, sie stecken in einer Krise. Neururers Drohung könnte aber auch als Aufputschmittel wirken. Schon Koblenz, als etablierte Zweitligamannschaft nur 16. der Tabelle, war kurz vor dem Union-Gastspiel zwecks Motivationsförderung andere Wege gegangen. Ein dreitägiges Trainingslager mündete im bis dahin besten Saisonspiel (1:1).
Berliner kennen die Situation
Da die mit viel Selbstvertrauen ausgestatteten Berliner trotzdem mit der Situation umzugehen wussten, müssen sie vor Duisburg bestimmt keine Angst haben. Obwohl die personelle Situation Neuhaus wohl erstmals zu größeren Umstellungen zwingt. Der zuletzt überzeugende Michael Parensen hat muskuläre Probleme und wird im linken Mittelfeld voraussichtlich fehlen. Kenan Sahin, der diese Position bislang auch spielte, fuhr wegen einer Knieverletzung gar nicht erst mit nach Duisburg. Möglich wäre, dass dafür erstmals Björn Brunnemann von Beginn an aufläuft und im rechten Mittelfeld eingesetzt wird.
Angst vor dem Ausgang des Spiels hat sicher auch Neururer nicht. Sein Vorgehen deuten manche nicht nur als letztes Mittel der Motivation, sondern gar als Trick, um den Job loszuwerden. Was Neururer natürlich bestreitet. Aber er macht keinen Hehl daraus, dass ihn der vakante Posten beim Bundesligisten Bochum sehr reizen würde. „Ich bin aber Trainer beim MSV. Ich mache meinen Job hier vom ersten bis zum letzten Tag. Wann der letzte ist, das bestimmt jetzt die Mannschaft“, sagt Neururer. Womöglich tut sie ihm einen Gefallen, wenn sie spielt wie zuletzt.




