Sie kamen kaum mehr aus dem Lachen heraus, weder die Spieler noch die Verantwortlichen des 1. FC Union. Das lag in erster Linie an dem guten Auftritt des Berliner Fußball-Zweitligisten in Aachen, wo die Alemannia mit 4:1 (2:0) bezwungen und die negative Mini-Serie nach zwei Niederlagen bereits wieder beendet wurde. Union liegt mit nun 20 Punkten auf Rang vier, einen Zähler hinter den Aufstiegsplätzen zur Bundesliga.

Doch vor allem jene Begebenheit in der 90. Minute sorgte für Heiterkeit bei den Gästen. Eine Szene, die in keinem Saisonrückblick fehlen sollte. Was war passiert? Kenan Sahin setzte einem langen Flankenball nach, erwischte das Spielgerät jedoch erst rund einen halben Meter hinter der Torauslinie, bevor er es wieder ins Spielfeld bugsierte. Der Union-Stürmer drehte bereits ab, als er bemerkte, dass Schiedsrichter Robert Hartmann (Augsburg) weiterspielen ließ. Sein Assistent Matthias Zacher muss schon mit der Partie abgeschlossen haben, anders lässt sich kaum erklären, warum er nicht korrekterweise auf Abstoß entschied.

Doch damit nicht genug: Während Aachens Torwart Thorsten Stuckmann sich schon neben seinem Kasten um einen neuen Ball bemühte, flankte Sahin weit über den entsetzten Alemannia-Schlussmann hinweg an den rechten Pfosten, wo John Jairo Mosquera dankend einköpfte – es war der kuriose Schlusspunkt unter ein durchaus gelungenes Union-Gastspiel im neuen Aachener Tivoli.

Dass der Treffer keine Auswirkungen mehr auf den Spielausgang hatte, lag an einer Union-Mannschaft, die vor 26.050 Zuschauern gezeigt hat, dass sie die Niederlagen in Duisburg und gegen Fürth weggesteckt hat. „Wir haben wieder richtig gut Fußball gespielt“, bescheinigte Coach Neuhaus seinen Mannen eine gute Leistung.

Vielleicht waren es auch seine Änderungen in der Startelf, die den Aufsteiger gegen völlig verunsicherte Aachener aufgerüttelt haben. Bernd Rauw ersetzte in der Viererabwehrkette Michael Bemben auf der rechten Seite. Auch Marco Gebhardt bekam eine Pause verordnet, Michael Parensen ersetzte den Kapitän im linken Mittelfeld. „Wichtig ist, dass jeder Zweikampf wieder konzentriert angegangen wird“, hatte Unions Sportdirektor Christian Beeck gefordert. Und die Spieler taten wie ihnen geheißen.

Schnell wurde deutlich, dass der erste Fehler dem Spiel bereits die entscheidende Wendung geben würde – zur Freude der Berliner. 34 Minuten waren vorbei, als Torwart Stuckmann nach einem Rückpass zum Dribbling ansetzte, statt den Ball einfach nur wegzuschlagen. Mosquera setzte nach, der Ball kommt zu Karim Benyamina, der spielte überlegt auf Torsten Mattuschka zurück – der Ball schlug oben links ein, 1:0 für Union.

Auch den zweiten Treffer begünstigten die Hausherren. Nach Steilpass von Ersatzkapitän Macchambes Younga-Mouhani, der wegen Meckerns die fünfte Gelbe Karte sah und damit am Freitag gegen den FSV Frankfurt gesperrt ist, ist Mosquera auf und davon, weil Aachens Rechtsverteidiger Aimen Demai das Abseits aufhebt. Der Kolumbianer spielt Stuckmann aus und erhöht auf 2:0 (44.).

„Dass man in Aachen auch mal eine Druckphase überstehen muss, ist völlig normal“, beschrieb Neuhaus den Beginn der zweiten Halbzeit. Mehr als der Anschlusstreffer sprang jedoch nicht heraus: Demais Pass aus 18 Metern ging nicht nur am Adressaten Szilard Nemeth, sondern auch ungehindert an Jan Glinker vorbei ins Tor (65.) – der Union-Keeper hatte vergeblich mit einer Richtungsänderung des Balles durch Nemeth gerechnet. Doch Verteidiger Christian Stuff sorgte mit einem Kopfball (78.) dafür, dass Trainer Neuhaus am Ende von einem „verdienten und überzeugenden Sieg“ sprechen konnte.

BMO