Die Hiobsbotschaft hat die Freude auf das Spitzenspiel ohne Zweifel getrübt. Ohne John Jairo Mosquera, seinen bislang erfolgreichsten Torschützen (sechs Treffer), muss der 1. FC Union Montagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern antreten (20.15 Uhr, Alte Försterei, DSF live). Den Kolumbianer setzt eine Stauchung des rechten Knies matt, erlitten im Training. Wie schon beim 2:3 in Karlsruhe vor zwei Wochen muss der Aufsteiger ohne seinen Top-Stürmer auskommen, für ihn wird Kenan Sahin erneut den Platz neben Karim Benyamina einnehmen.
Abgesehen davon fiebert man jedoch in Köpenick dem Duell des Tabellenfünften gegen den Ligazweiten fast schon ungeduldig entgegen. „Wir wollten solche Spiele haben. Das ist mit ein Grund, warum wir aufgestiegen sind“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. Erst recht, wenn die Besucher-Bestmarke mit 19.000 Zuschauern erwartet wird. Bis Sonntagnachmittag waren schon knapp 17.500 Tickets weg, genauso viel wie insgesamt beim bestehenden Zuschauerrekord, aufgestellt Ende August im Heimspiel gegen Hansa Rostock. Da sich auch knapp 2000 Lauterer Anhänger mit eigener Choreographie angekündigt haben, wird die Alte Försterei wieder einmal in dieser Saison zum Hexenkessel.
Es soll der Startschuss sein für die Festwochen, die Union bis Weihnachten erleben will. FC St. Pauli (29. November), das Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus vor vermutlich erneut ausverkaufter heimischer Kulisse (4.?Dezember), Arminia Bielefeld (13. Dezember) und zum Hinrunden-Abschluss 1860 München (20. Dezember) – ein Highlight jagt das nächste.
Die Partien gegen die „großen Fünf“ werden auch zeigen, wie es um die Qualität der Köpenicker Kicker tatsächlich bestellt ist. Gelingt am Montag heute ein Erfolg, bleibt Union nicht nur an den Aufstiegsplätzen dran, sondern wird genug Selbstvertrauen gewinnen. Also tut der Trainer das, was er gemeinhin immer in einer solchen Situation tut, wenn die Hoffnungen zu groß zu werden scheinen – und versucht, Druck von seiner Mannschaft zu nehmen. „Die großen Fünf gibt es für mich nicht“, sagt Neuhaus.
Die Defensivabteilung im Fokus
Union gegen Kaiserslautern, ein Spiel wie jedes andere auch? Mitnichten. „Kaiserslautern ist sehr kampfstark, geht immer an die Grenze. Außerdem haben sie bereits neun verschiedene Torschützen, darunter die beiden Innenverteidiger. Das zeigt, wie gefährlich sie bei Standardsituationen sind“, erklärt Neuhaus. Und warnt seine Kicker: „Fahrlässigkeiten wie zuletzt in Karlsruhe dürfen wir uns nicht wieder erlauben.“ Die Lauterer seien mit das Beste, was die Liga zu bieten hat.
Union gegen Kaiserslautern – vor allem die Defensivabteilung der Unioner wird dabei im Fokus stehen. Immerhin 16 Mal in zwölf Spielen musste Union-Keeper Jan Glinker, dessen Einsatz trotz Rücken- und Oberschenkel-Problemen in der vergangenen Woche nicht gefährdet ist, bereits hinter sich greifen. Zu oft für die eigenen Ansprüche, Aufsteiger hin oder her. Die Ankündigung des Trainers, sich in der Winterpause intensiv nach einem weiteren Torwart sowie einem Innenverteidiger umsehen zu wollen, setzt die Etablierten – neben Glinker Christian Stuff und Daniel Göhlert – zusätzlich unter Druck. Geld für Verstärkungen im Winter ist jedenfalls vorhanden, das hatte Klubchef Dirk Zingler auf der Mitgliederversammlung Mitte des Monats verkündet. Somit wird jede Aktion von der sportlichen Leitung noch genauer, noch kritischer beäugt werden als bislang.
Die Unioner jedenfalls scheinen gerüstet für die erhofften Festwochen. „Es wird ein volles Haus und viele Zuschauer im Fernsehen geben. Das wird ein geiles Spiel“, freut sich Sahin auf das erste Aufeinandertreffen mit den Pfälzern in der Union-Geschichte. Mittelfeldspieler Hüzeyfe Dogan fügt hinzu: „Wir wollen uns oben festbeißen. Dafür müssen wir alles geben und gegen Kaiserslautern gewinnen.“
So wurden die vergangenen beiden Wochen während der Länderspielpause intensiv genutzt, um vor allem im konditionellen Bereich zu arbeiten. Damit Union im Jahresendspurt nicht die Puste ausgeht. Und weil es durch die verkürzte Winterpause – die Rückrunde beginnt schon am 15. Januar 2010 mit dem Spiel gegen Oberhausen – nur wenig Zeit zur Vorbereitung auf die zweite Halbserie gibt. Die Voraussetzungen, um erfolgreich in die Festwochen zu starten, sind also gegeben. Wenn da nicht diese Hiobsbotschaft um Mosquera wäre.




