Die Anstrengung war den Spielern ins Gesicht geschrieben. In den Pausen sackten die Stars des 1. FC Union hinter dem Tor zusammen, einige nutzten die freie Zeit für kleinere Dehnübungen. Wo sonst Witze gerissen werden oder kleine Wettbewerbe im Ballhochhalten stattfinden, herrschte am Dienstag erschöpftes Schweigen.
Mehr als eine Stunde lang ließ Trainer Uwe Neuhaus seine Mannschaft verteilt auf mehrere Teams im intensiven Spiel fünf gegen fünf auf halbem Feld antreten. Von einem Straftraining wollte er natürlich nichts wissen. Offensichtlich aber ist: Neuhaus hat die Zügel nach der Pleite gegen Fürth (1:2) angezogen, was sich auch daran ablesen ließ, dass seine Spieler auf dem Platz vor allem verbal etwas ruppiger als gewohnt zu Werke gingen.
"Die Spieler wissen doch, was los ist. Der gesamte Kader ist gesund, und beim Spiel fünf gegen fünf hast du ständig einen auf den Füßen stehen. Da muss man sich geradezu anbieten“, sagt Neuhaus, der – ohne Namen zu nennen – betonte: „Heute haben mir einige Spieler besonders gut gefallen.“ Seine etablierte Elf kann das nur als Kampfansage betrachten, zumal Neuhaus kürzlich Änderungen angekündigt hatte und am Dienstag noch nachlegte: „Ich hätte mich auch gewundert, wenn hier heute einer lächelnd vom Platz gegangen wäre.“ Und so brachte es Kapitän Torsten Mattuschka dann auch auf den Punkt: „Die Spieler, die bisher hinten dran waren, wittern wieder Luft.“
Er beobachtete am Dienstag nicht nur einen starken Verteidiger Paul Thomik, der bisher nur in der zweiten Mannschaft spielte. Besonders auffällig war auch das Auftreten von Michael Parensen, der nach seiner langwierigen Knieverletzung immer mehr den Anschluss an die Mannschaft findet. Am Dienstag gab er lautstarke Anweisungen und glänzte mit präzisen Pässen. Ob der Trainer ihn schon im Testspiel gegen den SV Babelsberg am Freitag (14 Uhr) aufstellen kann, ist allerdings fraglich. Laut Neuhaus habe Parensen beim Laktattest am Montag noch kleinere muskuläre Probleme gehabt, der Trainer will deshalb spontan entscheiden. „Wir werden nichts überstürzen“, sagt er, betont aber auch, dass Parensen auch ohne Test kommende Woche in Paderborn zum Kader gehören könnte. Bis dahin wartet auf den 24-Jährigen allerdings noch viel Arbeit: Auch am Mittwoch lädt Neuhaus wieder zweimal zum Training, um 9.30 Uhr und um 15 Uhr.
mkl



