Man versuchte, gute Laune zum wichtigen Spiel zu machen. Also blickte Christian Beeck auf die Frage, ob der 1. FC Union bis zum Ende der Transferperiode am 31. August auf dem Spielermarkt noch einmal tätig werden würde, sogleich zu Uwe Neuhaus hinüber: „Weißt du irgendwas?“ Der Konter des Trainers folgte prompt: „Sie haben alle dich angeschaut.“ Am Ende des kurzen Dialogs stand die Gewissheit: Union wird den Kader nicht mehr verändern, zumindest nicht „bis zur nächsten Transferperiode“, erklärte Beeck. Das bedeutet im Umkehrschluss: Der Berliner Fußball-Zweitligist setzt auf die Spieler, die mit einem erkämpften 2:2 in Aachen in die Saison gestartet sind. Und die am Sonnabend gegen die SpVgg Greuther Fürth (13 Uhr, Alte Försterei) den ersten Sieg einfahren sollen.
Einer der wichtigsten Bausteine ist dabei Torsten Mattuschka. Wie wichtig der Mittelfeldspieler für die Mannschaft ist, zeigt sich immer erst dann, wenn er einmal nicht dabei ist. Und zum Leidwesen der sportlichen Leitung könnte eine Partie ohne Mattuschka früher kommen als befürchtet. Denn der Kapitän kämpft um seinen Einsatz vor dem Publikum, das gerade ihn feiert wie bislang noch keinen Spieler an der Alten Försterei.
Derzeit werden jedenfalls alle Beteiligten nicht müde, Optimismus zu verbreiten. „Mattuschka hat am Mittwoch nicht mittrainieren können. Doch nach einer ruhigen Nacht scheint es etwas besser geworden zu sein“, erklärte Neuhaus. Den 29-Jährigen plagt eine Erkältung. Immerhin so schwer, dass er auch am Donnerstag nicht das volle Programm absolvieren konnte. Während seine Mitspieler das Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt übten, ging es für Mattuschka in den Wald. Entspanntes Laufen statt Spielformen mit der Mannschaft. Danach gab sich Mattuschka wortkarg: „Das wird schon wieder, ich bin nur etwas verschnupft.“ Und verschwand in der Kabine.
Bereits mehr als 6500 Karten verkauft
Sollte der Kapitän gegen Fürth wirklich passen müssen, wird dem Spiel der Köpenicker eine wichtige Komponente fehlen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Zuschauer gleich beim ersten Heimauftritt ihren „besten Mann“ vermissen würden. Immerhin sind bereits mehr als 6500 Tickets im Vorverkauf an den Fan gebracht worden, eine für Union-Verhältnisse gute Zahl. Man rechnet mit mindestens 12.000 Zuschauern.
Fakt ist: Alle werden kommen, um nach dreieinhalb Wochen ihren 1. FC Union endlich wieder siegen zu sehen. Der letzte Erfolg datiert vom 4. August: ein 2:0 im Testspiel gegen Sachsen Leipzig, einen Oberligisten. Danach folgten ein offenbarendes 1:4 gegen Bundesligist Mönchengladbach, ein enttäuschendes 0:1 im DFB-Pokal gegen Halle und eben das erkämpfte 2:2 von Aachen. Gelingt auch gegen Fürth kein Sieg, geht Union mit maximal zwei Zählern in die zweiwöchige Länderspielpause. Dies soll am Sonnabend mit aller Macht verhindert werden.
Doch das ist leichter gesagt als getan. Das 4:1 der Fürther zum Auftakt gegen Karlsruhe „sollte uns Warnung genug sein“, sagte Neuhaus, der die Heimspiele als Basis für eine gute Saison verstanden wissen will. Dafür muss seine Mannschaft allerdings mehr tun, als nur auf die Kampfesmoral zu setzen. Erst recht gegen technisch beschlagene Gegner. „Die Fürther haben schon in der vergangenen Saison bewiesen, dass sie Fußball spielen können“, erinnert Teammanager Beeck an den bislang letzten Auftritt der Mittelfranken – wobei das 1:2 aus Union-Sicht die spielerische Überlegenheit der Gäste kaum widerspiegelte. „Wir müssen unsere Fehler im Aufbauspiel minimieren, ganz werden die sich sicher nicht vermeiden lassen. Und wir dürfen nicht in Konter laufen“, fordert der Trainer. Mit einem gesunden Torsten Mattuschka wird dies ohne Zweifel besser gelingen.



