Die Erschöpfung ist ihm ins Gesicht geschrieben. So viele volle Trainingseinheiten hat Michael Parensen in dieser Saison ja auch noch nicht mitgemacht. Viel wichtiger ist: Man sieht dem Mittelfeldspieler des 1. FC Union wieder lachen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es voran geht bei Parensen. „Ich fühle mich gut“, sagt der 24-Jährige denn auch. Das hat er in den vergangenen fünf Monaten wahrlich nicht von sich behaupten können.
Vergangenen Donnerstag konnte Parensen nach seiner Knieverletzung erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. Endlich. Seit Anfang der Woche ist er wieder regelmäßig dabei, wenn Uwe Neuhaus die Seinen zur Übungseinheit bittet. Nur Dienstagvormittag, als der Trainer ungewöhnlicher Weise in der Halle und auf stumpfem Boden Kraft und Schnelligkeit trainieren ließ, setzte Parensen zur Sicherheit noch einmal aus. Nachmittags war er dann auf Rasen aber wieder dabei.
Parensen rennt, macht so gut wie jede Bewegung mit, scheut keinen Zweikampf – und doch ist ihm die Vorsicht in allen Aktionen anzusehen. Bloß keine falsche Bewegung jetzt. Bloß nicht gleich wieder eine Verletzung, die ihn wochenlang außer Gefecht setzt. „Mein Bewegungsablauf ist schon wieder flüssig. Ab und zu fehlt mir natürlich noch das Timing“, sagt Parensen. Und: „Ab und zu ist da schon noch ein leichtes Zwicken.“ Das erinnert ihn an eine Zeit, die er am liebsten so schnell wie möglich vergessen möchte. Es war an einem Sonntag, als Parensen den bislang größten Einschnitt in seiner sportlichen Karriere hinnehmen musste. An jenem 21. März 2010 gastierte die Alemannia aus Aachen im Stadion an der Alten Försterei, ein typisches Zweitliga-Spiel mitten in der Rückrunde. Ein typischer Zweikampf, wie er Hunderte Male in einer Saison vorkommt. Nur, dass diesmal Parensens Knie nicht mitspielt. Teilanriss des Innenbandes im linken Knie, Meniskusverletzung – das Spieljahr 2009/10 ist für den gebürtigen Westfalen zu Ende. Und der Leidensweg begann.
Beim Trainingsstart Mitte Juli wollte Parensen wieder dabei sein. Es gelang nicht. Noch einmal musste er sich einer Arthroskopie unterziehen. Die gute Nachricht: Meniskus und Bänder waren in Ordnung. Die schlechte: Er kam einfach nicht in Schwung, er musste weiter zur Reha. Seine Ziel, damals wie heute: „Ich will so schnell wie möglich spielen.“
Die Rückendeckung des Trainers ist es, die ihn noch fester ans Comeback glauben lässt. „Wenn ich topfit bin und meine Leistung bringe, weiß ich, dass der Trainer auf mich setzt.“ Und das tut er in der Tat. Kein Tag verging, an dem Uwe Neuhaus nicht die Wichtigkeit des Kickers für das Spiel seiner Mannschaft unterstrich. „Er ist eine ganz feste Größe“, sagte er stets mit Nachdruck. Für einen gesunden Parensen gibt es im Mittelfeld keine Alternative. Seine Laufstärke ist sein großes Plus, mit ihm würde das Union-Spiel auf der linken Außenbahn jenen Schwung erhalten, den sich Neuhaus in seinem Ein-Stürmer-System wünscht.
Doch so weit ist es längst noch nicht. Zunächst geht es nur darum, dass Parensen überhaupt wieder einmal Zweitliga-Luft schnuppern kann.
„An die Partie gegen Fürth brauchen wir noch gar nicht zu denken“, sagt Neuhaus. Doch vielleicht klappt es zwei Wochen später, wenn Union nach der Länderspielpause beim SC Paderborn antreten muss, dass Parensen gegen seinen ehemaligen Klub zumindest wieder im Kader steht. Oder spätestens zum Derby am vierten Spieltag gegen Hertha BSC? „Klar wäre das schön. Doch das setzte ich mir nicht zum Ziel. Ich habe mir in den vergangenen Monaten genügend Ziele gesetzt, und immer gab es einen Rückschlag“, erklärt er: „Ich bin einfach nur froh über jede Trainingseinheit.“




