Mit seinen 36 Jahren spielt Macchambes Younga-Mouhani schon seine vierte Saison beim 1. FC Union. Der defensive Mittelfeldstratege hat sich erneut einen Stammplatz erkämpft. Vor dem Spiel gegen Greuther Fürth am Samstag (13 Uhr) erzählt er aber von ernsten Themen aus seiner früheren Heimat Kongo und sportpolitischen Problemen.

Morgenpost Online: Herr Younga-Mouhani, waren Sie überrascht, dass Sie sich so deutlich gegen Dominic Peitz durchgesetzt haben?

Macchambes Younga-Mouhani: Was soll das heißen, überrascht? Ich habe doch meine Leistung gezeigt. Aber es geht doch nicht um mich und Dominic und wer sich da durchsetzt. Es geht nur um das Beste für die Mannschaft, und für die wird auch Dominic noch ganz wichtig sein.

Morgenpost Online: Ist die Mannschaft gefestigter als noch vor einem Jahr?

Younga-Mouhani: Wir haben nicht so viele neue Spieler geholt, das heißt, das Team kennt sich sehr gut. Aber im vergangenen Jahr haben wir noch sehr von der Aufstiegsstimmung gelebt. Jetzt müssen wir sagen: Diese Stimmung muss bleiben. Die Begeisterung für das große Ganze ist enorm wichtig.

Morgenpost Online: Sie sind mit 36 Jahren der älteste Spieler bei Union. Müssen Sie inzwischen mehr auf Ihren Körper achten?

Younga-Mouhani: Ja, natürlich. Wenn du älter wirst, merkst du einfach sofort, wie der Körper reagiert. Du weiß, was du machen kannst, um zu regenerieren. Als ich jung war, bin ich gelaufen und habe danach gesagt: Okay, morgen kommt das nächste Training. Jetzt denke ich mehr darüber nach, was ich tun muss, um am nächsten Tag wieder fit zu sein.

Morgenpost Online: Jetzt steht erst einmal die neue Saison an. Machen Sie sich dennoch schon Gedanken um die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere?

Younga-Mouhani: Na klar, das macht wohl jeder Spieler. Das ist immer eine große Frage. Mir macht der Fußball Spaß, und diesen Weg möchte ich weiter gehen. Vielleicht als Trainer, vielleicht als Manager, ich kann mir alles im Fußball vorstellen, das Spaß macht.

Morgenpost Online: Ihre Familie lebt seit vielen Jahren in Düren. Können Sie sich vorstellen, zurück in Ihre alte Heimat Kongo zu gehen?

Younga-Mouhani: Das dürfte schwierig werden. Ich habe Kinder, die hier in der europäischen Kultur aufgewachsen sind. Sie zurückzulassen kommt für mich ja gar nicht in Frage. Aber es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten. Ich kann mir schon vorstellen, wenn es hier kalt ist, für ein paar Monate nach Afrika zu fahren. Wenn du älter wirst, kannst du es dir nicht leisten, ständig erkältet zu sein (lacht).

Morgenpost Online: Beruflich stünden Ihnen vermutlich viele Türen offen…

Younga-Mouhani: …ja, das machen viele so. Sie nehmen das Wissen mit, das sie hier erworben haben. Aber ich denke, dass kommt für mich nicht infrage. Ich möchte lieber etwas anderes für mein Land tun, nämlich in der Nachwuchsarbeit. Ich könnte mir gut vorstellen, junge Talente hier nach Europa zu bringen, vielleicht als Scout eines großen Vereins. Und ich möchte gerne im Kongo eine Fußballschule aufbauen.

Morgenpost Online: Im Kongo sind Sie berühmt, Sie könnten vielleicht sogar Nationaltrainer werden...

Younga-Mouhani: …(lacht) Nein nein, auf keinen Fall. Eher wäre mein Traum, hier in Deutschland zu trainieren und Deutscher Meister zu werden. Dafür muss ich aber erst mal den Trainerschein machen.

Morgenpost Online: Sind Sie im Bezug auf den Kongo auch deshalb so zurückhaltend, weil die politischen Verhältnisse nicht ganz einfach sind?

Younga-Mouhani: Oh, verwechseln Sie nicht die Republik Kongo, aus der ich stamme, mit der Demokratischen Republik Kongo. Mit den Rebellen, was man immer wieder hört, haben wir zum Glück keine Probleme.

Morgenpost Online: Aber auch in ihrem Land tobte bis vor wenigen Jahren ein Krieg.

Younga-Mouhani: Das stimmt, aber seit dem Jahr 2000 haben wir zum Glück Ruhe. Die schlimmste Zeit begann kurz nachdem ich 1993 nach Deutschland kam.

Morgenpost Online: Wie haben Sie diese Phase erlebt?

Younga-Mouhani: Es war schon eine schwierige Zeit, meine Geschwister lebten damals wie heute im Kongo. Ich habe versucht, mir über den Sport eine gewisse Ruhe zu holen. Das war aber nicht ganz leicht, denn zu der Zeit haben wir mit dem Kongo in der afrikanischen Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1998 gespielt. Während wir uns im Land aufhielten, war der Krieg immerhin weitgehend ausgesetzt. Zumindest bis zum allerletzten Spiel.

Morgenpost Online: Was passierte dann?

Younga-Mouhani: Wir hätten nur Unentschieden in Südafrika spielen müssen, dann wären wir zur WM gefahren. Zur Vorbereitung hielten wir uns schon in Südafrika auf, da begann in der Nacht vor dem Spiel der Krieg wieder, und zwar in einem Gebiet, in dem mehrere Spieler von uns zu Hause waren. Nachts hatten wir keine Ruhe, haben uns nur Sorgen gemacht. So haben wir das Spiel am nächsten Tag dann verloren.

Morgenpost Online: Bei der WM 2010 waren viele Mannschaften aus Afrika am Start, aber sie waren nur mäßig erfolgreich. Warum?

Younga-Mouhani: Es gibt zu viele Amateure in Afrika, vor allem in entscheidenden Positionen. Von oben bis unten, vom Ministerium bis hin zum Spieler, fehlt es an professioneller Einstellung. Die Qualität der Spieler ist da, aber der Wille fehlt.

Morgenpost Online: Dann wäre es doch an Leuten wie Ihnen, das zu ändern.

Younga-Mouhani: Du musst das System von oben ändern. Wenn Spieler aus Europa zurückkehren, heißt es schnell: Du bist arrogant, oder deine Ideen kosten zu viel Geld. Dabei ist das Geld ja da. Solange du aber einen Minister hast, der nichts von Sport versteht, aber geholt wird, weil sein Onkel der Präsident des Landes ist, hast du ein Problem. Wenn sich diese Kultur einmal ändert, können wir auch etwas bewegen.