Unaufhörlich prasselte der Regen auf das Stadion an der Alten Försterei. Als wollte er die letzten Zweifel darüber wegwaschen, dass der 1. FC Union seine Erfolgserie in der Zweiten Liga würde fortsetzen können. Doch nach dem Abpfiff war es Realität. Union gewinnt das hart umkämpfte Ost-Derby gegen Hansa Rostock mit 1:0 (1:0), feiert den dritten Sieg im dritten Spiel, bleibt auch nach 270 Minuten ohne Gegentor – und ist wieder Tabellenführer, zumindest bis heute zum Sonnabendnachmittag.

So ganz glauben mochte Uwe Neuhaus den Coup jedoch noch nicht. Der Union-Trainer sprach von einer Überraschung, wieder an der Spitze zu stehen. Auch davon, dass es vermessen gewesen wäre, „wenn wir vor der Saison gesagt hätten, dass wir nach drei Spielen neun Punkte haben“. Ein wenig darauf gehofft hat man in der Wuhlheide dennoch. „Gewettet hätte ich darauf nicht, aber geträumt habe ich davon“, sagte Verteidiger Patrick Kohlmann.

Wer sich am Freitag auf den Weg nach Köpenick gemacht hatte, musste sich zunächst durch das Verkehrschaos kämpfen. Auf der Straße An der Wuhlheide ging schon gut zwei Kilometer vor dem Stadion nichts mehr. Die Polizei hatte die Alte Försterei abgeriegelt. Vor dem Stadion hatten Berliner Polizei und Bundespolizei die Lage im Griff, auch eine halbe Stunde vor dem Anpfiff um 18 Uhr, als der Tross der rund 1500 per Sonderzug angereisten Hansa-Fans den Weg durch die Köpenicker Altstadt hinter sich hatte. Der Polizeihubschrauber war ständiger Begleiter.

Als gut 300 Meter vor dem Stadion die Tickets der Rostocker überprüft werden sollten, um die strikte Fantrennung zu gewährleisten, kam der Tross zum stehen. Per Sitzblockade wurde gefordert: „Alle oder keiner“. Nachdem einigen Anhängern der Zugang zum Stadion verwehrt worden war, warfen Unverbesserliche mit Steinen auf die Beamten, es gab mehrere Festnahmen. Doch die Einsatzkräfte beruhigten die Lage schnell wieder. Selbst eine Gruppe von rund 50 Rostockern, die verdächtig ums Stadion schlenderten, wurde von den Einsatzkräften frühzeitig entdeckt und ständig begleitet. Rund 1000 Polizeibeamte und über 300 Ordnungskräfte waren im Einsatz.

Auf dem Rasen ging es hitziger zu. „Es war über 90 Minuten eine von beiden Mannschaften leidenschaftlich geführte Partie“, bilanzierte Hansa-Coach Andreas Zachhuber. So sahen die 17.500 Zuschauer – wegen der Sicherheitsbedingungen blieben die Sitzplätze neben dem Gästeblock leer – eine Union-Elf, die 20 Minuten benötigte, um mit der Raumaufteilung der Rostocker klar zu kommen. „Auch dass Hansa so früh attackiert hat, kam ein wenig unerwartet“, sagte Neuhaus. Doch Union-Torwart Jan Glinker musste nur bei einem Schuss von Hansa-Kapitän Martin Retov eingreifen (4.).

Nach knapp einer halben Stunde war Union besser im Spiel. John Jairo Mosquera versucht es aus 20 Metern (27.), Hüzeyfe Dogan köpft nur an den Pfosten (29.), Torsten Mattuschka verzieht aus 18 Metern (32.). Dann die 33. Minute: Flanke von Mattuschka, Dogan verlängert auf Karim Benyamina, erneut steht der Pfosten im Weg. Beim Abpraller schaltet Mosquera am schnellsten und stochert den Ball zum 1:0 ins Netz. Dogan stand auf der Torlinie nur im passiven Abseits.

Trainer Neuhaus hatte zum dritten Mal der gleichen Startformation vertraut. Und die enttäuschte ihn auch nach dem Wechsel nicht. „Wir wussten, dass das Spiel heiß umkämpft sein wird. Das haben wir angenommen“, sagte Neuhaus. Hansa drängte zwar auf den Ausgleich, doch Glinkers Glanzparade bei einem Retov-Kopfball (55.), der Pfosten bei einem Schuss von Bastian Oczipka (80.) und Fin Bartels Ungenauigkeit beim Abschluss (89.) verhinderten das erste Gegentor der Saison.

„Wenn wir unsere Konter besser abgeschlossen hätten, hätten wir viel früher alles klar machen können“, trauerte Kohlmann den vergebenen Chancen durch Benyamina (60.) und Mosquera (88. Minute) nach. „Wir haben den Sieg mit zittrigen Knien über die Zeit gerettet“, sagte Trainer Neuhaus. So waren es am Ende nur die Rostocker, die im Regen standen.