Handarbeit war am Donnerstag angesagt beim 1. FC Union. Hantelstemmen und Liegestütze statt Training mit dem Ball – Uwe Neuhaus, Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, ließ seine Spieler nach dem mageren Auftritt gegen den Köpenicker SC (4:1) mächtig schwitzen. Anschließend gab es noch einen Waldlauf zum Regenerieren. Und um darüber nachzudenken, warum das zweite Testspiel kaum zufriedenstellend verlaufen war.
Schon jetzt, nach nicht einmal zwei Wochen der Vorbereitung auf die Saison 2010/11, stehen die Profis komplett auf dem Prüfstand. So sah man Neuhaus am Donnerstag zunächst mit Torsten Mattuschka, später auch mit John Jairo Mosquera und Jerome Polenz über das Trainingsgelände spazieren, vertieft in Einzelgespräche. Es wurde nach Erklärungen gesucht, warum seine Spieler gegen den Sechstligisten so „arrogant“ auftraten, dass die Vorstellung „mit Profifußball nichts zu tun“ hatte, so Neuhaus. Die Spieler müssten begreifen, „dass ihr Auftreten Folgen hat“.
Vor allem über die körperliche Verfassung sei gesprochen worden. Man hätte eine gewisse Müdigkeit ausgemacht, weshalb es auch am Donnerstagnachmittag frei gab. „Es bringt nichts, die Spieler jetzt noch härter ranzunehmen, sonst wird das nächste Testspiel ja noch schlechter“, sagte Neuhaus. Am Sonntag kommt der spanische Spitzenklub Deportivo La Coruna in die Alte Försterei (14 Uhr).
Das Erstaunliche daran ist: Gleich 16 Verträge laufen am Saisonende aus. Und nicht alle haben so aussichtsreiche Perspektiven wie zum Beispiel Towart Jan Glinker, Torsten Mattuschka, Dominic Peitz oder Karim Benyamina. Es sind vor allem Spieler wie Kenan Sahin oder Björn Brunnemann, die kämpfen müssen, endlich einen Platz in der Startformation zu sichern. Gleiches gilt auch für Chinedu Ede. Dessen Vertrag läuft zwar noch bis 2012, doch auch der ehemalige Herthaner muss sich sehr steigern, wenn er zum Anpfiff nicht vermehrt auf der Bank Platz nehmen möchte.
„Für mich ist wichtig, endlich fit zu werden und verletzungsfrei zu bleiben“ sagt Brunnemann. Der Mittelfeldspieler, 2009 vom FC St. Pauli in die Wuhlheide gewechselt, kam nie richtig in Tritt. Sogar der Trainer bezeichnet „Brunne“ als „neuen Spieler“. Doch er fordert auch: „Er muss endlich konstant gute Leistungen bringen, und dazu muss er fit sein.“ Und die Konkurrenz ist nicht kleiner geworden. Durch die Verpflichtung von Santi Kolk wird Torsten Mattuschka wohl auf die rechte Außenbahn rutschen – dort, wo auch Brunnemann noch einmal angreifen will. „Das ist doch gut, Konkurrenz belebt das Geschäft. Wichtig ist nur, dass wir als Team auftreten“, sagte Brunnemann. Mit ihm in der Anfangself natürlich.
Mehr als 3000 Dauerkarten verkauft
Dort möchte auch Kenan Sahin wieder hin. Zuletzt war er erster Anwärter, um auf der linken Seite einzuspringen, ob im Mittelfeld oder im Angriff, seiner eigentlichen Position. Doch dort hat er Benyamina und Mosquera vor sich, weshalb er bereits wissen ließ, im Mittelfeld angreifen zu wollen. Schon in der Vorsaison machte er mit „meinem starken rechten Fuß“ (Sahin) auf sich aufmerksam, als er mit einem Haken nach innen zog und ins Tor traf. Ob er gegen La Coruna Pluspunkte wird sammeln können, muss sich erst noch zeigen. Am Donnerstag fehlte Sahin jedenfalls wegen muskulärer Probleme beim Training und musste sich behandeln lassen.
Zumindest den Fans wäre es zu wünschen, dass die Unioner gegen die Spanier eine bessere Leistung zeigen als zuletzt. Allein das Vertrauen des Anhangs in eine gute Spielzeit sollte Ansporn genug sein: Seit Donnerstag sind mehr als 3000 Dauerkarten verkauft. So viel Zulauf hatte Union noch nie.



