Dass er besonders motiviert war, zeigte Santi Kolk schon, bevor der Ball wieder rollte. Als erster Spieler des 1. FC Union betrat der Niederländer nach der Pause das Feld, lange bevor seine Kollegen wieder aus der Kabine kamen. Auf dem Platz wartete der gerade eingewechselte Spielmacher auf seine neue Mannschaft und klatschte in die Hände – er brannte förmlich auf seinen ersten Einsatz im Union-Trikot an der Alten Försterei.

Nach Abpfiff war es dann wieder der 28-Jährige, der im Mittelpunkt stand. Mit dem Schlusspfiff hatte er den Ball wunderschön zum Ausgleich in den Winkel gezirkelt und seiner Mannschaft ein verdientes 3:3 (0:2) gegen den ehemaligen spanischen Meister Deportivo La Coruna gesichert. „Ich hatte zwei schwere erste Wochen bei Union“, gestand Kolk nach der Partie vor 7475 Zuschauern, die in einer Schweigeminute vor Spielbeginn den Opfern der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg gedacht hatten.

Kolk ließ sich in seiner Konzentration nicht stören – was auch am Spielverlauf lag. 0:3 lag die Mannschaft von Uwe Neuhaus durch Tore von Michel Herrero (37.), Riki Sanchez (40.) und Yves Desmarets (51.) bereits zurück. „Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich gesagt: Das muss ich jetzt auf meine Kappe nehmen“, sagte der Trainer nach dem Spiel angesichts des harten Trainings der vergangenen Wochen. Weil aber Björn Brunnemann (69.) mit einem perfekten Fernschuss in den Winkel, Torsten Mattuschka (85.) mit einem direkt verwandelten Freistoß und eben Kolk dann doch noch trafen, blieb ihm das erspart.

Stattdessen sagte Neuhaus: „Für die letzten 30 Minuten fehlt mir eine Erklärung. Aber ein verloren geglaubtes Spiel zu drehen, gibt uns die Kraft, an uns selber zu glauben“. Die Moral, das ist seit gestern also sicher, stimmt schon jetzt in der Mannschaft. Denn während sich die Spanier auf ihrer vermeintlich sicheren Führung ausruhten und in der zweiten Hälfte nur noch über gelegentliche Konter vor dem Tor des souveränen Jan Glinker auftauchten, spielte Union unbeirrt weiter nach vorne. Vor allem die rechte Seite mit Zugang Jerome Polenz in der Viererkette und Christopher Quiring agierte mit schnellen Vorstößen gefährlich.

Die Frage des Tages aber lautete: Wie funktioniert das Zusammenspiel von Kolk und Mattuschka? Schließlich spielen beide ähnliche Positionen, gestern standen sie zum ersten Mal gemeinsam auf dem Platz – und harmonierten auf Anhieb. Kolk übernahm die Position hinter den Spitzen, Mattuschka rückte neben Macchambes Younga-Mouhani vor die Abwehr und spielte gestern gleich auf zwei Positionen. „Wir mussten umstellen, wir hatten ja nicht mehr so viele Alternativen“, sagte Mattuschka. Und so konnte sich auch Uwe Neuhaus davon überzeugen, dass seine beiden Offensivstrategen gut zusammen passen – ein Pass von Mattuschka leitete Kolks späten Treffer ein.

Neben dem offensiv starken Polenz hatte Neuhaus in der Innenverteidigung Zugang Ahmed Madouni und Daniel Göhlert aufgeboten, links begann Patrick Kohlmann. Vor der Viererkette agierten zunächst Younga-Mouhani und Christioph Menz, im offensiven Mittelfeld begann neben dem sehr aktiven, aber etwas glücklosen Quiring und Brunnemann Publikumsliebling Matuschka – der nach seinem Tor wieder als „bester Mann“ gefeiert wurde. Als einzige Spitze ließ Neuhaus zunächst Karim Benyamina spielen, für den in der Pause Halil Savran kam.

Bei aller Freude über das gute Ergebnis mischte sich bei Neuhaus aber auch ein bisschen Nachdenklichkeit. „Ich hatte den Eindruck, dass einige Spieler physisch am Limit waren“, sagte der Trainer. Dafür spricht auch, dass sowohl Kohlmann (für ihn kam Kolk) als auch Göhlert, für den Bernd Rauw spielen durfte, wegen Leisten- bzw. Adduktorenproblemen ausgewechselt werden mussten. Ob er die Belastung im Training reduziere, ließ Neuhaus offen. Auf jeden Fall können seine Spieler am Montag eine Stunde länger schlafen: Das Training beginnt erst um 10 Uhr.