Der Tag nach der Rückkehr in die Alte Försterei: Trainer Uwe Neuhaus schickt die Mannschaft des 1. FC Union eine gute Stunde in die Wuhlheide zum Auslaufen, im neuen Stadion werden die letzten Überbleibsel vom Einweihungsspiel gegen Hertha BSC beseitigt. Bis auf einige wenige Handgriffe, die noch zu erledigen sind, erinnert nichts mehr daran, dass hier in den vergangenen 13 Monaten gebaut wurde. Nach Wochen voller Anspannung, ob man auch rechtzeitig fertig werden wird, kehrt der Zweitliga-Aufsteiger zur Normalität zurück.
Und doch geschah am Donnerstag Nachmittag etwas ganz und gar nicht Normales. Es war um 17.30 Uhr, als Unions zweite Mannschaft ihr erstes Training für die kommende Berlin-Liga-Saison absolvierte. Mittendrin: Nico Patschinski. Am 4. März wurde dem Stürmer vom Verein wegen vereinsschädigenden Verhaltens fristlos gekündigt, am 3. Juni erklärte das Landesarbeitsgericht Berlin diese Kündigung wegen zu wenig detaillierter Begründungen des Klubs für unwirksam. Noch am gleichen Tag verbannte Union seinen Topverdiener (15.000 Euro monatlich) in die zweite Mannschaft.
Patschinski will Führungsspieler werden
Am Donnerstag nun der erste Auftritt des 32-Jährigen im Kader von Nachwuchs-Coach Theo Gries. „Mein Ziel ist es, Führungsspieler zu werden und mich über einen langen Weg wieder für die erste Mannschaft zu empfehlen“, sagte Patschinski nach der rund zwei Stunden dauernden Einheit: „Ich weiß, dass das schwer wird, doch wenn ich der zweiten Mannschaft helfe, helfe ich auch dem Verein.“ Von Trainer Gries vorgestellt zu werden brauchte der Zugang nicht. „Ich bin bekannt aus Presse, Funk und Fernsehen. Und von den Panini-Bildern“, hat Patschinski seinen Humor noch nicht verloren.
Ein Union-Angebot in Höhe von gut 100.000 Euro, um den bis 2010 laufenden Vertrag aufzulösen, wurde von Patschinski abgelehnt; es geht um einen Streitwert von über 250.000 Euro. Seit seiner Kündigung soll Patschinski kein Geld mehr von den Köpenickern erhalten haben, auch die 5000 Euro Vertragsstrafe, die Union laut Urteil des Arbeitsgerichts zurückzahlen muss, seien noch nicht geflossen. Eine Lösung scheint momentan nicht in Sicht.
Eine Rückkehr Patschinskis ins Profiteam wird es aber definitiv nicht geben. Das Hauptarbeitsfeld von Coach Neuhaus dürfte nach dem 3:5 gegen Hertha ohnehin die Defensive sein. Auch wenn es gegen den Bundesliga-Vierten der vergangenen Saison ging – „wir haben viel zu viele Fehler gemacht, drei Gegentore praktisch selbst vorbereitet“, bilanzierte Neuhaus.
Gegen den höherklassigen Gegner waren „die Räume größer und damit die Laufwege weiter“, erklärte Neuhaus. Außerdem habe sich jeder ob der Rückkehr in die heimische Spielstätte zu sehr unter Druck gesetzt. Nicht selten stand Neuhaus während des Spielverlaufs am Rand, um seine Mannschaft auf dem Rasen zu beruhigen. Was ob der neuen Lautstärke in der mit 19.000 Fans ausverkauften Arena nicht so einfach gewesen ist. „Das ist schon ein Unterschied. Dem Team bei einer solchen Atmosphäre Anweisungen zu geben, ist nicht so leicht“, sagte Neuhaus.
Pressesprecher sorgt für Unmut
Für Missstimmung während der Partie hatte Unions Stadionsprecher Christian Arbeit gesorgt. Als der Hertha-Anhang ob der Führung des eigenen Teams „Ihr könnt nach Hause fahren“ skandierte, schaltete sich Arbeit per Mikrofonanlage ein und erwiderte: „Aber dafür haben wir auch ein Zuhause.“ Am Donnerstag entschuldigte er sich für sein Vorgehen: „Das war eine Reaktion auf die Gesänge im Gäste-Block. Ich hatte aber nicht vor, die Fans zu provozieren. Im Gegenteil, es war toll, dass sie da waren.“


