Noch sechs Tage, dann rollt auch beim 1. FC Union wieder der Fußball. Am Montag bittet Trainer Uwe Neuhaus seine Mannschaft zum ersten Training für die kommende Saison in der Zweiten Liga. Es soll der Startschuss in eine neue, bessere Union-Welt werden. Bis dahin soll die Suche nach einem neuen Haupt- und Trikotsponsor abgeschlossen sein. „Wir werden uns in zwei, drei Wochen zu diesem Thema äußern“, hatte Klubchef Dirk Zingler erklärt – das war vor elf Tagen. Gut möglich also, dass Union noch in dieser Woche einen neuen Sponsor präsentieren wird.
Bislang brodelt nur die Gerüchteküche, spuckt dabei Namen wie Gazprom oder Vattenfall aus. Die Gerüchte, dass der russische Gaskonzern bei den Köpenickern einsteigen wird, werden jedoch auch solche bleiben. „Schalke 04 wird unser einziges Engagement im Fußball bleiben“, verdeutlichte Burkhard Woelki, Leiter der Unternehmenskommunikation von Gazprom. Man sei zwar mit Union in Kontakt, allerdings nur im Rahmen des Freundschaftsspiels, das die Berliner am 25. Juli in der Alten Försterei gegen die Schalker bestreiten werden.
Vertrag mit Silicon Sensor läuft aus
Auch ein Engagement des Stromanbieters Vattenfall wird es nicht geben. „Wir stehen nicht in Verhandlungen mit dem 1. FC Union“, sagte Vattenfall-Pressesprecher Olaf Weidner. Erst zum Ende der Saison 2008/09 war das Unternehmen als Exklusivpartner beim Bundesligisten Hertha BSC – das Engagement hatte im sechsstelligen Euro-Bereich gelegen – ausgestiegen, um sich auf Laufveranstaltungen wie den Halb-Marathon oder die City-Nacht zu konzentrieren.
Doch die Zeit drängt, Unions Geschäftsjahr beginnt am 1. Juli, am Mittwoch nächster Woche also, und der Vertrag mit dem bisherigen Haupt- und Trikotsponsor Silicon Sensor läuft nach zwei Jahren aus und wird nicht verlängert. Bei Union erhofft man sich nun eine Verdreifachung der bislang eingenommenen Summe von 210.000 Euro.
Kein aussichtsloses Unterfangen, sind die Köpenicker durch ihren Erfolgsweg in den vergangenen Wochen und Monaten durchaus attraktiv für potenzielle Geldgeber geworden. Die Modernisierung des Stadions an der Alten Försterei durch die eigenen Fans, dazu eine solide Finanzpolitik (der Klub erhielt die Lizenz von der Deutschen Fußball-Liga ohne Bedingungen) – in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise keine allzu schlechte Visitenkarte. Union ist in der Lage, nicht mehr beim erstbesten Angebot „Ja“ sagen zu müssen. Durch den Aufstieg sieht Union-Präsident Zingler seinen Verein vor allem für überregionale Unternehmen als „sehr interessante Plattform“. Eine Plattform, die zumindest für Gazprom und Vattenfall derzeit aber uninteressant ist.
Sturm soll verstärkt werden
Auch bei der Zusammenstellung des Kaders, der wenigstens den Klassenerhalt sichern soll, geht die Suche weiter. Nach Verteidiger Bernd Rauw und den Mittelfeldspielern Dominic Peitz und Björn Brunnemann soll nun noch ein Stürmer her.
Hier gestaltet sich die Suche jedoch etwas schwieriger. Getreu dem von Sportdirektor Christian Beeck immer wieder verkündeten Grundsatz („Wir tun nicht einfach etwas, nur um etwas zu tun“) lässt man sich Zeit beim Aufsteiger. Doch Union ist zweifelsohne nicht der einzige Klub, der bis zum Ende der Transferperiode am 31. August auf ein Schnäppchen hofft.



