Dezent waren die Hinweise wirklich nicht. Beim 1. FC Union schien es eher, als würde man keine Gelegenheit ungenutzt lassen, seine Heimatliebe zu demonstrieren. Sie trugen T-Shirts, auf denen sie sich als "Auswärtsaufsteiger" bezeichneten, zeigten zum Abschied am Samstag vor dem 1:1 gegen Erfurt ein Plakat, auf dem "Wir sehen uns zu Hause" stand. Und das ist eben nicht im Prenzlauer Berg, wo die Fußballer die erste - und vorerst auch letzte - Drittligasaison verbrachten, sondern in Köpenick.

Sie dürfen bald wieder dorthin zurück, zurück in die Alte Försterei. Vielen - sowohl im Verein als auch im Anhang - geht beim Gedanken daran ein "endlich" über die Lippen. So furchtbar aber, wie vielleicht zu vermuten wäre, fiel das wegen Sanierungsarbeiten in der Wuhlheide erzwungene Abenteuer im Exil gar nicht aus. Im ungeliebten, weil einst vom Ostrivalen BFC Dynamo bespielten Jahnsportpark legte der Zweitligaaufsteiger eine sportlich so dominante Saison hin, wie man sie in der Vereinschronik nur selten findet. Auch interessant ist dabei, dass die Köpenicker - ungeachtet der drei Zweitligajahre - im Prenzlauer Berg mit 7150 Besuchern pro Spiel den besten Zuschauerschnitt der vergangenen 20 Jahre erzielen konnten.

"Das ist so ein bisschen die Träne des Jahres für uns. Wir haben alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Aber zu Hause wäre es eben doch schöner gewesen", sagt Sportdirektor Christian Beeck. Durch die Historie, den politischen Hintergrund sei der Jahnsportpark immer ein "sehr sensibles Thema" gewesen. Versucht man, den geschichtlichen Aspekt außer Acht zu lassen, sei der Jahnsportpark einfach nur ein "gutes Stadion", sagt Christian Beeck.

Ein noch besseres wird sicher die renovierte Försterei. Dorthin will Union gern viele der Leute mitnehmen, die man auf fremdem Territorium neu für sich gewinnen konnte. Davon gab es einige, denn ein Teil des klassischen Union-Anhangs verweigerte den Besuch der "Auswärtsspiele" hartnäckig. Trotzdem kam es zu einer Steigerung des Zuschauerschnitts. "Ich kenne zwar keine statistischen Erhebungen, aber wir hatten alle den Eindruck, dass wir durch unser Auftreten einen Schritt nach vorn gemacht haben", sagt Beeck, der bereits den nächsten Schritt im Kopf hat.

Ihr Image als große Familie, in der sich alle nahestehen, wollen die Unioner pflegen und sich darüber positionieren. Und zwar so nachhaltig, dass "wir in der Zweiten Liga einen fünfstelligen Schnitt anstreben", so der Sportdirektor. Hinsichtlich dessen gibt sich Union redlich Mühe. Die Test- bzw. Benefizspiele gegen Hertha BSC (8. Juli), Schalke 04 (25. Juli) und Bayern München (wohl am 26. August) werden ohnehin viele Zuschauer in das aufgehübschte Stadion locken. Und vielleicht dazu beitragen, dass Union erstmals seit 1985/86 wieder mehr als 10.000 Besucher im Schnitt begrüßen kann. Zur Premierensaison in der neuen alten Heimat wäre dies ein schönes Einstandsgeschenk.