Umstrittene Kontakte

Ruderin Nadja Drygalla verlässt vorzeitig Olympia

Die Rostockerin ist mit einem Mann liiert, der für die rechtsextreme NPD aktiv ist. Jetzt ist die 23-Jährige aus London abgereist.

Ruderin Nadja Drygalla hat am Donnerstag das olympische Dorf in der Nähe der Regattastrecke in Eton Dorney verlassen. Das gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in der Nacht zu Freitag bekannt. Genaue Gründe für die Abreise nannte der DOSB zunächst nicht.

„Heute erhielt die Mannschaftsleitung der deutschen Olympiamannschaft Erkenntnisse zum privaten Umfeld der Rudererin Nadja Drygalla. Daraufhin habe ich im Beisein des Sportdirektors des Deutschen Ruderverbandes, Herrn Mario Woldt, ein ausführliches und intensives Gespräch mit unserem Mannschaftsmitglied geführt. Frau Drygalla hat am Ende unseres Gesprächs erklärt, dass sie das olympische Dorf verlassen wird, um keine Belastung für die Olympiamannschaft entstehen zu lassen. Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt“, sagte Michael Vesper, Chef de Mission der Deutschen Olympiamannschaft.

Frau Drygalla habe in dem Gespräch glaubwürdig bekräftigt, dass sie sich zu den Werten der olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen bekenne, so Vesper.

Von rechtsextremer Szene distanziert

Nach Angaben des Radiosenders NDR 1 Radio MV ist Drygalla mit einem Mann liiert, der 2011 in Rostock als Direktkandidat der rechtsextremen NPD zur Landtagswahl angetreten war, allerdings erfolglos. Die Partei sitzt mit fünf Abgeordneten im Parlament. Der Lebensgefährte Drygallas soll regelmäßig für ein NPD-nahes Internetportal schreiben und Mitglied der regionalen Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock“ sein.

Laut NDR kursierten schon im März 2011 Informationen über Kontakte der Spitzensportlerin in die Neonazi-Szene. Ob dies der Grund für ihr Ausscheiden aus dem Polizeidienst des Landes war, blieb zunächst offen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU), dem die Polizei untersteht, gilt als Verfechter eines harten Kurses gegenüber der NPD und entschiedener Befürworter eines neuen Verbotsverfahrens gegen die Partei.

Drygalla sei abgereist, weil sie mit einem Mann aus der rechtsextremen Szene liiert ist, bestätigte der Chef de Mission, Michael Vesper, am Freitag auf einer Pressekonferenz im Deutschen Haus in London. Entsprechende Berichte seien aus dem Internet und von Journalisten am Donnerstagnachmittag an ihn herangetragen worden. In einem Gespräch habe sich die 23-Jährige von der rechtsextremen Szene distanziert.

Warum die ehemalige Polizeianwärterin den Polizeidienst verlassen habe, wisse er nicht. Vesper: „Das mag damit zusammengehangen haben, darüber will ich mich gar nicht äußern. Wichtig ist für mich, wie sie selber denkt und wie sie handelt. Da habe ich keine Zweifel daran, dass sie auf dem Boden nicht nur des Grundgesetzes, sondern der olympischen Werte steht“, erklärte Vesper zu dem etwa anderthalbstündigen Gespräch mit der Athletin. „Man würde einem Menschen unrecht tun, wenn man ihn durch einen anderen Menschen aus seinem persönlichen Umfeld diffamieren würde.“

Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommmern hatte zuvor mitgeteilt, dass die Olympia-Ruderin seit fast einem Jahr nicht mehr bei der Polizei ist. Sie habe die Ausbildung bereits im September 2011 auf eigenen Wunsch abgebrochen, sagte am Freitag ein Sprecher des Innenministeriums in Schwerin. Nähere Angaben zu den Gründen machte er nicht. Drygalla war bis dahin Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei.

„Wir werden nach den Olympischen Spielen noch im August ein weiteres Gespräch mit Nadja Drygalla führen. Danach werden wir gemeinsam die weitere Vorgehensweise besprechen und natürlich auch kommunizieren“, sagte DRV-Präsident Siegfried Kaidel.

Drygalla hatte mit dem deutschen Frauen-Achter den letzten Platz auf dem Dorney Lake belegt. Ein weiterer Start der 23-Jährigen war nicht vorgesehen.