Nicht einmal der höchste Gold-Trumpf stach: Als Säbelfechter Nicolas Limbach am Sonntag mit versteinerter Miene von der Planche stieg, stand die deutsche Equipe noch immer mit leeren Händen da. Britta Steffen und Freund Paul Biedermann waren baden gegangen, die hoffnungsfrohen Schützen hatten nicht getroffen, auch die Radfahrer holten nicht mal eine Medaille.

Ein fliegender Start sieht anders aus, Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), war freilich um Gelassenheit bemüht. „Wir werden nicht nervös“, sagte er am Sonntag. Am Montag, ergänzte er, „wollen wir im Wasser was reißen, und es gibt auch noch andere Medaillenchancen“. Eine echte aber haben nur die Wasserspringer Sascha Klein/Patrick Hausding (Riesa/Berlin) im Synchronspringen vom Turm.

Für Bundespräsident Joachim Gauck hat sich der Besuch in London jedenfalls kaum gelohnt. Er blicke, verriet das Staatsoberhaupt bei seiner Stippvisite, regelmäßig auf den Medaillenspiegel, dort wurde die 392-köpfige deutsche Mannschaft aber zunächst nicht einmal geführt: null Gold, null Silber, null Bronze. Kolumbien, Nordkorea oder Usbekistan waren am ersten Wochenende erfolgreicher als die Deutschen. Und China dominiert Olympia scheinbar nach Belieben.

Am Sonntagnachmittag hatten sich die Hoffnungen auf Säbelfechter Limbach konzentriert. Er hatte in diesem Jahr vier Weltcup-Turniere gewonnen und dazu bei den letzten drei Weltmeisterschaften jeweils im Finale gestanden. Dann unterlag er im Viertelfinale – und das Warten ging weiter. Bei den Spielen in Peking 2008 hatte Slalom-Kanute Alexander Grimm erst am vierten Tag im Einerkajak die erste deutsche Goldmedaille holte.

Steffen und Biedermann versagen

Die Schwimmer versenkten sich am ersten Wochenende einstweilen selbst. Britta Steffen und Paul Biedermann stiegen enttäuscht aus dem Wasser, die Trainer der deutschen Stars hatten sich verzockt. Biedermann experimentierte über 400 Meter Freistil mit einer neuen Taktik, Doppel-Olympiasiegerin Steffen sollte in der 4x100-m-Freistil-Staffel Kräfte sparen. „Das ist zünftig in die Hose gegangen“, bilanzierte Lutz Buschkow, DSV-Leistungssportdirektor.

Hinterher wollte Andre Greipel im Straßenrennen um eine Medaille mitsprinten. Bei der entscheidenden Attacke war aber kein deutscher Fahrer mitgegangen. Ein Fehler: Greipel gewann zwar den Sprint aus dem Feld, wurde mit 40 Sekunden Rückstand auf den Sieger Alexander Winokurow (Kasachstan) aber nur 27.

Nicht viel besser erging es den Frauen. Bei strömendem Regen sprintete die Düsseldorferin Ina-Yoko Teutenberg nach einem Rennen mit vielen Stürzen als Vierte über die Ziellinie – allerdings hatte eine dreiköpfige Ausreißergruppe da längst die Medaillen unter sich ausgemacht. Früher war wenigstens auf die Schützen Verlass gewesen, doch auch die dreimalige Skeet-Weltmeisterin Christine Wenzel schoss so ungenau, dass es nicht mal zu einer Medaille reichte. Dagegen war die Nationalhymne Chinas nach den ersten 16 von 302 Entscheidungen der Spiele bereits sechs Mal gespielt worden.

Zu allem Überfluss erwischte dann auch noch Tennisprofi Philipp Kohlschreiber den DOSB auf dem falschen Fuß. Kohlschreiber sagte mit einem Handy-Video seine Teilnahme am olympischen Turnier verletzt ab, erst viel später informierte er dann die DOSB-Verantwortlichen. Einziger Deutscher ist im Herren-Einzel Nachrücker Philipp Petzschner.

Nicht nur Niederlagen

Vor vier Jahren in Peking mussten sich die Deutschen auch gedulden, bis die erste Medaille am zweiten Tag gefeiert werden konnte. Die Wasserspringerinnen Ditte Kotzian und Heike Fischer holten 2008 in Peking Bronze. 2004 in Athen gab es nach einem erfolglosen Auftakt je einmal Silber und Bronze. Seit dem Olympia-Boykott 1980 in Moskau hat es an den ersten beiden Wettkampftagen immer mindestens eine Plakette gegeben.

Zu den positiven Olympia-Ereignissen gehörte der Überraschungssieg von Julia Görges im Tennis über die Wimbledon-Finalistin Agnieszka Radwanska. Goldene Hoffnungen weckten auch die deutschen Vielseitigkeitsreiter. Das Quintett um Weltmeister Michael Jung aus Horb führt nach der Dressur mit 119,10 Strafpunkten vor Australien (122,10) und Großbritannien (127,00).

"Man sollte die Kirche im Dorf lassen und schon nach den ersten Tagen generalisieren, das es schwer für die gesamte Mannschaft wird", meinte Claudia Bokel, frühere Fecht-Weltmeisterin und Mitglied im Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). 2008 in Peking holte das DOSB-Team nach schleppendem Beginn 41 Medaillen.

SID/mim